10.11.2020 15:49 |

Mehrfach vorbestraft

„Sittenwächter“ in Wien: Bandenboss (20) entlarvt

Der Anführer jener Gruppe, die in Wien als „Sittenwächter“ unterwegs war und Schrecken verbreitet hatte, ist von der Polizei entlarvt worden. Der Verdächtige - und mehrfach auch einschlägig Vorbestrafte - sitzt bereits in Untersuchungshaft. Laut „Krone“-Informationen handelt es sich um den Kopf der „Sittenwächter“-Bande, der unter dem Decknamen „Heinrich Himmler“ im Web operierte. „Die Ermittler des LKA Wien haben hervorragende Arbeit geleistet“, lobte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP): „Ihnen ist es gelungen, die Täter auszuforschen, festzunehmen - aber auch die Strukturen dahinter offenzulegen.“

Der 20-Jährige wurde bereits im August 2020 festgenommen, als er nach einer Rauferei in Favoriten auf einschreitende Polizisten losgegangen war. Zudem war er bereits im Jahr 2018 wegen Bildung einer kriminellen Organisation und terroristischer Vereinigung vor dem Richter gestanden und verurteilt worden. Nun wurde bekannt, dass der Tschetschene auch jene Web-Gruppen geleitet haben dürfte, über die sich die Wiener „Sittenwächter“-Bande ausgetauscht und organisiert hatte.

Unter dem Decknamen „Heinrich Himmler“ - offenbar nach dem aus dem NS-Regime bekannten „Reichsführer SS“ benannt - soll er mehrere Messenger- und Telegram-Chats geleitet haben. Insgesamt elf Verdächtige wurden ausgeforscht, etliche Festnahmen und sechs Hausdurchsuchungen in Wien und Linz folgten.

„Parallelgesellschaft nicht tolerierbar“
„Jede Form von Parallelgesellschaft ist in unserem Land nicht tolerierbar“, stellte der Innenminister klar. „Alleine das Selbstverständnis von ,Sittenwächtern‘ widerstrebt unserem friedlichen Zusammenleben. Wir lassen uns unsere demokratischen Grundprinzipien nicht von solchen perfiden und selbst ernannten Ideologen unterwandern“, so Nehammer.

Die Ermittlungen kamen nach mehreren ideologisch motivierten Vorfällen im Wiener Donauzentrum ins Rollen. Tschetschenische Jugendliche verprügelten dort offenbar systematisch nicht-tschetschenische Jugendliche, weil diese Kontakt zu Tschetscheninnen gehabt hatten. Unter anderem gerieten auch Frauen, die auffälligen Schmuck, Lippenstift oder auffällige Kleidung trugen, ins Visier der Beschuldigten.

Raab: „Wird in Österreich nicht geduldet“
„Dass hier Frauen in Sittenwächter-Manier bevormundet, belehrt, verfolgt und körperlich misshandelt wurden, ist zutiefst zu verurteilen und wird in Österreich nicht geduldet. Es ist wichtig, dass hier die Polizei sehr rasch den Kopf der Bande identifiziert hat“, teilte Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) der „Krone“ mit. „Zusammen mit dem Innenministerium werden wir weiter hart gegen Sittenwächter und jede Form von Parallelgesellschaften, die Nährboden für solche Gewalt sein können, vorgehen.“

Die hierarchisch strukturierte Gruppierung soll seit dem Herbst 2019 ihr Unwesen getrieben haben und Akten über Hunderte Frauen mit deren Aktivitäten im Internet und in der Öffentlichkeit geführt haben. Die Ermittlungen gegen die erwachsenen „Sittenwächter“ laufen auch wegen Waffenhandels, Freiheitsentziehung, schwerer Körperverletzung und Kfz-Diebstahl.

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