23.06.2020 13:42 |

„Tiefe Furchen“

Handel: Umsatzentgang in Milliardenhöhe

Der stationäre Einzelhandel ist von der Corona-Krise massiv betroffen. Abgesehen vom Lebensmittelbereich, der Zuwächse verzeichnete, waren die Einbußen im März und April enorm. Der Umsatzentgang im Vergleich zu 2019 beträgt zwei Milliarden Euro brutto. Die Krise habe „tiefe Furchen“ hinterlassen und werde „Ende 2020 und Anfang 2021 ganz besonders sichtbar werden“.

„Wir werden Unternehmen verlieren“, befürchtet Peter Buchmüller, der scheidende Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Nach den Schließungen der Geschäfte (ausgenommen waren jene für die Grundversorgung) wegen der Pandemie am 16. März waren die Umsätze massiv eingebrochen.

So büßten Unternehmen im stationären Einzelhandel im April im Vergleich zum Vorjahr insgesamt 20 Prozent ein. Wenn man den Einzelhandel zur Grundversorgung ausnimmt, waren es sogar minus 46,2 Prozent. Die schwierige Situation halte außerdem an, bilanziert Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria. „Die Herausforderungen werden Ende 2020 und Anfang 2021 ganz besonders sichtbar werden.“

Drastische Einbußen
Während der stationäre Einzelhandel mit Lebensmitteln im April einen Zuwachs von 12,6 Prozent verzeichnete - bei Unternehmen mit Schwerpunkt Gastrobereich gab es auch hier Rückgänge -, fielen die Einbußen in den übrigen Branchen zum Teil drastisch aus. Im Bau- und Heimwerkerbedarf beschränkte sich der Rückgang auf zehn Prozent, im Einzelhandel mit Sportartikeln, Uhren und Schmuck, Schuhen und Lederwaren, Möbel sowie Bekleidung summierte er sich im vierten Monat des Jahres hingegen auf 52,9 bis zu 70,9 Prozent.

Die Krise habe da „tiefe Furchen“ hinterlassen, sagte Buchmüller. Im Mai gab es nach vorläufigen Berechnungen eine leichte Erholung, der Rückgang betrug ohne den Einzelhandel zur Grundversorgung aber noch 3,9 Prozent. 

Umsatzrückgang in Österreich im EU-Durchschnitt
Damit rangiert Österreich mit den Umsatzrückgängen im April im Durchschnitt der EU-Länder (18,0 Prozent). In Spanien, Frankreich und Italien - also Ländern, die von der Krise besonders schwer getroffen waren - lagen die Rückgänge im Vergleich zum April 2019 zwischen 29,8 und 32,8 Prozent.

Online-Einzelhandel legt zu
Eine positive Entwicklung nahm hingegen der heimische Internet-Einzelhandel. Da betrug der Umsatz im März und April 1,2 Milliarden Euro brutto (rund zehn Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens), der Umsatzzuwachs im Vergleich zu 2019 betrug 600 Millionen Euro. Im April machte die Steigerung 150 Prozent aus.

Da hätten sich die Österreicher auch zur heimischen Wirtschaft bekannt, meinte Iris Thalbauer, die Geschäftsführerin der Bundessparte Handel. Viele Online-Plattformen seien entstanden. „Digitalisierungsfit zu sein, zahlt sich aus“, betonte Thalbauer.

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