23.10.2020 20:42 |

„Dreckiges Geschäft“

Illegaler Müll aus Österreich nach Asien gelangt

Auf vielen malaysischen Mülldeponien landet Plastikmüll aus Europa - auch aus Österreich. Illegal, doch ist der verbotene Handel laut aktueller Interpol-Analyse rund um den Erdball ein boomendes Geschäft. Aktuell berichtet Greenpeace von einem Fall, bei dem 700 Tonnen nicht-recycelbares Material aus Österreich nach Malaysia verschifft worden seien. Hinter diesem „dreckigen Geschäft“ stecke ein „krankes System“.

Demnach liegen der NGO Unterlagen vor, die darauf hindeuten, dass 28 Container mit vermeintlich wiederverwertbarem Plastik den Weg nach Asien gefunden haben. Das Umweltministerium sei informiert worden, dieses plane demnach vier Container der Lieferung, die nicht durch den Zoll von Malaysia kamen, für eine genaue Analyse zurück nach Österreich zu bringen. Offizielle Meldungen über Transporte gebe es keine.

Nicht-recycelbarer Müll verschifft
Foto- und Videomaterial und Aussagen deuten weiters darauf hin, dass der Händler in Asien entgegen der Vereinbarung gemischten nicht-recycelbaren Elektro-Plastikschrott erhielt, der deshalb auf einer Deponie landete. Das Verschiffen von gemischtem, also nicht-recycelbarem und mit Chemikalien belastetem Plastikmüll ist in alle Nicht-OECD-Länder seit 2019 verboten.
Neben 28 Containern im Jahr 2020 wurden laut Unterlagen bereits 2019 mindestens elf Container mit Müll aus Österreich nach Malaysia verschifft.

Entsorgung in Österreich teurer
Fachgerechte Entsorgung oder Verbrennung von Müll in Österreich ist aufgrund von Umweltauflagen und höheren Lohnkosten teuer, laut Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe zwischen 100 und 170 Euro pro verbrannter Tonne. Bei dem aktuellen Fall wären das bis zu 120.000 Euro gewesen. Stattdessen soll offenbar der asiatische Händler die Kosten für Transport und Zoll in der falschen Annahme übernommen haben, das Material recyceln und weiterverkaufen zu können.

1,8 Millionen Tonnen Plastikmüll exportiert
700 Tonnen sind angesichts eines Berichts der EU-Umweltagentur EEA vom Oktober 2019 eine geringe Menge, denn im Jahr 2019 sollen von der EU rund 1,8 Millionen Tonnen Plastikmüll exportiert worden sein. Jedoch wies Greenpeace auf eine Analyse des Forschungszentrums Transcrime für das EU-Projekt „Blockwaste“ hin, wonach in Österreich mehr als 50 Prozent der gefährlichen Abfälle vom offiziellen Markt verschwinden würden.

„Dreckiges Geschäft“
„Der globale Handel mit Plastikmüll ist ein dreckiges Geschäft. Dahinter steckt ein krankes System: Gegenstände wie Plastikverpackungen, Polyesterkleidung oder Elektrogeräte werden hier in Europa für kurze Zeit genutzt. Und dann wird der daraus entstehende Plastikmüll Zehntausende Kilometer um den Globus verschifft und in Ländern des globalen Südens unter widrigen Umständen recycelt oder auf Mülldeponien gekippt, wo er die Natur, Tiere und die Gesundheit der Menschen schädigt. Das muss endlich gestoppt werden“, fordert Lisa Panhuber, Konsumexpertin von Greenpeace.

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