Privathengst trainiert

Causa Hofreitschule: Das sagt der Pferdebesitzer

In der jüngsten Causa rund um die Spanische Hofreitschule gehen die Wogen hoch. Nachdem ein Rechnungshofbericht offenbart hatte, dass ein im Privatbesitz der Tochter des Aufsichtsratsvorsitzenden Johann Marihart stehender Hengst jahrelang von den Bereitern ausgebildet worden war, steht der Vorwurf im Raum, dass dies auf Staatskosten passiert sei. Nun äußert sich Marihart selbst dazu. Der ehemalige Agrana-Chef spricht von „haltlosen Unterstellungen“ und erklärte, die Hofreitschule sei sogar „Nutznießer“ des Arrangements gewesen.

In einer Mitteilung betonte Marihart, der Kauf des Pferdes durch seine Tochter im Mai 2013 um 12.000 Euro sei „ein durchaus üblicher Vorgang“ gewesen, zumal das Pferd „laut internen Aufzeichnungen in einem damals in eher durchschnittlichem Zustand“ gewesen sei: „Einige Röntgenbefunde galten sogar als für die - Zitat - ,Hohe Schule bedenklich‘, insgesamt wäre das Tier ,zuchttechnisch nicht relevant‘ gewesen, so das ernüchternde Urteil der Experten.“ 

Pferd am Heldenberg eingestellt
Die Einstellung des Hengstes am Heldenberg und das Training durch das Personal der Hofreitschule seien damals „jedem Käufer gleichermaßen zustehende Konditionen“ gewesen. Da Mariharts Tochter nur unweit vom Heldenberg wohnte, habe sie sich für diese Variante entschieden. 1200 Euro pro Monat für die Unterbringung und das regelmäßige Bewegen, Longieren oder Führen - sechsmal die Woche für jeweils eine halbe Stunde - dies sei vereinbart worden.

„Einspringer“ für Vorführungen
Der Hengst mit dem Namen „Maestoso Fantasca-67“ sei schließlich im Jahr 2014 „als Einspringer“ für Auftritte aktiviert worden, weil es damals einen Engpass an Pferden gegeben habe, so Marihart. In den Jahren 2018 bis 2020 sei der Hengst insgesamt 129-mal bei einer Aufführung eingesetzt worden, „was die Möglichkeit der Eigennutzung für die Besitzerin dramatisch reduziert habe“. Insgesamt neun Monate sei das Pferd der Hofreitschule zur Verfügung gestanden, die Reitstunden durch die Bereiter seien „vertraglich vereinbarte Bewegungseinheiten“ gewesen, in denen die „Bereiter in die Rolle des Beobachters wechselten“. 

Die Kritik des Rechnungshofes, es seien Kosten für Tierarzt und Hufbeschlag von der Hofreitschule getragen worden, weist Marihart zurück: „Das mag für andere gegolten haben.“ Vielmehr habe seine Tochter auch noch die Kosten für die Anschaffung von Sattel, Zaumzeug sowie einen 2018 erforderlichen Klinikaufenthalt mit in Summe 10.000 Euro zusätzlich bezahlt. In Summe seien für das Pferd und seine Ausbildung 130.000 Euro an die Hofreitschule geflossen. 

„Hofreitschule bekam Kosten erstattet“
Die Vorwürfe „ehemalige Mitarbeiter der Hofreitschule unter dem Deckmantel der Anonymität“ seien „haltlose Anschuldigungen“. „,Fantasca‘ ist ein Sponsorpferd, für dessen Haltung und Ausbildung die Spanische Hofreitschule von privater Hand die Kosten erstattet bekommen hat“, so Marihart. „Würde man mehr Menschen für solche Investments gewinnen, ließen sich die finanziellen Probleme der Hofreitschule deutlich lindern.“

Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings fraglich. Denn eine Pferdeexpertin, die aufgrund ihrer Nähe zur Hofreitschule anonym bleiben möchte, analysierte gegenüber der „Krone“, der Hengst sei mittlerweile mehrere Hunderttausend Euro wert. Alles andere als anonym hatten sich zwei ehemalige Oberbereiter zu der Causa geäußert, sie kritisierten die Vorgänge massiv. 

Klima will Vorwürfe aufklären
Die derzeitige Chefin der Hofreitschule, Sonja Klima, versprach eine Aufklärung der Vorwürfe. „Ich habe immer wieder nachgefragt, und mir wurde versichert, dass alles vertraglich und ordnungsgemäß geregelt ist“, sagt sie. „Am wichtigsten sind mir die Bereiter, auf die zähle ich“, so die Chefin. „Die nächsten Wochen werden wir nutzen, um alle offenen Punkte im Team intern zu besprechen und zu klären.“

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Freitag, 03. Dezember 2021
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