26.11.2020 06:00 |

Hohe Infektionszahlen

Lockdown: Gastronomie will erst im Jänner öffnen

Ist Silvester ohne Menschenmassen möglich? Nein, sagt Gastrosprecher Mario Pulker. Sicherer sei es, die Gastronomie geschlossen zu halten - und gut zu entschädigen.

„Dass wir ohne Einschränkungen aufsperren, ist illusorisch“, sagt Wirtesprecher Mario Pulker mit Blick auf die noch immer hohen Infektionszahlen. Sperrstunden oder Personenbeschränkungen wie vor dem Lockdown würden aber zu einem „betriebswirtschaftlichen Desaster“ führen, fürchtet er. „Dann ist es besser zuzulassen.“

Entschädigung: Aktuell 80 Prozent vom Umsatz
Freilich mit ausreichend Entschädigung. Aktuell sind das 80 Prozent vom Umsatz: „Das wäre ein guter Ausgleich für Gesundheit und Sicherheit, über niedrigere Prozentsätze müsste man verhandeln.“ Nur Betriebe, die rechtlich geschlossen bleiben müssen, haben Anspruch auf Umsatzersatz. Das spüren aktuell die Reisebüros: Sie haben aufgrund der Ausgangsbeschränkungen kein Geschäft, bekommen aber keinen Umsatzersatz.

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Ohne Einschränkungen lassen sich Cluster nicht vermeiden, mit Einschränkungen aufsperren bedeutet, in Schönheit sterben.

Mario Pulker, Sprecher der Gastronomie

Video: Unternehmen erhalten bis zu 80 Prozent Umsatzersatz

„Im Westen leiden Unternehmen unter Reisewarnungen“
Selbst ohne Einschränkungen ließe sich nicht überall Geschäft erzielen. „Im Westen leiden die Unternehmen unter den Reisewarnungen, in den Städten fehlen die Touristen ganz“, so Pulker. Und dann bliebe noch die Frage: Was passiert nach den Feiertagen? „Zu Weihnachten und Silvester kommt es bei uns zu Gruppenbildungen, Cluster lassen sich nicht vermeiden. Dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder zusperren müssen.“ Wenn der Tourismus wieder hochgefahren wird, brauche das Vorlaufzeit: Für Dienstpläne, Bestellungen und Co. rechnet man in der Hotellerie mit 14 Tagen, in der Gastronomie mit sieben.

Also keine Party - und womöglich auch kein Feuerwerk. Für Kritiker von Raketen und Böllern in der Silvesternacht schwappt ein neues Argument aus den Niederlanden nach Österreich herein: Rund 1300 Niederländer verletzen sich jedes Jahr zu Silvester, weil sie unvorsichtig mit Feuerwerkskörpern hantieren.

1300 Verletzte, die in Zeiten von Corona kein Krankenhaus gebrauchen kann. „Die Holländer sind verrückt, da ist es quasi Brauch, sich gegenseitig zu beschießen“, relativiert Rudolf Jost, seit 27 Jahren Pyrotechniker. Er hält ein Verbot von Feuerwerken zu Silvester in Österreich nicht für notwendig, zumal es das seit 1974 gibt.

Die Gäste der Seefestspiele Mörbisch, Konzertbesucher von AC/DC bis Helene Fischer - sie alle hätte Jost heuer mit seinen Feuershows unterhalten. „Alles abgesagt. Auch Hotels haben ihre Feuerwerke storniert, um zu verhindern, dass sich Menschenansammlungen bilden.“ Der Unternehmer hat Verständnis - für ein mögliches Verkaufsverbot von Raketen und Co. an Privatpersonen fehlt ihm das. „Die Branche hat die Ware Anfang des Jahres bestellt und bezahlt. Manche mieten bis zu 60 Container, um sie zu lagern", so Jost.

Ohne Umsatzersatz müsse ein Großteil der Branche schließen. Mit einem Ausgleich von 80 Prozent, wie ihn die Gastronomie bekommt, können die Pyrotechniker kaum rechnen: Da ihre Waren nicht verderblich sind, wären es nach dem aktuellen Modell 20 bis 30 Prozent.

Teresa Spari, Kronen Zeitung

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