17.10.2020 17:39 |

Für Amt „unabsehbar“

Drei Kinder getötet: „Familienprobleme“ als Motiv

Das Motiv für die Familientragödie in Wien-Donaustadt, bei der am Samstag eine Nepalesin (31) ihre drei Kinder - ein acht Monate altes Baby sowie zwei Mädchen (3, 9) - getötet haben soll, dürften „Ehe- bzw. Familienprobleme“ gewesen sein, sagte Polizeisprecher Paul Eidenberger. Die Verdächtige zeigte sich in ihrer ersten Einvernahme weiterhin geständig. Dass eine Gefährdung der Kinder bestanden haben könnte, „war nicht absehbar“, hieß es indessen seitens des Wiener Jugendamts. Die Behörde war nämlich nach einer Wegweisung des Vaters (44) bereits vor rund zwei Wochen eingeschaltet worden.

Aus dem Umfeld der Familie, die offenbar schon jahrelang in Österreich lebte, verlautete, dass sich die Frau ungefähr seit der Geburt des jüngsten Kindes in einer psychisch schwierigen Lage befunden haben soll. Es sei zu Streit mit dem 44-Jährigen gekommen, eine Trennung oder Scheidung standen offenbar im Raum. Die 31-Jährige soll befürchtet haben, in diesem Fall die Kinder zu verlieren.

Der Mann hatte zuletzt nicht mit seiner Frau und den Kindern zusammengelebt, er war nach einem angeblich von beiden Seiten handgreiflichen Streit weggewiesen worden. „Es wurde ein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängt, das mit Ende September vorbei war und nicht zu einer einstweiligen Verfügung verlängert worden ist“, was die 31-Jährige hätte beantragen können, so die Polizeiinformationen.

Jugendamt eingeschaltet
Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe „kennt die Familie anlässlich der Information über eine Wegweisung durch die Polizei seit zwei Wochen“, gab deren Sprecherin Andrea Friemel bekannt. Bei Wegweisungen werde auch standardmäßig eine sogenannte Gefährdungsabklärung begonnen.

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Eine derartig tragische Handlung der Mutter macht betroffen und war nicht vorhersehbar.

Jugendamt-Sprecherin Andrea Friemel

„Im Zuge dieses Verfahrens gab es mit den Eltern und den Kindern sowie mit der Schule und der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie persönliche und telefonische Kontakte. Es zeigten sich bei den Eltern die in der Wegweisung angeführten Beziehungsprobleme“, so die Sprecherin. Eine Gefährdung der Kinder „war bei den Kontakten nicht absehbar“.

„Tragische Handlung war nicht vorhersehbar“
Betreffend des Beziehungskonflikts der Eltern sei Beratungsbedarf wahrgenommen worden, worauf Beratungstermine mit Unterstützung durch eine Dolmetscherin organisiert worden seien. „Eine derartig tragische Handlung der Mutter macht betroffen und war nicht vorhersehbar“, so Friemel.

Nach einem Suizidversuch, der laut Polizei leichte Verletzungen verursachte, hatte die 31-Jährige am Samstag um 5.20 Uhr den Polizeinotruf gewählt und das Tötungsdelikt gestanden. Polizisten rasten zu dem einstöckigen Mehrparteienwohnhaus in der Nähe des Kagraner Platzes. Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Polizisten den Buben und die Dreijährige mit „eindeutigen Todeszeichen“ vor, sagte Polizeisprecher Eidenberger.

Reanimation von ältestem Mädchen scheiterte
Im Fall der Neunjährigen, die noch in ein Spital gebracht wurde, bestand Hoffnung, sie wiederbeleben zu können. Rund eine Stunde bemühten sich die Helfer, das Kind zu reanimieren, letztlich vergeblich. Die jüngeren Kinder waren in einem Zimmer der Wohnung entdeckt worden, die ältere Schwester in einem Nebenraum. Eine Obduktion wurde angeordnet.

Die tatverdächtige Mutter wurde festgenommen. Ein Amtsarzt beurteilte die 31-Jährige mittlerweile als einvernahme- und haftfähig. In einem ersten Verhör wiederholte die Verdächtige laut Polizei ihr Geständnis. Dem Vater überbrachten Ermittler die Schreckensnachricht an seinem Arbeitsplatz in einem Lokal im Bezirk Alsergrund. Er wurde bereits einvernommen und sei laut Polizei zum Tatzeitpunkt definitiv nicht in der Wohnung gewesen.

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