11.01.2011 10:39 |

Programm fehlerhaft

"Tron: Evolution" hat Schwächen im System

Noch lange bevor Keanu Reeves als Auserwählter durch die Matrix stolperte, ging Jeff Bridges alias Flynn in Disneys "Tron" auf Tuchfühlung mit dem Innenleben eines Computers. 28 Jahre später kommt nun mit "Tron: Legacy" die Fortsetzung des kultigen SciFi-Spektakels in die Kinos, begleitet – wie könnte es anders sein – von einem Spiel zum Film, das "epische Abenteuer" auf dem digitalen Spielraster verspricht.

Ein waschechtes Spiel zum Film ist "Tron: Evolution" allerdings nicht, ist es doch zwischen den beiden Kinofilmen angesiedelt und erzählt von – O-Ton Disney - "richtungsweisenden Ereignissen der Tron-Mythologie, die in der Handlung von 'Tron: Legacy' münden." Der Spieler schlüpft dabei in die Rolle eines von Flynn programmierten Sicherheitsprogramms, das einer Verschwörung inmitten einer Welt aus Bits und Bytes auf den Grund zu gehen versucht.

Als erstes gilt es dann auch, einen Virus namens Abraxas von der Platine zu fegen, was unter Zuhilfenahme des bekannten Diskus erfolgt. Einmal aufs Knöpfchen gedrückt, fliegt die Scheibe seinem Gegner um die Ohren. Kompliziertere Knöpfchen-Abfolgen erlauben spektakuläre Kombos, sind allerdings nicht unbedingt vonnöten.

Simples "Button-Smashing" tut es, zumindest auf den unteren Schwierigkeitsgraden, auch. Zumal der Diskus ja mit seinen Aufgaben wächst: So wandelt sich das anfangs nur leichte Sportgerät etwa über eine schwere Scheibe schnell zum "Bomben-Diskus", der selbst schwer gerüstete Gegner außer Gefecht setzt. Dem Magnetismus sei Dank, fungiert der Diskus schließlich sogar als eine Art Wurfhaken, mit dessen Hilfe sich Abgründe überwinden lassen.

Letzteres verläuft allerdings nicht immer ganz nach Plan, denn sowohl Kamera als auch Steuerung weisen Schwächen auf und sind mitunter grob ungenau. Beim Springen über Abgründe, Hangeln in luftiger Höhe, Entlanglaufen an Wänden und anderen Bewegungsmustern, die man von "Prince of Persia" oder "Assassin's Creed" bereits zur Genüge kennt, spielt das Glück demnach eine nicht unbedeutende Rolle.

Immerhin: So manche Schwäche des Sicherheitsprogramms lässt sich durch gesammelte Erfahrung in Form von Megabytes auch ausmerzen. An dafür vorgesehenen Stellen des Spiels können dafür Upgrades installiert werden. Sie verbessern nicht nur körperliche Attribute, sondern optimieren beispielsweise auch die Fahreigenschaften des Lichtrenners oder –panzers, mit denen zwischenzeitlich über das Spielraster geheizt werden darf.

Diese Abschnitte fallen allerdings recht kurz aus, verlaufen sehr linear und sind überdies – wie der Rest des Spiels übrigens auch – wenig abwechslungsreich. Denn hat man sich an der puristischen und sterilen Neonlicht-Optik erst einmal satt gesehen, bietet "Tron: Evolution" kaum noch optische Höhepunkte. Die Farbstimmung wechselt zwar, die Szenerie bleibt aber trostlos und karg und die anfängliche Begeisterung für die ungewöhnliche Atmosphäre des Tron-Universums, an der insbesondere der futuristische Sound mit seinen satten Bässen und Effekten großen Anteil hat, verblasst zunehmend.

Wenigstens online wird "Tron: Evolution" seinem Ruf nach schneller Action dann aber noch gerecht: In vier unterschiedlichen Modi, darunter (Team-)Deatchmatch und Capture-the-Flag, können bis zu zehn Spieler gegeneinander antreten - nicht nur per pedes mit dem Diskus in der Hand, sondern auch mit ein paar PS mehr unter dem Hintern auf dem Lichtrenner.

Fazit: Optik und Sound sind anfangs außergewöhnlich und machen schnell Lust auf mehr, doch schon bald hat man sich am nüchternen Look von "Tron: Evolution" satt gesehen. Weitaus schwerer wiegt jedoch der Umstand, dass sich auch in Sachen Gameplay wenig ändert und die futuristische "Prince of Persia"-Ausgabe aufgrund Ungenauigkeiten bei Kamera und Steuerung schnell Frust aufkommen lässt. Online sieht die Tron-Welt ein wenig besser aus, doch das dürfte nur ausgesprochene Fans des Kino-Kults zufriedenstellen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC, PSP, DS
Publisher: Disney Interactive Studios
krone.at-Wertung: 6/10

von Sebastian Räuchle

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