28.08.2021 21:31 |

Biden warnt:

„Weiterer Anschlag in Kabul in nächsten Stunden“

Die USA halten einen weiteren Anschlag auf den Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul für „sehr wahrscheinlich“. „Die Lage vor Ort ist nach wie vor extrem gefährlich, und die Gefahr von Terroranschlägen auf den Flughafen bleibt hoch“, erklärte US-Präsident Joe Biden am Samstag. Nach Einschätzung der Armeeführung sei „ein Anschlag in den nächsten 24 bis 36 Stunden sehr wahrscheinlich“.

Am Samstag hat das US-Militär mit dem Abzug seiner Truppen vom Flughafen Kabul begonnen. Der Prozess sei gestartet worden, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Samstag. Gleichzeitig widersprach er entschieden Aussagen der militant-islamistischen Taliban, wonach die USA „zwei, drei“ Zugänge zum Flughafen in der Nacht zu Samstag an ihre Kräfte übergeben hätten.

Taliban kontrollieren Flughafen-Zufahrten
Die Taliban hätten Sicherheitskontrollen rund um den Flughafen errichtet, sagte Kirby. „Aber sie kontrollieren keine Tore, sie sind nicht am Flughafen und haben keine Rolle für die Sicherheit“, betonte Kirby. Das US-Militär werde noch bis zum geplanten Abzug am Dienstag für Sicherheit und Betrieb des Airports verantwortlich sein, sagte Kirby. Alle Tore des Flughafens stünden weiter unter Kontrolle der US-Soldatinnen und Soldaten. Die Truppen sollen Afghanistan nach Willen von US-Präsident Joe Biden bis Dienstag verlassen.

Video: So kontrollieren die Taliban den Alltag in Afghanistan

Am Freitag waren noch mehr als 5000 am Flughafen Kabul stationiert gewesen. Kirby erklärte, das Militär werde aus Sicherheitsgründen zunächst keine neuen Zahlen zur Truppenstärke nennen. Das US-Militär werde noch bis zum Abschluss des Einsatzes westliche Staatsbürger und frühere afghanische Mitarbeiter ausfliegen können, betonte er.

US-Botschaft: „Nicht mehr zum Flughafen kommen“
Nach dem Anschlag vom Donnerstag am Flughafen Kabul mit Dutzenden Toten - darunter auch 13 US-Soldaten - warnte die US-Botschaft erneut vor möglichen Angriffen. US-Bürger sollten bestimmte Tore sofort verlassen oder aufgrund der Gefahrenlage weiterhin gar nicht erst zum Flughafen kommen. Schon vor dem Anschlag, bei dem sich nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an einem Tor in die Luft sprengte, hatten die USA eine entsprechende Warnung ausgegeben.

13 US-Soldaten bei Anschlag getötet
Bei dem Anschlag wurden nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums 13 US-Soldaten im Alter von zwischen 20 und 31 Jahre getötet. Unter den Opfern waren elf Marineinfanteristen und je ein Soldat des Heeres und der Marine. Fünf der Marineinfanteristen waren gerade mal 20 Jahre alt. Unter den Opfern waren auch eine 23 sowie eine 25 Jahre alte Soldatin. Das Ministerium veröffentlichte, wie in den USA üblich, auch die vollen Namen der Getöteten. Über die Dutzenden zivilen Opfer des verheerenden Anschlags vom Donnerstag außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt ist hingegen bisher wenig bekannt.

Die Soldaten waren an einem Tor des Flughafens im Einsatz, um Menschen zu kontrollieren, die aus Kabul evakuiert werden wollten. Die Särge der getöteten Soldaten waren in einem Flugzeug auf dem Weg in die USA, wie Kirby am Samstag erklärte.

Lage in Kabul zunehmend chaotisch
Das US-Militär tötete bei einem Vergeltungsschlag in der Provinz Nangarhar nach eigenen Angaben zwei ranghohe Vertreter des örtlichen IS-Ablegers IS Khorasan (IS-K). Ein weiterer sei verletzt worden, erklärte Generalmajor William Taylor am Samstag im Pentagon. Das US-Militär soll noch bis Dienstag Menschen in Sicherheit bringen, allerdings wird die Zahl der ausgeflogenen Personen wegen des gleichzeitigen Abzugs von Soldaten und Ausrüstung sinken. Die Lage um den Flughafen ist seit Machtübernahme der Taliban chaotisch und extrem gefährlich.

Es blieb weiter unklar, ob Frauen unter Taliban-Herrschaft weiter ihren Berufen nachgehen können. Konkrete Aussagen dazu machten die Taliban bisher nur in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Am Freitagabend twitterte Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid dazu, dass der Arbeit von Frauen im öffentlichen Gesundheitssektor nichts im Wege stehe. Das Gesundheitsministerium weise alle Mitarbeiterinnen in Kabul und den Provinzen an, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.

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