13.01.2021 17:23 |

Kritik an Faßmann

Verspäteter Schulstart mit großem Fragezeichen

Die Schulen werden immer mehr zum großen Reibungspunkt in den laufend geänderten Corona-Maßnahmen: Ab 25. Jänner und damit eine Woche später als ursprünglich geplant sollen die Schüler in Österreich wieder vom Fernunterricht in die Klassenzimmer wechseln - allerdings nur im Schichtbetrieb, wie Bildungsminister Heinz Faßmann am Mittwoch den neuen Schulstart darlegte. Die Reaktionen auf die weiteren Einschränkungen fielen mehrheitlich kritisch aus.

Verwirrung herrschte zwischenzeitlich darüber, wie es mit den Schulen im Falle einer Verlängerung des aktuellen Lockdowns weitergeht. Sprich: Würde eine Lockdown-Verlängerung dem vom Ministerium anvisierten Neustart am 25. Jänner einen Strich durch die Rechnung machen?

Für eine Rückkehr ohne Einschränkungen sei die Zeit zu unsicher, hatte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Mittwoch die weitere Vorgehensweise - Öffnung der Schulen um eine Woche später als geplant und dann im Schichtbetrieb - begründet. Die Infektionszahlen seien trotz Lockdown noch immer hoch, dazu komme die britische Mutation, über die es noch wenig gesichertes Wissen gebe. In den Nachbarländern würden die Lockdowns teilweise verlängert, lauteten die Argumente des Bildungsministers für den verspäteten Start am 25. Jänner (siehe auch Video unten).

Für Schüler in Wien und Niederösterreich bedeutet die Verlängerung des Distance Learning, dass sie nur noch eine Woche Präsenzunterricht haben, bevor sie mit 1. Februar in die einwöchigen Semesterferien starten. Etwas mehr Unterrichtstage im Klassenzimmer gibt es in den anderen Bundesländern, wo die Ferien erst mit 8. Februar (Burgenland, Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg) bzw. 15. Februar (Oberösterreich, Steiermark) beginnen.

FPÖ, NEOS und SPÖ kritisieren verspäteten Schulstart
Wirklich Freude hat erwartungsgemäß kaum jemand mit dem verschobenen Schulstart. Die FPÖ forderte in einer Aussendung die Öffnung bereits am kommenden Montag. „Diese permanente weiche Haltung von ÖVP-Bildungsminister Faßmann ist nicht mehr länger zu akzeptieren und ist für einen Minister dieser Republik schlichtweg zu wenig“, so Bildungssprecher Hermann Brückl. „Eine rasche Rückkehr in den Präsenzunterricht ist das Gebot der Stunde“, schloss sich der Wiener FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss der Forderung an. Schüler, Eltern und Lehrer hätten „ein Recht auf Planungssicherheit.“

Der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS) kritisierte die Einschränkungen ebenfalls: „Im aktuellen Verwirrspiel kennen sich weder Eltern, Schülerinnen und Schüler, noch Lehrkräfte aus!“ Insbesondere der Zeitpunkt der angedachten Öffnung ist für den pinken Politiker wenig durchdacht. Auch SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sieht noch Klärungsbedarf. „Minister Faßmann muss jetzt schnell in die Gänge kommen und alle offenen Fragen klären.“

Lockdown ist nicht gleich Lockdown
So war am Mittwoch vor allem fraglich, wie es mit den Schulen im Falle einer Verlängerung des bestehenden Lockdowns weitergeht. Auch wenn der 25. Jänner jetzt als Start fix geplant ist - „Aber der 25.1. ist es sicher!“ (Zitat Faßmann) -, hält sich die Regierung alle Optionen offen. Käme ein weiterer harter Lockdown wie im Frühjahr des Vorjahres, bei dem das öffentliche Leben komplett heruntergefahren wird, würde der aktuelle Plan „aber obsolet“, machte Faßmann den Schulstart von den weiteren Maßnahmen und deren Schärfe abhängig. „Wenn es ein genereller Lockdown ist, mit all den Branchen und gesellschaftlichen Aktivitäten, dann kann sich natürlich die Schule nicht exkludieren, sondern ist ein Teil eines Lockdowns", so der Minister.

Industriellenvereinigung und Junge ÖVP begrüßen Faßmann-Plan
Ausdrücklich begrüßt wurde die geänderte Vorgehensweise bei den Schulen indessen von der Industriellenvereinigung. Das „Sicherheitsnetz“ ab 25. Jänner sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer in einer Aussendung. „Es muss jetzt aber gelingen, diesen Kreislauf kurzfristiger Notlösungen oder Fristverlängerungen zu durchbrechen - wir brauchen eine verbindliche Strategie, wie Bildung heuer gelingen kann“, forderte Neumayer.
Unterstützung für Faßmann gab es auch von der Jungen ÖVP. Es sei wichtig, die Schüler wieder in den Klassenraum zu bringen, „damit entlasten wir die Eltern und schaffen ein Stück Normalität“, sah die designierte JVP-Obfrau, Nationalratsabgeordnete Claudia Plakolm, einen „behutsamen Start“ in den Präsenzunterricht als „wichtigen Schritt“.

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