10.11.2010 10:26 |

Wirbel um Interview

Botschafter der Türkei übt Kritik an Österreich

Große Empörung herrscht in der Bundesregierung über ein Interview des türkischen Botschafters in Wien, Kadri Ecved Tezcan. Im Gespräch mit der "Presse" übte der Diplomat scharfe Kritik an der österreichischen Integrationspolitik sowie an der Bevölkerung selbst. Besonders ins Visier nahm er dabei auch Innenministerin Maria Fekter: "Sie ist in der falschen Partei." Die Regierung wies die Aussagen strikt zurück, der Botschafter wurde ins Außenamt zitiert.
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In dem Interview machte Tezcan Österreich für die mangelnde Integration mitverantwortlich: "Wenn Türken in Wien Wohnungen beantragen, werden sie immer in dieselbe Gegend geschickt, gleichzeitig wirft man ihnen vor, Ghettos zu formen. Und österreichische Familie schicken ihre Kinder nicht an Schulen, in denen ethnische Minderheiten die Mehrheit stellen. So werden Türken in die Ecke gedrängt."

Den Österreichern bescheinigte der Diplomat zudem, sich nur im Urlaub für fremde Kulturen zu interessieren. Seine Landsleute würden hingegen mit sehr wenig Forderungen an ihr Gastland herantreten: "Die Türken sind glücklich, sie wollen nichts von euch. Sie wollen nur nicht wie ein Virus behandelt werden."

Zu Kopftuch: "Ihr habt da nichts zu sagen"
In Sachen Kopftuch griff Tezcan Österreich ebenfalls an: "Die Leute wollen hier keine Frauen mit Kopftüchern sehen. Ist das denn gegen das Gesetz? Nein, ihr habt da nichts zu sagen. Es steht jedem frei, was er auf dem Kopf trägt. Wenn es hier die Freiheit gibt, nackt zu baden, sollte es auch die Freiheit geben, Kopftücher zu tragen." Dass zu wenige türkische Frauen arbeiten gehen, stritt der Diplomat ab, denn: "Hausfrau zu sein ist auch ein Job."

Doch auch seine Landsleute nahm er nicht von Kritik aus. "Ich sage meinen Leuten immer wieder: 'Lernt Deutsch und haltet die Regeln hier ein'." Gleichzeitig sprach sich aber Tezcan auch dafür aus, Lehrer aus der Türkei zu holen, um die Kinder in Türkisch zu unterrichten.

Kritik an Innenministerin Fekter
Bei Innenministerin Fekter vermisst Tezcan eine liberale und offene Geisteshaltung. Sie solle "aufhören, in den Integrationsprozess zu intervenieren. Wenn man dem Innenministerium ein Problem gibt, wird dabei eine Polizeilösung rauskommen". Eine ähnliche Geisteshaltung warf er auch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vor, weil diese kürzlich gemeint hatte, dass der "Multikulturalismus" versagt habe. 

Der Botschafter meinte zudem, wenn er der Generalsekretär der UNO, der OSZE oder der OPEC wäre, würde er nicht hierbleiben. "Wenn ihr keine Ausländer hier wollt, dann jagt sie doch fort. Es gibt viele Länder auf der Welt, in denen Ausländer willkommen sind. Ihr müsst lernen, mit anderen Leuten zusammenzuleben. Was für ein Problem hat Österreich?"

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