10.01.2021 10:33

krone.tv in Kitzbühel

Leere Pisten: „Zusperren wäre das Allerschlimmste“

Wenige Tage vor dem Hahnenkammrennen bereitet sich der Tiroler Nobelskiort auf das Ereignis des Jahres vor. Ein krone.tv-Lokalaugenschein aus Kitzbühel über die schwierigste Wintersaison in der Geschichte.

Maskenpflicht, Abstand und kontaktlose Bezahlung sollen Infektionen verhindern. Die Berge sind vorerst für Einheimische reserviert. Nur noch Geschäftsreisende können ein Hotelzimmer buchen. Fluch und Segen für die vielen Familien, die vom Tourismus leben - die dafür aber jetzt freie Fahrt am Berg genießen können. Keine Gastronomie, kein Gröstl. Gäste trösten sich dafür mit Wurstsemmeln. Heitere Slogans wie „mit Abstand die Besten“ schmücken die Stationen. Konsequent weisen Bahn-Mitarbeiter Unbelehrbare auf die Maskenpflicht hin. Gondeln, Sessellifte schweben über den fast gespenstisch stillen Pisten. Anstatt hallender Party-Hits aus der Ferne ist vereinzelt das Geräusch des Aufkantens im Schnee zu hören.  

Lautsprecherdurchsagen und Kaltvernebelungsgeräte
Unten bleiben meterlange Schlangen bei der Hornbahn-Talstation aus. Stefanie Prader geht auf die neuen Maßnahmen für Gäste ein, während hier Saisonkarten erneuert werden. Sie ist eine von drei Covid-19-Sicherheitsbeauftragten der Bergbahn Kitzbühel. „Sicherheit für Gäste und Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität. Wir haben im ganzen Skigebiet Absperrungen, Bodenmarkierungen, Desinfektionsspender und Lautsprecherdurchsagen installiert. Dazu Kaltvernebelungsgeräte, mit denen unsere Gondeln regelmäßig desinfiziert werden.“ Auf Englisch und in Deutsch weisen Bodenmatten auf „Distance“- „Abstand“ - hin.  

Hoffen auf Langläufer und Wanderer 
Kollege Andreas Wehrlberger ist Bergbahn-Betriebsleiter am Kitzbühler Horn. Er spricht von „30 bis 40 Prozent“ an Gästen: „Ohne Aufenthalts-Tourismus und deutsche Gäste, die ein wesentlicher Bestandteil sind, ist es schwierig.“ Zusperren wäre das „Allerschlimmste“ weil „wir alles vorbereitet haben, wir sind gerade dabei, die restlichen Pisten zu beschneien.“ Wehrlberger freut sich auf Langläufer und Tourengeher -  auch Wanderer sollen mit unterschiedlichen Routen angelockt werden. „Man muss auch versuchen, die Gäste zu leiten, damit keine Massen entstehen, zum Glück halten fast alle Abstand und man muss nicht zu oft eingreifen.“ Gegen Sonnenuntergang startet der Helikopter der Bergbahn und transportiert Schneekanonen von einem Hang zum anderen.

Wintersport ist eine „Lebensader“ für viele Tiroler
Nicht nur in den Bergen ist es ruhig, auch in der Kitzbühler Altstadt ist der Ausfall an Touristen offensichtlich.  Boutiquen, Bars und Clubs sind zu, stattdessen sieht man Einheimische Bankwege und Einkäufe erledigen. Dr. Klaus Winkler ist seit fünf Jahren Bürgermeister der Gamsstadt. Er erinnert daran, was für eine existenzielle Bedeutung der Wintersport in Tirol hat. Skifahren sei eine „Lebensader“ für viele und nicht nur reiner „Spaß“. Aber die Gastronomie fehlte, das sei einfach Teil des Spaßes.

Kühe und Lipizzaner kennen keinen Lockdown 
In Going ist das Fünf-Sterne-Bio-Hotel mit der berühmten Weißwurstparty zu Hause. Erstmals in seiner 250-jährigen Geschichte musste der „Stanglwirt“ seine Tore schließen. Familie Hauser nutzt die Zeit für Renovierungen. So positiv wie nur möglich versucht man hier zu bleiben, nur nicht Trübsal blasen aufgrund des Lockdowns, erklärt Junior-Chefin Maria Hauser. „Uns wird hier nicht langweilig. Unsere Kühe und Lipizzaner kennen keinen Lockdown. Mit Tieren geht das Leben sowieso weiter.“ Unter anderem entsteht gerade ein neuer Fitnessgarten mit Top-Geräten - inklusive Maschinen von Stammgast Arnold Schwarzenegger, sowie ein Top-Secret-Thermenausbau.  

Erneuerungen sollen die Gäste bald einmal überraschen, und ohne sie kann der Baubeginn schon sehr früh losgehen. Als Pilotregion für das Projekt „Sichere Gastfreundschaft“ sind Sicherheitsmaßnahmen nun Routine. „Bei uns werden alle Mitarbeiter wöchentlich getestet. Auch für unsere Gäste gibt es Tests. Es wird in Zukunft auch so sein, dass das Einchecken ohne negatives Ergebnis nicht möglich ist.“  12 Hektar touristisch genutzte Fläche wartet auf die Gäste: „Wir haben einmal ausgerechnet, dass sogar bei Vollbelegung jeder Gast 310 Quadratmeter für sich alleine zur Verfügung hat.“ Auch Teil des Angebots ist die hauseigene Skischule.

Ohne Gäste und Schneekanonen „leben wie in den 50er Jahren“
Richard Laiminger ist seit 36 Jahren Skilehrer und Leiter der „Skischule Stanglwirt“.  „Der ganze Start der Wintersaison ist ins Wasser gefallen. Wenn das Hotel zu ist, ist auch die Skischule zu.“ Das Team: insgesamt 40 Skilehrer, die zur Verfügung stehen würden, sofern es Gäste gäbe. „Wir planen nun die halbe Mannschaft ab Februar ein. Die Frage wird zu der Zeit sein: ,Was darf Deutschland?‘“. Am Abend donnern die Pistenraupen und Schneekanonen durchs Tal. „Ohne Schneekanonen geht es nicht. Das kann man auch nicht limitieren. Ich muss mich danach richten, was die Natur sagt. Das ist im Sinne unseres Landes. Wir erleben momentan das beste Beispiel dafür, was mit Tirol passiert, wenn wir keine Gäste haben, dann ist hier nichts mehr los und wir leben wieder in den 50er Jahren."

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