16.11.2020 06:00 |

Befreiungsschlag?

Massentests: Lehrer und Medizin-Personal zuerst

Ist das der Weg aus dem harten Lockdown? Die Regierung, konkret Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), kündigte am Sonntag flächendeckend Antigentests an. Vorbild ist die Slowakei, Kurz spricht zu dem Thema am Montag in einer Videokonferenz mit seinem slowakischen Amtskollegen Igor Matovic. Erster Schritt: Lehrer und medizinisches Personal sollen getestet werden. Zweiter Schritt: flächendeckende Massentests vor Weihnachten. Das Bundesheer soll helfen.

Sieben von zehn „Krone“-Lesern glauben nicht, dass der Lockdown Weihnachten retten kann. Offenbar will auch die Bundesregierung sich nicht nur auf drei Wochen mit Kontaktbeschränkungen verlassen: Stattdessen sollen Massentests ein relativ normales Leben ermöglichen. Das Vorhaben kündigte Bundeskanzler Kurz in der ORF-„Pressestunde“ an. Details folgen Ende der Woche.

Einige Eckpunkte sind bereits bekannt: Die erste Testwelle soll rund um das Ende des Lockdowns Anfang Dezember starten. Lehrer und medizinisches Personal werden als Erstes getestet. Damit soll die Rückkehr zum Regelunterricht in den Schulen gesichert werden. Der Wechsel in den Distanzunterricht löst nach wie vor Kritik aus.

Zweite Testwelle mit so vielen Personen wie möglich
In einer zweiten Welle will man so viele Österreicher wie möglich testen, „um sichere Feiertage zu ermöglichen“, sagt Kurz. Eine Testpflicht werde es nicht geben. Das Modell soll jenem in der Slowakei ähneln. Dort nahmen an der ersten Testrunde 3,6 Millionen von insgesamt 5,5 Millionen Einwohnern teil. Verpflichtend war die Teilnahme nicht, allerdings gab es Ausgangssperren für jene, die kein negatives Ergebnis vorweisen konnten. Getestet wurden alle zwischen zehn und 65 Jahren.

Auch Südtirol setzt auf Freiwilligkeit: 350.000 Bürger werden zum Antigentest gebeten, das sind 70 Prozent der Bevölkerung. Verweigern zu viele, wird der seit Samstag geltende Lockdown verlängert.

Bundesheer mit Slowakei-Erfahrung
In Österreich wird die Hauptlast der Durchführung das Bundesheer schultern. Die Sanitäter des Heeres treffen bereits Vorbereitungen, 30 von ihnen verfügen über einschlägige Erfahrung: Sie waren Ende Oktober in der Slowakei im Raum Bratislava im Einsatz, pro Tag haben sie dort 5500 Menschen getestet. Parallel dazu steht das Heer im Austausch mit den slowakischen Behörden, wie etwa Teststraßen für solche Größenordnungen bundesweit aufzusetzen sind.

Die Opposition reagierte auf die Ankündigung unterschiedlich: NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger begrüßt die Test-Offensive, FPÖ-Vizeklubchefin Dagmar Belakowitsch lehnt sie ab. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hält flächendeckende Antigentests für eine „Momentaufnahme“ und will stattdessen systematische Tests bei Risikogruppen, Lehrern und Gesundheitspersonal sowie den Ausbau des Contact Tracing.

Letztgenanntes ist mit den nach wie vor hohen Zahlen weiter überfordert. Ende der Vorwoche war Österreich weltweiter Spitzenreiter bei den Neuinfektionen (siehe Grafik). Am Sonntag wurden 5665 neue Corona-Fälle gemeldet. Ein Lichtblick: Zum ersten Mal seit 2. Oktober sank die Zahl der Gesamtinfizierten, weil mehr Menschen gesundeten als erkrankten.

Teresa Spari und Paul Tikal, Kronen Zeitung

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