„Krone“-Kolumne

Solidarität ist wichtig, hat aber ihre Grenzen

Zum Lockdown, dem Lockdown für Ungeimpfte und dem Osterruhe-Lockdown gesellt sich nun der Solidaritäts-Lockdown. Ganz Wien wird heruntergefahren, damit sich Oberösterreich und Salzburg nicht so einsam fühlen. Bei aktuell 105 belegten Intensivbetten von maximal 388 für Corona-Patienten und 560 insgesamt, sagt sogar der Ärztekammer-Präsident Dr. Thomas Szekeres: „Die Zahlen sind hoch, aber sie steigen nicht exponentiell. Daher sollte man sich einen Lockdown für alle Wiener gut überlegen.“

Und dennoch schließt am Montag der Ottakringer Friseur, weil 250 Kilometer Luftlinie entfernt die Intensivstationen voll sind. Das Meidlinger Beisl bleibt leer, weil zwei Bundesländer weiter der Wahlkampf wichtiger war als die Pandemiebekämpfung.

Und das Schlimme: Aus wirtschaftlicher Sicht waren alle Maßnahmen, für die sich Bürgermeister Michael Ludwig als Twitter-Kanzler der Herzen feiern ließ, völlig umsonst. Der vorsichtige Weg und die Entbehrungen der Bevölkerung, wie die Kindertests im Sommer, führten uns an den gleichen finanziellen Abgrund wie Oberösterreich und Salzburg.

„Kommunizierende Gefäße“ seien die Bundesländer, sagte Ludwig am Freitag. Bundeseinheitliche Regeln sind ihm wichtig. Doch die Gefäße schwiegen, als wir im Osterruhe-Lockdown vegetierten, der Westen kannte keine Solidarität. Wir leben sie jetzt. Solidaritäts-Schulden, Solidaritäts-Pleiten, Solidaritäts-Tränen in Kinderaugen. Solidarität ist wichtig. Sie hat aber auch ihre Grenzen.

Michael Pommer
Michael Pommer
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Dienstag, 30. November 2021
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