27.05.2021 06:00 |

Notbremse manipuliert

Nach Seilbahn-Drama: „Wartung bei uns anders“

Nach dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore am Sonntag mit 14 Todesopfern sind in der Nacht auf Mittwoch drei Personen festgenommen worden. Dabei handelt es sich um den Eigentümer der Betreibergesellschaft der Seilbahn Ferrovie del Mottarone, den Direktor sowie den Cheftechniker. Sie haben mittlerweile Manipulationen an der Notbremse gestanden. Auch die Horngipfelbahn in Kitzbühel ist eine Zweiseil-Pendelbahn. Betriebsleiter Andreas Werlberger kennt keine „Wartungs-Gabel“, wie sie angeblich bei dem Modell in Italien verwendet wurde.

Die ersten Gedanken nach den Horrormeldungen aus Italien? „Da ist etwas passiert, was eigentlich unmöglich ist!“ Andreas Werlberger ist Betriebsleiter der Horngipfelbahn in Kitzbühel – wie die Unglücksanlage in Italien eine Zweiseil-Pendelbahn.

„Tragseilbremse wird nie überbrückt“
Er bestätigt, dass Sicherheitseinrichtungen wie Bremsen im Zuge einer Seilbahn-Wartung fallweise „überbrückt“ (sprich deaktiviert) werden. „Nur dadurch kann geprüft werden, ob eine andere Bremse wirklich funktioniert. Die Tragseilbremse ist aber das letzte Glied in der Kette, bei uns wird sie nie überbrückt“, schilderte der Tiroler Seilbahner der „Krone“.

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Die Notbremse wird bei uns im Zuge der Wartung im Stand getestet. Dass sie längere Zeit deaktiviert wird, kommt in der Praxis niemals vor.

Andreas Werlberger, Betriebsleiter der Horngipfelbahn in Kitz

Eine „Gabel“ aus Metall, die das Zusammenpressen der Bremsblöcke verhindert, ist Werlberger nicht bekannt. „Generell wird die Notbremse bei der jährlichen Hauptuntersuchung im Stand aktiviert und damit getestet“, erklärt der Betriebsleiter. Ausgelöst wird sie händisch durch Personal in der Kabine oder durch die „Schlappseilauslösung“ - wenn die Spannung des Seils plötzlich verloren gehen sollte, wird die Notbremse automatisch aktiv. Außer eine „Gabel“ blockiert ...

Bub aus dem Koma erwacht
In der italienischen Seilbahn-Kabine, die in die Tiefe stürzte, befanden sich 15 Personen. Nur ein Insasse, ein fünfjähriger Bub, überlebte schwer verletzt. Er kämpfte in einem Krankenhaus in Turin um sein Leben. Mittlerweile ist er aus dem künstlichen Koma erwacht, wie die behandelnden Ärzte mitteilten, und außer Lebensgefahr. Die Särge seiner Angehörigen - seine Eltern, sein Bruder und seine Urgroßeltern, die zu Besuch waren, waren bei dem Unglück ums Leben gekommen - verließen am Mittwoch den Mailänder Flughafen Malpensa in Richtung Israel, wo die Trauerzeremonie stattfinden wird.

Kronen Zeitung

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