Linz-Australien:

„Irgendwann ging uns dann das Wasser aus“

Dominik Bochis und Andreas Buciuman sind „Durchschnittsösterreicher“, wie sie sagen. Ihre Radtour von Linz nach Australien planten sie am Papier, extra Training gab es keines. Das Abenteuer machten sie zu Film und Buch.

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Elf Monate, 18.000 Kilometer, 19 Länder, zwei Fahrräder - und am Ende 150 Stunden Filmmaterial. Andreas Buciuman und Dominik Bochis machten ihre Extremtour zu Buch und Film mit dem Titel „Austria2Australia“. Beides ist nun erschienen. Der „Krone“ geben sie Einblick in das Abenteuer.

„Krone“:Wie sind Sie auf die Idee für diese Reise gekommen?
Dominik Bochis: Wir haben Leute gesehen, die von Berlin nach Shanghai geradelt sind. Ich dachte mir zuerst: Wie krank ist das? Man kann doch nicht mit dem Fahrrad um die Welt fahren! Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wollte ich das auch.
Andreas Buciuman: Irgendwann haben wir uns auf Australien als Ziel geeinigt, weil es von Österreich am weitesten entfernt ist.

Haben Sie extra trainiert?
Buciuman: Nein, wir hatten vorher mit Radfahren gar nichts am Hut. Wir sind wirklich Durchschnittsösterreicher.
Bochis:
Wir wollten aus unserem Hamsterrad ausbrechen, hatten aber nicht einmal eigene Räder. Die Reiseräder haben wir von einem Sponsor bekommen.

Aber irgendeine Planung mussten Sie gemacht haben?
Buciuman: Wir machten eine Tour durch Rumänien als Probe. Dann ließen wir die Räder ein Jahr stehen. Wir planten uns die Strecke Tag für Tag durch, um zu wissen, wann wir Visa beantragen müssen, um ein Land durchqueren zu können. Das war das Einzige.

Hatten Sie Bargeld oder Karten mit?
Bochis: Wir hatten Euro und Dollar mit und wechselten immer vor Ort auf die lokale Währung. Mit Kreditkarten hat man in den meisten Ländern, die wir durchquerten, keine Chance.

Wurden Sie bestohlen?
Buciuman: Nein.
Bochis:
Doch. Meine Kreditkarte wurde mir in Australien gestohlen.
Buciuman: Stimmt. In einem Erste Welt Land, wo man es nicht erwarten würde. Verkehrte Welt!

Und das Handy?
Bochis: Das hat in jedem Land gut funktioniert, wir kauften uns immer Sim-Karten, außer in der Wüste gab es überall Empfang.
Buciuman: Wir waren immer mit dem Internet verbunden. Wenn ich nachts im Zelt gelegen bin, konnte ich ein bisschen mit meiner Familie quatschen.

Kamen Sie alleine mit Englisch durch?
Buciuman: In russischsprachigem Gebiet, Teilen der Ex-Sowjetunion, kommt man mit Englisch nicht weit. Wir dachten: Es wäre geschickt, mit den Leuten russisch zu reden. Wir haben uns während der Fahrt einen Russischkurs am Handy angehört. Zehn Stunden am Rad, da merkt man sich schon was. Später in Kasachstan haben wir sogar mit einem Raketenwissenschaftler über seine Tätigkeit etwas reden können.

Sie waren fast ein Jahr täglich beisammen. Wie kann das ohne Stress gelingen?
Buciuman: Wenn man Meinungsverschiedenheiten hat, lässt man ein paar Meter Abstand auf der Straße. Aber am Abend stellt man sein Zelt doch wieder neben das des anderen. Es waren immer nur Kleinigkeiten.

Was werden Sie bestimmt nie vergessen?
Buciuman: Wir waren zwei Wochen in der Wüste von Kasachstan unterwegs. Irgendwann ging uns das Wasser aus. Wir hofften, ein Dorf zu finden. Aber es gab keines. Irgendwann wurde es lebensbedrohlich. Am Straßenrand stand ein Lkw, er wartete auf ein Ersatzteil.
Bochis: Wir bekamen Wasser und schliefen im Schatten des Lkw. In der Wüste gibt es keinen Schatten, an das denkt man nicht. Als das Ersatzteil gekommen ist, nahm er uns mit.
Buciuman: Es war ein Rückschlag, denn wir hatten unser gemeinsames Ziel, jeden Meter mit dem Fahrrad zu fahren, über Bord geworfen. Für uns ist eine Welt zusammengebrochen!

Gab es noch eine weitere Grenzsituation?
Bochis: In Indien wollten wir in einem Wald schlafen. Es wurde dunkel und ein Ranger kam. Er sagte: „Ihr könnt da nicht übernachten!“ Wir protestierten, doch er antwortete: „Es gibt hier Tiger!“ Und er zeigte uns Fotos von Leuten, die umgekommen sind. Es war ernst. Wir haben unsere Zelte rasch abgebrochen.

Sie machten selbst einen Film über die Reise. Wo ist der zu sehen?
Buciuman: Nach dem Lockdown bald wieder österreichweit in Kinos. Er wird irgendwann im ORF gespielt, Termin gibt es aber noch keinen. Wir hoffen, dass er auch auf einer Streamingplattform läuft. Unser Buch mit vielen Fotos bekommt man im Buchhandel.

Das Buch heißt „Austria2Australia“. Ist es auch eine Art Reiseführer?
Bochis: Ja, ganz sicher. Es gibt einen realistischen Einblick, wie eine Fahrradreise in der Dimension ausschaut, mit allen Rückschlägen und schönen Erlebnissen.
Buciuman: Es geht nicht um Kilometer oder Statistik, sondern es ist ein Abenteuerroman aus zwei Perspektiven geschrieben.

Wo sind die Räder jetzt?
Buciuman: Meines steht in der Garage als Wäscheständer. Dominik fährt manchmal noch damit.

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