02.04.2021 10:33 |

Nach Maskenskandal

Lenzing übergibt Hygiene Austria an Palmers

Nach dem aufgeflogenen Maskenskandal rund um die Hygiene Austria hat sich die der börsennotierte Faserhersteller Lenzing entschieden, aus dem Unternehmen auszusteigen. Die Anteile wurden an die Palmers Textil AG übertragen.

Per Ende März wurden alle Lenzing-Anteile an der Hygiene Austria an Palmers übertragen, teilte Lenzing am Freitag mit. Lenzing hatte 50,1 Prozent, Palmers 49,9 Prozent an der Hygiene Austria gehalten. Nun gehöre die Gesellschaft zu 100 Prozent Palmers, sagte ein Lenzing-Sprecher.

Lenzing verzichtet zunächst auf Kaufpreis
„Begleitet von einem entsprechenden Pflichtenheft für eine solide Geschäftsfortführung haben sich die beiden Gesellschafter auf die Übertragung der Lenzing-Anteile an Palmers geeinigt. Um den gründungskonformen Fortbestand zu gewährleisten, verzichtet Lenzing zunächst auf einen entsprechenden Kaufpreis. Das soll Palmers wiederum ermöglichen, die Gesellschaft mit weiteren Finanzmitteln auszustatten“, heißt es in einer Aussendung.

Masken zum Teil in China zugekauft
Der Maskenproduzent mit Sitz in Wiener Neudorf geriet in Folge einer Hausdurchsuchung und Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) massiv unter Druck. Die Firma räumte ein, FFP2-Masken zwar als „Made in Austria“ beworben, einen Teil davon aber in China zugekauft zu haben. Außerdem wurden die Arbeitsbedingungen der großteils über Leiharbeitsfirmen beschäftigten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kritisiert. Ermittelt wird wegen des Verdachts der organisierten Schwarzarbeit sowie schweren gewerbsmäßigen Betrugs.

„Weichen gestellt“
Dazu Lenzing-Vorstand Stephan Sielaff, der vom Aufsichtsrat Anfang März mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse betraut worden war: „Nach ausgesprochen intensiven Wochen kann ich berichten, dass wir die zentralen Mängel festgemacht und gemeinsam mit Palmers in Angriff genommen haben. Die Weichen für eine nachhaltig professionelle Geschäftsführung, hervorragende Qualitätssicherung und gute Arbeitsbedingungen wurden gestellt.“

Neue Geschäftsführung
Die Geschäftsführung des Maskenproduzenten werde neu besetzt: Mit Claudia Witzemann und Michael Schleiss wurden zum 2. April zwei externe Führungskräfte als Geschäftsführer der Hygiene Austria neu bestellt. Und die Personaldienstleistungen werden neu ausgeschrieben: Die neue Geschäftsführung werde auf Arbeitskräfteüberlassungen mit höchsten Qualitätsansprüchen zurückgreifen, wird in der Lenzing-Aussendung versichert.

„Bei Hygiene Austria wurden Fehler gemacht“
Starke Werte und ein international anerkanntes Prozess- und Governance-System würden Lenzing charakterisieren, so Sielaff. Bei der Hygiene Austria wurden in der Umsetzung aber Fehler gemacht. Der Vorstand werde in Absprache mit dem Aufsichtsrat für die Zukunft entsprechende Lehren ziehen. So werde beispielsweise auch für Kleinprojekte ein vollumfängliches Beteiligungsmanagement aufgesetzt.

Neben der WKStA wird sich auch das Handelsgericht noch mit der Causa beschäftigen: Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) geht im Auftrag des Sozialministeriums mit einer Klage gegen die nach Ansicht der Verbraucherschützer irreführende Bewerbung von FFP2-Masken der Hygiene Austria als „Made in Austria“ vor. Das Handelsgericht Wien soll klären, ob zugekaufte Masken aus China als „Made in Austria“ vertrieben werden dürfen.

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