08.05.2021 13:19 |

Einzigartiges Gewässer

„Mars-See“ in der Türkei lockt Forscher und NASA

Der rund 150 Kilometer von der türkischen Stadt Antalya entfernte Salda-See lockt mit seinem türkisblauen Wasser und weißen Stränden nicht nur Touristen an, sondern auch Wissenschaftler und die US-Weltraumbehörde NASA. Der Grund: Die Forscher sehen Ähnlichkeiten zur Situation im Jezero Crater auf dem Mars vor Milliarden von Jahren.

Die Felsen, die entlang der Küste des Salda-Sees in der Provinz Budur zu finden sind, wurden im Laufe der Zeit von Mikroben gebildet, die Mineralien und Sedimente im Wasser einfangen. Diese sogenannten Mikrobialiten (Bild unten) waren einst eine wichtige Lebensform auf der Erde. Und sie liefern einige der ältesten bekannten versteinerten Aufzeichnungen über das Leben auf unserem Planeten.

Genau aus diesem Grund sind sie auch für die NASA-Forscher so interessant. Sie glauben, dass der Jezero Crater, einem Einschlagkrater auf dem Mars - dort landete im Februar der Rover „Perseverane“ - ein eine starke Ähnlichkeit mit dem See in der Türkei hat.

Einziger See der Erde mit Karbonat-Mineralien
Auch der knapp 44 Quadratkilometer große Salda-See liegt in einem Krater. Und er besitzt eine ähnliche Mineralogie und Geologie, wie der Jezero Crater, so die NASA. Tatsächlich ist das Gewässer der einzige bekannte See auf der Erde, der Karbonat-Mineralien und Ablagerungsmerkmale (Deltas), die denen des Jezero-Kraters (von dem angenommen wird, dass er vor Milliarden Jahren einst auch einen See enthielt; Anm.), ähnelt.

Die dort gefundenen Mikroorganismen sind endemisch und möglicherweise ähnlich jenen, die auf dem Mars vorkommen. „Das Besondere sind die Bakterien, die einzelligen Organismen, die ihre ganz eigene Struktur haben. Das ist das Besondere am Salda-See. Das hat die Aufmerksamkeit der NASA auf sich gezogen. Der Jezero-Krater auf dem Mars hat eine starke Ähnlichkeit mit dem See. Auch die Menschheit ist letztlich aus Einzellern, aus einer einfachen Struktur, entstanden. Im Salda-See ist dieser Prozess noch im Gange. Der See ist seit 3,5 Millionen Jahren unverändert“, erläutert Geo-Ingenieur Servet Cevni.

Umweltschützer haben Angst um das Ökosystem
Im Salda-See gibt es eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, weshalb Umweltschützer das große Interesse an dem Gewässer, das vielfach auch als die „Malediven der Türkei“ bezeichnet wird, mit Sorge beobachten. „Die Zukunft des Sees ist in Gefahr, wenn Millionen Menschen hierherkommen. Das wird nicht zum Vorteil für die Tourismusbranche sein. Deshalb sollte der Salda-See geschützt werden. Er sollte nur für den sanften Tourismus und für Wissenschaftler zugänglich sein. Das Ökosystem dieses Orts muss geschützt werden!“, sagt Gazi Osman Sakar (Bild unten) vom Verein zur Erhaltung des Sees.

Das türkische Umweltministerium will die Zahl der Besucher an den weißen Stränden begrenzen. Dann sollen aber immer noch gut 500.000 Besucher an den See kommen dürfen

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder
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