13.08.2020 06:02 |

Politik, Justiz, Sport

Commerzialbank-Affäre: Tiefe Einblicke, böse Fouls

Causa Commerzialbank: Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft und mögliche Verwicklungen von externen Personen bzw. Firmen sowie Aussagen einer ehemaligen Angestellten gewähren tiefe Einblicke in den spektakulären Fall. So könnten Sponsoren als Vehikel für verdeckte Zahlungen an den Mattersburger Bundesliga-Fußballklub gedient haben.

Die Causa Commerzialbank beschäftigt Politik, Justiz - und den Fußball. Der SV Mattersburg ist wie das Geldinstitut de facto Geschichte, verantwortlich ist Martin Pucher, Schöpfer der einstigen burgenländischen Aushängeschilder. Gegen Pucher wird seit Mitte Juli ermittelt (gefälschte Bilanzen, Hunderte Millionen sind versickert - er und eine Co-Vorständin sind geständig, es gilt die Unschuldsvermutung).

Anzeige mit „hoher Glaubwürdigkeit“
Der „Krone“ liegen Teile des Strafaktes vor, unter anderem eine anonyme Anzeige, die letztlich zu den Ermittlungen führte. Die Anzeige ist derart detailliert, dass die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) „hohe Glaubwürdigkeit“ attestiert. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit“ stammen demnach die Informationen „von jemandem, der Zutritt zur Commerzialbank hatte und der interne Abläufe kannte“. Es werden auch drei wichtige Sponsoren genannt, die als Vehikel für verdeckte Zahlungen (über fingierte Kredite) gedient haben könnten.

Es geht um zig Millionen für den Profibetrieb der Kicker. Eine Firma gehört Dachdecker Ernst Zimmermann. Er saß sowohl im Aufsichtsrat der Commerzialbank als auch im Vorstand des SV Mattersburg - und soll in seinem Unternehmen selbst mit Scheinrechnungen operiert haben. Zimmermann selbst weist alle Vorwürfe von sich, wie auch seine Aufsichtsratskollegen habe er von nichts gewusst.

Eine erste Konsequenz aus dem Skandal hat ja Landesrat Christian Illedits (SPÖ) mit seinem Rücktritt gezogen. Leonhard Schneemann, Vorstandsdirektor der Kurbad AG, wird beim Sonderlandtag am Donnerstag als Landesrat angelobt.

Bankmitarbeiterin: „Freunderlwirtschaft!“
Indes wandte sich nun eine langjährige und einstmals enge Mitarbeiterin Puchers an die „Krone“, um anonym über die dubiosen Zustände in der Skandalbank zu berichten: Im Haus habe eine „Freunderlwirtschaft“ und vor allem in den letzten Jahren ein „unerträgliches Klima“ geherrscht. Wer etwa Funktionär beim Fußballverein war, habe auch in der Bank Karriere machen können - Qualifikation nachrangig.

Puchers Co-Vorständin - sie interessierte sich übrigens kaum für den Verein - sei eine zentrale Figur in der Causa. Er habe ja „kaum den Computer bedienen können“, sie hingegen arbeitete „Tag und Nacht“. Mehr noch: Während Staatsanwälte und Bankprüfer versagten, habe es in der Bank nicht zuletzt angesichts der teils obskuren Spendierfreudigkeit des Chefs sehr wohl Getuschel über mögliche Ungereimtheiten oder gar Bereicherungen gegeben. „Man hat sich schon gefragt: Wo kommt eigentlich das ganze Geld her?“

Erich Vogl und Klaus Knittelfelder, Kronen Zeitung/krone.at

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