17.05.2021 14:40 |

Republik soll haften

Tochter bei Anschlag getötet: Mutter klagt an

Die Mutter, sie kam nicht zum ersten Amtshaftungsprozess gegen die Republik Österreich in den Wiener Justizpalast. Ihre 24-jährige Tochter ist eines der Todesopfer des Terroraktes in der Innenstadt. Frau Rat begann die Verhandlung mit ihrem „tief empfundenen Mitgefühl“ für Angehörige.

„Der Anschlag hätte verhindert werden können“, davon ist Anwalt Norbert Wess fest überzeugt. Er vertritt die Mutter der jungen Frau, die in Wien an der Uni für angewandte Kunst studierte und sich daneben etwas durchs Kellnern verdiente, „pro bono“: „Meine deutsche Mandantin lebt in München und ist gesundheitlich gar nicht fähig, dem Prozess beizuwohnen.“

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Sie hofft noch immer, dass der Staat einen Schritt auf sie zumacht.

Anwalt Norbert Wess

„Öffentliche Versäumnisse zugegeben“
Knapp 125.000 Euro will man von der Republik im Zuge der Amtshaftung. Denn der spätere Attentäter war nicht nur ein verurteilter Islamist - man hätte auf die offensichtliche, weitere Radikalisierung trotz Hinweise nicht reagiert. „Das Innenministerium selbst hat zwei Wiener Beamte der Terrorabwehr nach Abschluss der Untersuchungskommission wegen möglichen Amtsmissbrauches angezeigt! Und der Herr Innenminister hat öffentlich Versäumnisse zugegeben.“

„Beschämend“ findet er das Vorgehen der zuständigen Finanzprokuratur, die die Ansprüche der Mutter - etwa die Kosten für die Überführung ihres toten Kindes nach München - nicht anerkennt: „Sie hofft noch immer, dass der Staat einen Schritt auf sie zumacht.“ Ob es diese Schritte geben wird, kann sich bis Herbst zeigen. Richterin Marianne Kodek hat nach der ersten Tagsatzung vorerst vertagt und will alles genau „auf Basis der Fakten- und Aktenlage prüfen“.

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Es ist eine Schande, dass dieser Prozess überhaupt geführt werden muss.

Anwalt Karl Newole

Studentin begehrt Trauergeld und Unterhalt
Auch Kewen C. hat sich dem Verfahren angeschlossen - was der Finanzprokuratur ein Dorn im Auge ist. Man beeinspruchte dies. Ihr Vater, Gastronom und alleinverdienender Familienvater, ist ebenfalls unter den Getöteten. Die 20-jährige Studentin der Sinologie begehrt Trauergeld und Unterhalt. Ihr Anwalt Karl Newole vertritt insgesamt 24 Opfer der Terrornacht vom November 2020: „Es ist eine Schande, dass dieser Prozess überhaupt geführt werden muss.“ Eine der Betroffenen sei aus Wien weggezogen: „Sie will die Innenstadt nie wieder betreten.“

Kewen C. möchte „einen Abschluss“ finden. Die Hoffnung auf Worte des Trostes seitens der Regierung „schwindet aber zusehends“.

Gabriela Gödel
Gabriela Gödel
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