Zahlreiche Kameraleute und Fotografen hatten im Innenhof des Klagenfurter Landhauses auf Grasser, der mit seinem Anwalt Manfred Ainedter kam, gewartet. Die Frage, warum es in seiner Zeit als Finanzminister so viele Malversationen gegeben habe, von der AvW bis zur Hypo Group Alpe Adria, schmetterte Grasser ab: "Falsche Frage, Sie sollten lieber fragen, warum es damals in Österreich so einen Wirtschaftsaufschwung gegeben hat." Grasser war bis Jänner 2007 für die ÖVP als Finanzminister in der Regierung, in seine Amtszeit fallen die Swap-Verluste der Bank (Herbst 2004) und die Ermittlungen gegen den damaligen Hypo-Vorstandschef Wolfgang Kulterer.
"Bayern ist reicher als Österreich"
Die Zeit bis zu seinem Aufruf als Zeuge durch den Ausschussvorsitzenden Rolf Holub vertrieb sich der gebürtige Klagenfurter vor dem Plenarsaal mit Smalltalk. Im Saal drinnen übte Grasser dann Kritik an Finanzminister Josef Pröll. "Bayern ist größer und reicher als Österreich, warum musste man das Gesamtrisiko dem österreichischen Steuerzahler aufbürden?" fragte Grasser. Grasser bezweifelte, dass im umgekehrten Fall die BayernLB ein solches Risiko für eine österreichische Bank übernommen hätte. Er hätte den reichen Freistaat Bayern stärker zur Kasse gebeten, dozierte er.
Die Eigenkapitalquote der Hypo Alpe Adria Group habe sich immer am unteren Ende dessen, was gesetzlich vorgeschrieben sei, bewegt, das sei viele Jahre bekannt gewesen, erklärte Grasser. Sie habe sich da aber nicht substanziell von anderen Banken unterschieden, sei also kein Sonderfall gewesen, ergänzte er.
"Scheitern der Hypo eine Folge der Finanzkrise"
Sehr eloquent erzählte er seine Sicht der Entwicklung der Kärntner Bank. Für ihn ist das Scheitern der Hypo eine Folge der Finanzkrise. Ein Versagen der Finanzmarktaufsicht sieht er nicht: "Was wäre gewesen, wenn es keine Finanzkrise gegeben hätte? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Die Hypo hat nichts anderes gemacht als Raiffeisen oder die Erste, sie sind eine Strategie gefahren, die nur noch ein bisschen aggressiver war. Das Klumpenrisiko Balkan hat am Ende des Tages die Hypo zu Fall gebracht."
"Die Alarmglocken haben geläutet, ja"
Den wesentlichen Fehler im Hypo Management ortet er darin, dass es einen extrem starken Fokus auf den Balkan gelegt und ein starkes Wachstum gefahren hätte. 2006 war für den damaligen Finanzminister das Jahr, in dem der Steuerzahler die Bawag habe retten müssen und in dem die Frage aufgetaucht sei, ob die Hypo fallen würde. "Es haben die Alarmglocken geläutet, ja", sagte er. Eine sofort veranlasste Bankprüfung habe keine substanzielle Schieflage der Bank zutage gebracht. Aufgrund von FMA-Berichten sei das Eigenkapitalerfordernis von acht Prozent erfüllt gewesen.
Wie schon andere Zeugen vor ihm sieht er die Haupt-Schwachstelle der Hypo damals im Treasury System und im Risikomanagement. So sei ihm berichtet worden, dass man in der Bank selbst nicht gewusst habe, welches Risiko man mit den Swaps eingegangen sei, sagte er. Dass die Bayern das Volumen noch einmal aufgeblasen haben und sich in der Ukraine engagiert hätten, sei der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt gewesen.
Zur Frage, ob der Vermögensverwalter und Hypo-Investor Tilo Berlin ihm ein Investment bei der Hypo schmackhaft gemacht habe, entschlug er sich ebenso der Aussage wie bei der Frage, ob er Geld seiner Schwiegermutter beim Hypo-Deal investiert habe. Berlin habe er "irgendwann zwischen 1994 und 1998" in seiner Zeit als Kärntner Landeshauptmannstellvertreter kennengelernt, aber keinerlei Geschäftsbeziehungen zu ihm unterhalten.
Berlin war als nächster Zeuge an der Reihe. Berlin war im vergangenen Herbst bereits vom Münchner U-Ausschuss vorgeladen worden, dort hatte er die Aussage unter Hinweis auf das laufende Verfahren verweigert.









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