12.07.2021 21:12 |

Simulator in Zeltweg

Reportage: Die „Krone“ im Eurofighter-Cockpit

Seit der Ausmusterung der Saab-105-Ausbildungsjets Anfang des Jahres durch das Bundesheer spielt der streng geheime Eurofighter-Simulator in Zeltweg eine noch wichtigere Rolle bei der Ausbildung von Piloten. Als erste Zeitung Österreichs konnte die „Krone“ hautnah erleben, wie die Luftstreitkräfte das Hightech-Gerät zum Training einsetzen - und wie täuschend echt die Illusion im Cockpit ist.

An zwei bewaffneten Wachen vorbei, die Handys und Laptops wurden längst abgenommen, führen Einzelschleusen in eines der geheimsten Gebäude des Bundesheeres: in das Simulatorzentrum mitten im Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg. Hier steht das modernste, komplexeste und teuerste Ausbildungsgerät, das das Bundesheer betreibt.

Denn es handelt sich um eine exakte, voll funktionsfähige Nachbildung eines Eurofighter-Cockpits, inklusive aller Technik, die auch in einem richtigen Flugzeug verbaut ist. Umgeben ist es von einer Kuppel aus Leinwänden, in der junge Piloten erstes Lehrgeld zahlen und alte Piloten ihre Fähigkeiten schärfen.

Der Körper steht, der Kopf will stolpern
Einer von ihnen ist Major Martin A., 39, gebürtiger Salzburger, Rufname „Excel“. „Besser festhalten“, sagt er beim Betreten des gewaltigen Simulatorraumes. Denn bei jeder geflogenen Kurve neigt sich der rundum projizierte Horizont, das Auge ist verwirrt. Stolpergefahr bei absolutem Stillstand. Major A. bildet hier andere Eurofighter-Piloten aus. Er kennt die Vorteile dieser teuren Hightech-Simulationen.

Gewisse Dinge werden nur im Simulator geübt
„Der Simulator ist integraler Bestandteil unseres Trainings. Notfälle wie Triebwerksausfälle können wir nur hier simulieren“, sagt A. Denn Österreich hat, anders als etwa Deutschland, keine zweisitzigen Eurofighter. Fluglehrer können nur im Simulator nachvollziehen, was der Pilot im Cockpit wirklich tut.

Video: Schießübung zuerst im Simulator, dann real geflogen

Beim Einsteigen in den überraschend geräumigen Kampfjet geht der erste Griff reflexartig zu den Gurten. Doch anschnallen brauchen wir uns heute nicht, schmunzelt A. „Wir stehen fest am Boden.“ Die Illusion ist perfekt. Nach nur wenigen Sekunden mit voller Leistung hebt der Jet ab, beschleunigt im Tiefflug über Judenburg in nur 30 Sekunden auf Schallgeschwindigkeit - das geht nur im Simulator, den 9600 Einwohnern Judenburgs zuliebe. „Wir verbrennen keinen Sprit, machen keinen Lärm. Auch das ist ein Vorteil.“

Im anschließenden Steigflug vergehen nur weitere 30 Sekunden, und der Eurofighter erreicht die Reiseflughöhe von Verkehrsflugzeugen. „Wir fordern die Piloten im Simulator, bringen sie aber nicht in die ,Panik-Zone’“, erklärt A. Geflogen wird stets so, als wäre es ein echter Eurofighter. Abstürze? Bislang keine - weder real, noch im Simulator.

Das Erfolgsrezept dahinter ist eine gesunde Fehlerkultur: „Wir besprechen im großen Kreis untereinander unsere Flüge - inklusive der Fehler, die wir gemacht haben. Davon profitieren alle - ein Pilot fliegt nicht lange genug, um alle Fehler selber zu machen“, so A.

Und plötzlich über dem Burgenland
Nach wenigen Minuten neben einer simuliert abgefangenen Boeing 747 der British Airways die nächste Überraschung. Wir sind nicht mehr über der Obersteiermark, wir sind schon über dem Burgenland. Eine Rechtskurve später, und der Landeanflug auf Graz beginnt. Der Flieger reagiert direkt, die Bordelektronik nimmt dem Piloten viel ab. Nach dem Ausfahren des Fahrwerks konfiguriert sich der Jet selbst für die anstehende Landung. Erst am Boden endet die Übung.

Imagevideo des Bundesheeres zum Eurofighter:

„Auch wenn der Simulator reale Flugstunden nicht ersetzen kann - wir können uns mit ihm perfekt auf unsere Missionen vorbereiten“, sagt A. Und das ganz ohne Überschallknall.

Paul Tikal
Paul Tikal
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