05.10.2020 06:21 |

„Covid nun verstanden“

Trump winkt plötzlich vor Krankenhaus aus Auto

Der mit dem Coronavirus infizierte US-Präsident Donald Trump hat seinen Anhängern am Sonntagabend außerhalb des Militärkrankenhauses einen Überraschungsbesuch abgestattet. Aus einem schwarzen SUV heraus winkte Trump seinen Fans in Bethesda nördlich von Washington zu, wie auf einigen Web-Videos zu sehen ist. In einem weiteren Video (oben) gab der streitbare Präsident schließlich zu, viel über das Coronavirus bzw. Covid-19 gelernt zu haben. Er würde es jetzt verstehen.

Trump trug im Inneren des Wagens, in dem mindestens zwei weitere Personen saßen, eine Maske. Von dem schwarzen Auto aus winkte er zahlreichen Anhängern zu, die Fahnen schwenkten und Trump-Plakate in die Höhe hielten. Nach der kurzen Fahrt kehrte Trump in die Klinik zurück.

Ärzte über Auftritt von Trump entsetzt
Mediziner zeigten sich entsetzt über Trumps Auftritt. Das Risiko einer Corona-Transmission in dem Auto sei hoch, sagte der Leiter des Bereichs Katastrophenmedizin an der George-Washington-Universität, James Philipps. Er sprach von einer „verblüffenden Verantwortungslosigkeit“. Das Weiße Haus wies die Kritik zurück. Es seien „angemessene“ Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, um sowohl Trump als auch seine Mitarbeiter zu schützen, sagte ein Sprecher.

Kritiker sprachen auf Social Media rasch von einer weiteren unnötigen Wahlkampf-Inszenierung, die Secret-Service-Leute auch noch einer Infektionsgefahr aussetzen würde. Trump wolle nur seine Verfehlungen überschatten und Aufmerksamkeit erzeugen.

Natürlich waren auch einige Trump-Gegner vor dem Militärspital zu sehen: „Werde gesund, dann verschwinde.“

In einer zuvor aufgenommenen Videobotschaft, die allerdings erst nach seinem Ausflug auf Trumps Twitter-Profil veröffentlicht wurde, sagte der Präsident: „Ich mache gleich einen kleinen Überraschungsbesuch.“ Trump lobte darin unter anderem die „großartigen Patrioten“ außerhalb des Krankenhauses, Ärzte, Krankenschwestern und Soldaten.

„Ich habe viel über Covid gelernt - ich verstehe es“
In dem Twitter-Clip erklärte der US-Präsident am Ende auch, seine Erkrankung sei für ihn „sehr interessant“ und „eine Lehre“ gewesen. Er habe „viel“ über Covid gelernt, eine „sehr interessante Sache“, findet der 74-jährige Republikaner. Er habe jetzt die „echte Erfahrung“ gemacht, nicht die „Lasst-uns-ein-Buch-lesen-Erfahrung“ wie in der Schule, wie er es ausdrückte. „Ich verstehe es und ich werde euch davon berichten.“

Leibarzt: „Zustand weiter verbessert“
Der US-Präsident wird seit Freitagabend in dem Krankenhaus im US-Bundesstaat Maryland vor den Toren Washingtons behandelt. Sein Leibarzt Sean Conley erklärte am Sonntag, Trumps Gesundheitszustand habe sich „weiter verbessert“. Womöglich könne der Präsident bereits am Montag aus dem Krankenhaus entlassen werden und ins Weiße Haus zurückkehren.

Sauerstoffwerte zuvor besorgniserregend gefallen
Zwischenzeitlich war es Trump offenbar deutlich schlechter gegangen. Conley räumte am Sonntag ein, die Sauerstoffwerte des Präsidenten seien seit dem Auftreten der Symptome zweimal kurz gefallen. Trump sei am Freitag ins Krankenhaus geflogen worden, nachdem seine Erkrankung „schnell fortgeschritten“ und seine Sauerstoffwerte besorgniserregend gefallen seien. Zuvor sei Trump im Weißen Haus mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt worden.

Biden liegt in Umfragen deutlich vor Trump
Unterdessen fiel Trump in der Wählergunst weiter zurück. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden lag einer Reuters/Ipsos-Erhebung vom Sonntag zufolge nunmehr USA-weit zehn Prozentpunkte vor Trump. Aufgrund des amerikanischen Wahlsystems sind landesweite Umfragen allerdings in ihrer Aussagekraft beschränkt.

Die jüngste Umfrage fand vom 2. bis 3. Oktober statt und damit nach der Nachricht von Trumps positivem Corona-Test. Demnach sind 65 Prozent der Befragten der Ansicht, dass Trump vermutlich nicht erkrankt wäre, wenn er „das Coronavirus ernster genommen hätte“. Die Umfrage zeigt auch eine zunehmende Unzufriedenheit über Trumps Maßnahmen gegen die Pandemie. Dieser Anteil stieg um drei Punkte auf 57 Prozent. Nur 34 Prozent gehen davon aus, dass Trump zum Coronavirus die Wahrheit sagt.

Joe Biden wurde übrigens am Sonntag erneut negativ auf das Coronavirus getestet.

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