Holzhaus, Schlafsäcke

Lobau-Besetzer igeln sich in Wintercamp ein

Mit einem Holzhaus und Schlafsäcken rüsten die Lobau-Besetzer für den Winter. Neues Projekt: eine „Widerstandshecke“.

Vor exakt 71 Tagen schlugen die Umweltaktivisten ihr Lager in der Lobau auf. Aus dem sporadischen Zeltcamp ist nach mehr als zwei Monaten ein befestigtes Quartier entstanden. Die Ideen der Baustellen-Besetzer werden immer ausgefeilter: Schlafsäcke, die bis zu minus zehn Grad aushalten, und eine Jurte sollen die Aktivisten auch bei eisigen Temperaturen warmhalten. Auf Hochtouren wird im Moment an der Holzpyramide gebaut, die mit Stroh gedämmt und an der Südseite verglast wird. Die Hütte wird zusätzlich noch mit einer Plastikplane verkleidet.

„Widerstandshecke“ aus Pflanzen und Bäumen
Das Camp schlägt wortwörtlich Wurzeln, denn eine Menge kleiner Bäume und Heckenpflanzen werden gepflanzt. Die Besetzer wollen eine „Widerstandshecke“ errichten sowie einen „Baum der Hoffnung“ pflanzen. Auch permakulturelle Beratung, wie die riesige karge Fläche des ehemaligen Ackers wieder begrünt werden kann, steht auf dem Programm.

Das Baumaterial und die Pflanzen werden von Privatpersonen gesponsert. Unterstützung bekommen die Aktivisten auch von Anrainern. Diese stellen Duschen zur Verfügung oder beliefern die Camps mit Essen. Ansonsten wird in einer Outdoor-Küche gekocht und in einer Bauhütte sind Ofen und Boiler untergebracht. Abends wärmen sich die Camp-Mitglieder am Lagerfeuer auf.

Wer sind eigentlich die Umweltaktivisten?
Monatelang auf der Baustelle sitzen kann sich nicht jeder leisten. Bei den Besetzern handelt es sich hauptsächlich um Studierende, die nach der Vorlesung statt in ihre WGs ins Camp gehen. Wieder andere sind derzeit arbeitslos und investieren ihre freie Zeit ins Bauen und Bepflanzen. Auch wechseln sich die Besetzer ab. Untertags sind zwischen zehn und 15 Personen vor Ort, über Nacht meist weniger. Viele der Aktivisten wollen anonym bleiben, deswegen verwenden sie Pseudonyme, wie Calm, Merle und Ira.

Uneinigkeit im Protestcamp über Dialog mit der Stadt
Gegenüber Radio Wien bestreiten die Aktivisten, im Dialog mit der Stadt zu sein. Anderen Quellen zufolge gab es bereits zwei Termine mit den Besetzern und sachkundigen Beamten, ein dritter Austausch ist geplant.

Unter den Aktivisten herrscht anscheinend Uneinigkeit, einige befürworten einen Dialog, wieder andere sind dagegen und wollen gar nicht reden. In jedem Fall harren sie so lange aus, bis ein Baustopp erzielt ist.

Katharina Mötzl
Katharina Mötzl
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Samstag, 04. Dezember 2021
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