„Virale Melodien“

So hilft uns Musik durch die Corona-Krise

Österreich
01.08.2021 10:50

Unter dem Titel „Virale Melodien“ ließe sich wohl zunächst ein musikalischer Ohrwurm vermuten. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine Forschungsarbeit, die belegt, dass Musik in der Corona-Krise dazu beiträgt, das Wohlbefinden zu stärken. Neben dem bloßen Hörgenuss nutzten viele Menschen die Gelegenheit, auch selbst aktiv werden - um damit die Folgen der Pandemie etwas in den Hintergrund zu rücken.

„Im Lockdown war nicht die Musik, sondern der bewusste Umgang mit Musik entscheidend für die Bewältigung der Situation“, erklärte die Direktorin der Musikabteilung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik, Melanie Wald-Fuhrmann, der „Deutschen Welle“. Die Forscher haben unter dem Titel „Virale Melodien“ nun eine aktuelle Studie veröffentlicht, die das Hörverhalten während der Pandemie untersucht hat.

Konkret haben sie dabei während des ersten Corona-Lockdowns 5000 Teilnehmer aus sechs Ländern und drei Kontinenten zu ihrem Musikkonsum befragt.

Abgeschottet von der Welt, um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen - oft blieb nur die Musik als seelischer Anhaltspunkt. (Bild: AFP/Frederic J. BROWN)
Abgeschottet von der Welt, um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen - oft blieb nur die Musik als seelischer Anhaltspunkt.

Wichtiger Wegbegleiter in der Krise
Dass Musik tatsächlich Glücksgefühle auslösen kann, ist wissenschaftlich längst bekannt - so wird sie etwa schon in Therapien eingesetzt, um den Herzschlag zu verlangsamen. Während die unterschiedlichsten Klänge für viele Menschen ohnehin schon zum wichtigen Wegbegleiter geworden sind, gewann Musik in der Corona-Krise aber zunehmend an Bedeutung: „Viele der Befragten haben Musik alleine gehört und - anders als zuvor - nichts nebenbei gemacht“, so Wald-Furhmann.

„Ersatz“ für soziale Kontakte
Mehr als die Hälfte der Befragten gab zudem an, für die Bewältigung von emotionalem und sozialem Stress Musik zu hören. „In extremen Situationen wenden wir uns eigentlich an unsere liebsten Menschen, was nun nicht möglich war“, sagt Melanie Wald-Fuhrmann. Musik habe diese emotionale Situation mit ihrer tröstenden Ansprache zum Teil auffangen können. „Häufig erfolgt in Texten eine direkte Anrede durch ein ,Du‘ oder ein ,Wir‘, wodurch sich Zuhörer als Individuum eingebunden fühlen.“

Mit „Coronamusik“ in Kontakt geblieben
Soziale Isolation, drohende Arbeitslosigkeit, Home-Schooling: Zahlreiche Studien weltweit haben belegt, dass die Pandemie den Menschen emotional und psychisch zusetzt und Symptome der Depression fördert. Viele Menschen haben es dabei ihren musikalischen Idolen gleichgemacht und etwa Lieder umgetextet oder auch Videos gedreht, in denen sie die ganze Familie eingebunden haben. Die Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als „Coronamusik“.

Mit dem Fortschritt bei den Impfkampagnen kehrt langsam wieder das soziale Leben mitsamt Musik-Festivals zurück. (Bild: AP/Joan Mateu)
Mit dem Fortschritt bei den Impfkampagnen kehrt langsam wieder das soziale Leben mitsamt Musik-Festivals zurück.

„Darin erkennen wir uns selbst und unsere Situation wieder: Das ist ehrlich, ungeschminkt und hilft, sich in der Isolation gesellschaftlich zu identifizieren“, erklärt Wald-Fuhrmann. Diese Lieder würden aber nur dann eine Wirkung entfalten, wenn sie gut gemacht seien, „uns also als kreativ-ästhetische Leistung überzeugen“.

Positive Wirkung auf Antikörperbildung
Dass Musik Endorphine freisetzen und auch ähnliche Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben kann wie Sex, Essen, Drogen oder Sport, ist wissenschaftlich unbestritten. Sie kann sich sogar positiv auf die Bildung von Antikörpern auswirken, was in Zeiten einer Gesundheitskrise durchaus sinnvoll sein dürfte.

Um den Effekt zu steigern, hat der Neurowissenschaftler Jacob Jolij von der Universität Groningen schon 2015 eine erste wissenschaftlich gestützte Playlist für gute Laune erstellt. Ganz an der Spitze steht dabei Queens „Don’t Stop Me Now“, gefolgt von „Dancing Queen“ (Abba), „Good Vibrations“ (Beach Boys), „Uptown Girl“ (Billy Joel) und „Girls Just Wanna Have Fun“ (Cindy Lauper).

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