Klimawandel-Folge

Eismangel bedroht die Fortpflanzung der Eisbären

Wissenschaft
09.02.2011 14:11
Die Erderwärmung erschwert den Eisbären in der Arktis die Fortpflanzung. Die kürzere Frostperiode und die damit verbundene immer frühere Eisschmelze in der kanadischen Hudson-Bay verringere zunehmend die Chancen der Weibchen, Nachwuchs zur Welt zu bringen, warnen Forscher im Fachmagazin "Nature Communications".

Die im Osten Kanadas gelegene Hudson-Bay ist der südlichste Lebensraum des Eisbären in der Arktis. Die Erderwärmung setzt dort den Tieren besonders zu. Allein im vergangenen Jahrzehnt schrumpfte die Population in der westlichen Bucht um ein Viertel, von 1.200 auf 900 Tiere. Ursache ist laut Forschern die kürzere Frostperiode.

Reserven der Tiere werden immer kleiner
Denn der Winter bietet den Eisbären die beste Lebensgrundlage: Auf der acht Monate zugefrorenen Bucht jagen sie nach Robben, ihrer Hauptnahrungsquelle. Nach der Eisschmelze, die immer früher einsetzt, ziehen sich die Tiere auf das Festland zurück und zehren von den angefressenen Polstern. Diese Reserven sind für die Weibchen besonders wichtig.

Die trächtigen Tiere ziehen sich von Oktober bis zum Frühjahr in Geburtshöhlen zurück, wo sie ein bis drei Junge zur Welt bringen. Fehlen ihnen aber die nötigen Energiereserven, steigt das Risiko, dass sie die Höhlen meiden, kleinere Würfe zur Welt bringen oder Fehlgeburten erleiden, wie Forscher der Universität Alberta in Kanada herausgefunden haben.

Eisschmelze setzt immer früher ein
Schon Anfang der 1990er-Jahre brachten 27 Prozent der trächtigen Eisbärinnen keinen Nachwuchs zur Welt, wie die Forscher schreiben. Die Eisschmelze beginnt in der Hudson-Bay pro Jahrzehnt um etwa eine Woche früher, was die Jagdsaison der Raubtiere zunehmend schrumpfen lässt.

Sollte die Eisschmelze im Vergleich zu 1990 um einen Monat früher einsetzen, könnten sich 40 bis 73 Prozent der Weibchen nicht mehr fortpflanzen, kalkulieren die Wissenschaftler. Sollte das Frühjahr sich gar um zwei Monate vorverlagern, so drohen demnach 55 bis 100 Prozent der Tiere ohne Nachwuchs zu bleiben.

Population in Hudson-Bay droht auszusterben
"Die Vorhersagen sind ein weiterer Hinweis darauf, dass die Population der westlichen Hudson-Bay unter den erwarteten Klimabedingungen wohl nicht lebensfähig bleibt", heißt es in der Studie. Gefährdet seien aber auch die weiter nördlich gelegenen Gruppen. Insgesamt leben in der Arktis 20.000 bis 25.000 Eisbären.

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