Alarmsirenen schrillen

Tote Flüchtlinge: Die Schlepper-Mafia ist zurück

Einmal mehr endete die Reise in den vermeintlich „Goldenen Westen“ für zwei Flüchtlinge fatal - mitten in Europa! Ein Zeichen dafür, dass die organisierte Schlepperei ihre Renaissance feiert.

Die jüngste Tragödie um zwei tote Flüchtlinge in einem Schlepper-Lkw lässt europaweit die Alarmsirenen schrillen. Dabei war es nur eine Frage der Zeit. Schon wieder! Denn auch vor der Tragödie von Parndorf mit 71 Toten im Jahr 2015 standen die Zeichen auf Sturm. Nach einer Corona-bedingten Pause ist die internationale Schlepper-Mafia also wieder dick im Geschäft. Wie berichtet, wurden am Dienstag in einem mit insgesamt 29 Männern vollgestopften Kleinlaster die Leichen zweier Syrer entdeckt. Soldaten stoppten den Lkw und konnten so möglicherweise Schlimmeres verhindern.

Fahndung nach Schlepper
Der Schlepper konnte flüchten. Im Grenzgebiet zwischen Ungarn und dem Burgenland läuft nach wie vor eine Großfahndung - auch Drohnen sind im Einsatz. „Wir können das Gebiet, in dem er sich befinden dürfte, gut eingrenzen - aber es gibt Fälle, wo sich Personen wochenlang erfolgreich im Wald versteckt hielten“, erklärt Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt (siehe Interview unten).

(Bild: Christian Schulter)

Fakt ist auch: Die Schlepperaktivität hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen: Seit Beginn des Jahres wurden bundesweit 30.000 Personen aufgegriffen, die illegal einreisten, sich rechtswidrig in Österreich aufhielten oder eben geschleppt wurden. Ein deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr! 300 Schlepper wurden heuer angezeigt.

Die meisten Flüchtlinge stammen aktuell aus Syrien und Afghanistan, aber auch viele türkische Kurden haben sich zuletzt auf den Weg nach Europa gemacht.

Auch Deutschland kämpft mit Problemen
Ähnlich prekär zeigt sich die Situation in Deutschland, wo tagtäglich 160 Flüchtlinge über die polnische Grenze eingeschleust werden – offenbar „ferngesteuert“ durch den weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko. Seehofer kritisierte auch Griechenland, das Flüchtlinge angeblich einfach weiterschickt.

TV-Tipp

  • „Nachgefragt“ über die jüngste Flüchtlingstragödie
  • Zu Gast im Studio ist Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität
  • Donnerstag, 17 Uhr, auf krone.tv

„Banden liefern sich Wettbewerbskampf am Balkan“
„Krone“: Wieso ist der Flüchtlingszustrom wieder so stark?
Gerald Tatzgern: Derzeit sind rund 60.000 Illegale auf dem Balkan gestrandet. Und alle wollen vor dem Winter weg. Aktuell herrscht ein regelrechter Wettbewerbskampf unter Schleppern. Und dies führt dann zu derartigen Dramen.

Inwiefern?
Profi-Banden ist es im Normalfall wichtig, dass Kunden heil am Ziel ankommen. Um keine schlechte ,Werbung‘ zu erhalten und weiterempfohlen zu werden. Aufgrund der großen Nachfrage versuchen nun aber auch Amateure, das schnelle Geld zu machen. Und denen ist die Gesundheit ihrer Passagiere völlig egal.

Gerald Tatzgern (Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)
Gerald Tatzgern

Wie im aktuellen Fall?
Möglich. Wir können aber noch nicht sagen, ob der flüchtige Schlepper zu einer Organisation gehört oder ,Privatunternehmer‘ war. Die Fahndung und die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass unsere Bundesheersoldaten mit ihrem Einschreiten das Leben weiterer Opfer gerettet haben.

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