04.02.2021 05:00 |

Weltkrebstag

Maßgeschneiderte Behandlung für Patienten

Corona ängstigt die Bevölkerung. Krebs bleibt jedoch weiterhin jene Krankheit, die den Menschen die größte Sorge bereitet, wie eine aktuelle österreichische Studie anlässlich des Weltkrebstages am 4.2. aufzeigt. Kein Wunder: Denn acht von zehn Befragten kennen zumindest eine Person, die Krebs hat bzw. hatte. Onkologen weltweit arbeiten intensiv an der Weiterentwicklung von Strategien, die zu einer besseren Behandlung von Krebs und letztlich auch zur Heilung führen können.

42 % der Österreicher fürchten sich derzeit am meisten vor einem Krebsleiden, noch vor COVID-19 (30 %), psychischen Erkrankungen (21 %) oder einem Schlaganfall (18 %). 59 % der Befragten haben jedoch seit dem Ausbrechen der Corona-Pandemie keine Vorsorge-Untersuchungen mehr in Anspruch genommen, 41 % Arztbesuche oder Termine für Vorsorgeuntersuchungen vermieden bzw. ausgelassen. Als beliebteste Gesundheits- und Vorsorgemaßnahmen gelten, der Untersuchung zufolge, Sport und Bewegung (52 %), das Vermeiden von Rauchen (51 %), eine gesunde und ausgewogene Ernährung (46 %) sowie der Verzicht auf Alkohol (44 %).

Laut Statistik Austria sinkt seit rund zwei Jahrzehnten die Zahl der Menschen, die in Österreich an Krebs versterben. In den vergangenen Jahren waren das rund 20.000 Personen jährlich, also etwa ein Viertel aller jährlichen Todesfälle im Land. Onkologen weltweit, auch in Österreich, arbeiten daher an der Weiterentwicklung von Strategien, die zu einer besseren Behandlung von Karzinomen und auch zur Heilung führen können. Dabei wird versucht, maßgeschneiderte Behandlungskonzepte zu entwickeln, die auf spezielle und individuelle Merkmale der Tumoren eingehen. Das reicht von der Analyse der spezifischen Mutationen in der Krebszelle über die Nutzung von „Big Data“ in der Auswertung von Ergebnissen der Bildgebung bis hin zur Möglichkeit, chirurgische oder radiotherapeutische Eingriffe exakt auf individuelle anatomische oder physiologische Gegebenheiten abzustimmen oder individuell optimierte Nachsorgekonzepte zu erstellen.

„Die Fortschritte in der maßgeschneiderten Therapie bedeuten in vielen Fällen direkte Vorteile für Patienten, wie etwa ein längeres Leben mit weniger Beschwerden und verbesserter Lebensqualität. Präzisionsmedizinische Konzepte sind daher aus Diagnose und Behandlung von Krebs, aber auch von anderen Erkrankungen, heute nicht mehr wegzudenken“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Joachim Widder, Leiter der Universitätsklinik für Radioonkologie an der MedUni Wien und des Comprehensive Cancer Centers (CCC).

Onkologie als Wegbereiter
Die Onkologie fungiert dabei oft als Wegbereiter für viele Bereiche der Medizin. Gut sichtbar wurde dies am Beispiel der mRNA-Impfung, die gegen Covid-19 entwickelt wurde. mRNA steht schon seit einigen Jahrzehnten im Fokus der Krebsforscher, weil sie einen vergleichsweise kurzlebigen Bauplan darstellt, nach dem in der Zelle Eiweißmoleküle hergestellt werden. Selbst genetisch fremde Baupläne können in die Zelle eingeschleust und in Proteine umgesetzt werden. Da das Immunsystem auf fremde Eiweißstrukturen auf der Zelloberfläche (Antigene) reagiert, arbeiten Krebsforscher daran, Baupläne für Tumorantigene in bestimmte Zellen einzubringen. Diese sind dafür zuständig, dem Immunsystem die Antigene zu präsentieren, gegen die es sich richten soll. Damit soll eine Immunantwort gegen die Tumorzellen ausgelöst werden. Das Prinzip wurde dann auf die COVID-19-Impfung „umgelegt“, die daher so besonders rasch und effizient realisierbar wurde.

Auch an medizinischen Universitäten Österreichs gibt es Beispiele für die erfolgreiche Entwicklung präzisionsmedizinischer Konzepte, die internationale Beachtung finden: An der MedUni Wien wurde etwa eine spezielle Strahlentherapie weiterentwickelt, die bei Gebärmutterhalskrebs zum Einsatz kommt und zu einer Verbesserung der lokalen Tumorkontrolle um 15 Prozent führte. Das heißt, dass bei 92 Prozent der Betroffenen auch fünf Jahre nach der Behandlung kein Tumor mehr im Bereich der Gebärmutter nachgewiesen werden konnte. Diese Ergebnisse wurden im Rahmen einer internationalen Studie gewonnen, die unter der Leitung einer Arbeitsgruppe der Universitätsklinik für Radioonkologie von MedUni Wien und AKH Wien durchgeführt wird. Die Wissenschafter setzen ein Bildgebungsverfahren ein, das die individuelle hochpräzise Anpassung hoher Strahlendosen an den Tumor und seine Umgebung sowie damit individualisierte und zielgerichtete Behandlung ermöglicht.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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