10.05.2021 12:48 |

Verirrte sich in Wald

Vermisster Ex-Arzt von Nawalny wieder aufgetaucht

Ein zwischenzeitlich vermisster russischer Arzt, in dessen Krankenhaus der Kremlgegner Alexej Nawalny (Bild oben) direkt nach einem Giftanschlag im vergangenen Jahr behandelt wurde, ist wieder aufgetaucht. Alexander Murachowski habe am Montag selbstständig aus einem Wald in der Region Omsk in Sibirien gefunden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf Behörden.

Murachowski - mittlerweile Gesundheitsminister in Omsk - war am Freitag nicht von einem Jagdausflug zurückgekehrt (krone.at berichtete). Nun werde er in einem Krankenhaus behandelt, sein Zustand sei aber „normal“. Rund 100 Sicherheitskräfte hatten in dem sumpfigen Waldgebiet nach ihm gesucht. 

Der Mediziner leitete bis vor einigen Monaten die Omsker Klinik, in die der mittlerweile im Straflager inhaftierte Nawalny gebracht wurde, nachdem er im vergangenen August auf einem Inlandsflug zusammengebrochen war.

Später wurde der 44 Jahre alte Oppositionelle nach Deutschland ausgeflogen und wochenlang in der Berliner Charité behandelt. Untersuchungen mehrerer Labore zufolge wurde er mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet. Murachowski hatte Nawalny damals lediglich eine Stoffwechselstörung bescheinigt.

Zu Gesundheitsminister in sibirischer Region befördert
Nawalny warf ihm eine „Fälschung“ der Diagnose vor. Seine Unterstützer beschuldigen Murachowski zudem, Nawalnys Verlegung nach Deutschland hinausgezögert zu haben. Im November wurde der Mediziner zum Gesundheitsminister der sibirischen Region befördert. Nachdem zwei weitere Omsker Ärzte von Nawalny, unter anderem der stellvertretende Chefarzt für Anästhesiologie und Reanimation, Sergej Maksimischin, der ihm damals ebenfalls lediglich eine Stoffwechselstörung bescheinigt hatte, in den vergangenen Monaten gestorben waren, hatte Murachowskis zwischenzeitliches Verschwinden in russischen Medien nun für großes Aufsehen gesorgt.

Russland gibt weiterhin an, man habe bei Nawalny keine Vergiftung nachweisen können und leite deshalb keine Ermittlungen ein. Die EU und die USA haben Moskau immer wieder zur Untersuchung des Verbrechens aufgefordert und wegen des Vorfalls Sanktionen gegen das Land verhängt.

 krone.at
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