11.05.2021 19:08 |

Zwei Jahre Hausarrest

19-jährige Russin wegen Protestaktion verurteilt

Wegen einer Protestaktion für politische Gefangene hat ein russisches Gericht eine Aktivistin zu zwei Jahren nächtlichem Hausarrest verurteilt. Die 19-jährige Olga Misik dürfe ihre Wohnung in Moskau zwischen 22 und 6 Uhr nicht mehr verlassen, teilte ihr Anwalt am Dienstag auf Telegram mit. Die Aktivistin verglich sich mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

Misik wurde zur Last gelegt, im August 2020 ein Banner zur Unterstützung politischer Gefangener am Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft angebracht und einen Unterstand für Wachpersonal mit Farbe übergossen zu haben. Zwei Mitstreiter der Frau wurden demnach ebenfalls verurteilt.

Die 19-Jährige war im Sommer 2019 bekannt geworden, als sie bei Protesten gegen den Ausschluss mehrerer prominenter Oppositioneller von der Stadtratswahl in Moskau vor bewaffneten Polizisten aus der russischen Verfassung vorlas. Ihr Anwalt kündigte an, in Berufung zu gehen. „Ich habe nicht vor, mich an diese Einschränkungen zu halten“, sagte Misik russischen Medienberichten zufolge.

Vor dem Urteilsspruch wurde ein Statement der Aktivistin veröffentlicht, in dem sie erklärte, von Sophie Scholl inspiriert worden zu sein. Die 19-Jährige verglich sich sogar direkt mit der von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpferin: „Sie war wegen Flugblättern und Graffiti vor Gericht, ich wegen Postern und Farbe.“ Wie das NS-Regime werde auch das „faschistische Russland“ eines Tages zerfallen, so Misik in dem Statement. 

Matthias Fuchs
Matthias Fuchs
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