22.06.2020 14:21 |

Österreicher beteiligt

Riesiges Steinzeitmonument bei Stonehenge entdeckt

Ein riesiges prähistorisches Monument haben britische und österreichische Archäologen in der Nähe von Stonehenge entdeckt. Die Forscher stießen auf mindestens 20 Schächte mit einem Durchmesser von bis zu zehn Metern und einer Tiefe von bis zu fünf Metern, die Durrington Walls, eines der größten Monumente der Region, kreisförmig umgaben. Die Schächte bilden einen Ring von rund zwei Kilometer Durchmesser. Eine C-14-Datierung von Bohrkernen lässt darauf schließen, dass sie vor rund 4500 Jahren ausgehoben wurden.

Im Zentrum der im Rahmen des internationalen „Stonehenge Hidden Landscape Project“ entdeckten ringförmig angelegten Schächte liegen die als „Super-Henge“ bezeichnete große Anlage von Durrington Walls und der bekannte Holzpfosten-Kreis Woodhenge. Die Anlage sei „eines der größten und komplexesten steinzeitlichen Monumente, die bisher entdeckt wurden“, erklärte Wolfgang Neubauer vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) in Wien im Gespräch mit der APA.

Die Archäologen vermuten, dass die Löcher eine Grenze markiert haben: Möglicherweise sollten dadurch nicht Befugte davor gewarnt werden, das rituelle Gebiet zu betreten, oder Menschen mit Pfahlreihen zu den religiösen Stätten im Zentrum des Kreises geführt werden, heißt es in einer Aussendung der University of Bradford.

Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer durchgekämmt
Von 2010 bis 2016 erkundeten die Wissenschaftler um Neubauer mit Kollegen der Universitäten Birmingham und Bradford ein mehr als 16 Quadratkilometer großes Gebiet rund um Stonehenge Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer. So wurden im Laufe der Jahre etliche bisher unbekannte Monumente und „Henges“ entdeckt - mit diesem Begriff werden steinzeitliche Anlagen bezeichnet, die aus einem runden oder ovalen Erdwall und einem innen liegenden Graben bestanden. Auf der Fläche im Inneren standen oft kreisförmig angeordnete Steine oder Holzpfosten.

Die wohl bekannteste derartige Anlage ist Stonehenge, dessen Graben und Wall einen Durchmesser von 110 Metern hat. Deutlich größer und auch älter ist das rund drei Kilometer nordöstlich von Stonehenge gelegene Durrington Walls mit einem Durchmesser von 500 Metern. Die Anlage besteht aus einem 1,5 Kilometer langen, 30 Meter breiten und bis zu drei Meter hohen Wall und einem innen liegenden, knapp 18 Meter breiten Graben.

Mehr als 200.000 Gruben nachgewiesen
Vor fünf Jahren wiesen Neubauer und sein Team nach, dass die Anlage von Durrington Walls teilweise von zumindest 200 massiven Holzpfosten umgeben war. Allerdings sind nur mehr die Gruben zu erkennen, in denen sie aufgestellt waren. In dem untersuchten Gebiet wurden mehr als 200.000 solcher Gruben nachgewiesen. Es sei gar nicht so einfach gewesen herauszufinden, ob diese natürlichen Ursprungs waren oder von Menschen etwa für Gräber oder als Speichergruben geschaffen wurden, erinnerte sich Neubauer an die Arbeit.

„Die Gegend um Stonehenge gehört zu den am besten erforschten archäologischen Landschaften der Erde, und es ist bemerkenswert, dass die Anwendung neuer Technologien immer noch zur Entdeckung einer solch gewaltigen prähistorischen Struktur führen kann, die deutlich größer ist als jedes vergleichbare prähistorische Monument, das wir zumindest in Großbritannien kennen“, so Projektleiter Vince Gaffney von der Uni Bradford.

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