22.01.2021 08:09 |

Kolumne: Die Favoriten

Eberharter: Hier sind meine Streif-Giganten

Zwei Abfahrten auf der Streif: Das werden zwei echte Schlachten der allerbesten Speed-Spezialisten. Und das heimische Team hat dafür die besten Trümpfe in der Hand. Hier sind die Favoriten aus der Sicht von Österreichs Olympiasieger Stephan Eberharter. Im Video oben erzählt der frühere Kitzbühel-Sieger Fritz Strobl Krone-Sportchef Peter Frauneder eine lustige Anekdote vor Ort.

Der Olympiasieger

Mich kann der zweifache Olympiasieger aus Kärnten mit seiner gestrigen Trainingsfahrt nicht täuschen: Er ist in Topform! Das hat er ja auch mit seinem Sieg in Bormio gezeigt - und das ist für mich eine der schwersten Abfahrten überhaupt. Und was er auf der Streif zu leisten imstande ist, hat „Mothl“ mit seinem Abfahrtserfolg im Vorjahr unter Beweis gestellt. Er ist ein technisch richtig guter Skifahrer, gehört zur absoluten Elite dieser Sportart. Man sieht ihm regelrecht an, dass er Skifahren über alles liebt. Und Mayer ist auch ein echter Draufgänger. Eine Mischung, die ihn eigentlich zu einem Seriensieger machen müsste. Aber was noch nicht war kann ja jetzt noch kommen.

Der Herausforderer

Gut, sage ich, dass Vincent Kriechmayr die Bestzeit im Training geglückt ist. Auch wenn er das selbst nicht möchte. Aber so viele Trainings gibt es auch auf der Streif nicht, da sollte man schon so viel Qualität wie nur möglich herausholen. Gestern hat er’s einmal richtig probiert - warum sollte es nicht heute und morgen noch einmal passen? Wie Mothl Mayer ist auch Kriechmayr ein ganz heißes Eisen auf einen Streif-Sieg. Er wäre in diesem Wintervielleicht schon öfter reif für den Sieg gewesen, aber er hat immer wieder da und dort einen „Ochsen“ eingebaut. Und bei der momentan hohen Dichte im Skisport darf man sich eben keine Fehler leisten. Eine Unsicherheit - und man ist weg vom Fenster.

der Ultentaler

Gibt es einen Fahrer, der die Streif mehr liebt als Dominik Paris? Ich glaube nicht. Der Südtiroler fühlt sich immer dort pudelwohl, wo andere erst einmal fest durchatmen. Und „Domme“ hat auf ihr öfter gewonnen als jeder andere aktive Läufer. Die Frage ist aber, ob er nach seiner Kreuzbandverletzung schon so weit ist, dass er im Steilhang und am Hausberg seine ganze Klasse ausspielen kann. Gesund ist er, da bin ich mir sicher. Aber das ist im Abfahrtssport nicht alles, ein Jahr Pause steckt man nicht so einfach weg. In Bormio, wo Paris Vierter wurde, hat er angedeutet, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. Und es würde ihm wohl der ganze Zirkus gönnen: Den Großen aus dem Ultental mögen alle.

Der Schweizer

Das erste Training auf einer Abfahrt, das nehme ich meist gar nicht so wahr. Da probiert jeder nur so herum. Beat Feuz war im ersten Training Vierter. Gestern landete der Schweizer auf dem 14. Rang. Nicht berauschend. Aber das hat bei ihm bekanntlich nichts zu bedeuten. Wir kennen ihn als absolut coole Socke, die am Renntag den berühmten Schalter perfekt umlegen kann. Was ich nicht weiß, wie sehr er sich selbst wegen des noch fehlenden Kitzbühel-Sieges unter Druck setzt. Nur damit das für alle klar ist: Die Hahnenkamm-Bewerbe sind für Rennläufer das Mekka des Skisportes. Dort zu gewinnen, ist nach Olympia und WM das Größte. Und das will Beat haben - da bin ich mir mehr als sicher.

Der Newcomer

Der Amerikaner ist der Neue in der Elite der Abfahrer. Er hat sich Schritt für Schritt ins Rampenlicht gearbeitet. Und dort ist er nun zu Recht. Ryan fährt wirklich wahnsinnig gut Ski, riskiert recht gut und muss so zum Kreis der Sieganwärter gezählt werden. Trotz seines Ausrittes im Steilhang beim gestrigen Training. Manche sagen, für ihn würde seine Unbekümmertheit sprechen. Die tut im Sport eigentlich gut.Nur ist der Abfahrtssportein Hochrisiko-Geschäft, da wandelt man stets am Abgrund, da muss man mit der Unbekümmertheit vorsichtig umgehen. Eine einfache Faustregel: Auf der Streif gibt’s drei Stellen, an denen man nicht stürzen sollte -Mausefalle, Steilhang, Hausbergkante.

Die Joker

Außenseiter-Siege sind bei den Abfahrten in Kitzbühel eher selten. Aber nicht unmöglich.

Romed Baumann wäre vielleicht für viele eine Überraschung auf dem Podest. Für mich freilich nicht so. Denn der Tiroler ist in seiner neuen Umgebung beim deutschen Skiverband regelrecht aufgeblüht, da scheint es ihm viel besser zu gefallen. Und man fragt sich, was dort anders ist, als bei uns. Vielleicht hat es ja mit Druck zu tun

Max Franz hat mich beim gestrigen Training auch beeindruckt. Nach der vergangenen Hänge-Saison scheint er nun wieder in der Spur zu sein.

Stephan Eberharter, Kronen Zeitung

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