20.06.2020 14:02 |

„Nicht über den Berg“

Schallenberg: Agieren bei neuer Welle ganz anders

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hat neuerliche Grenzschließungen in der Corona-Krise nicht ausgeschlossen. „Nur weil wir jetzt Staaten auf Grün gesetzt haben, heißt nicht, dass wir die Situation nicht weiter genau beobachten“, sagte Schallenberg. Natürlich sei es „unser Ziel, dass es nicht wieder dazu kommt“. Aber: „Wenn es notwendig ist, werden wir natürlich auch wieder entsprechende Maßnahmen setzen.“ Im Fall einer zweiten Welle sei er aber zuversichtlich, „dass wir auf europäischer Ebene ganz anderes reagieren würden“, als das bisher der Fall gewesen sei.

„Unser Ziel ist es, möglichst schnell die Reisefreiheit wiederherzustellen. Das ist im 21. Jahrhundert kein Luxus, das ist eine Notwendigkeit“, betonte Schallenberg im Interview mit der APA. Allerdings sei jeder Öffnungsschritt „mit einem gewissen Restrisiko verbunden“. Man sei bei der Pandemie „noch nicht über den Berg“.

Erfahrungen aus erster Welle wichtig
Schallenberg zeigte sich aber zuversichtlich, dass etwaige Ausbrüche „lokal oder zumindest regional“ unter Kontrolle gebracht werden könnten und ein „Überschwappen“ auf andere Länder verhindert werden könne. Zugleich baut er auf die in der ersten Welle gewonnenen Erfahrungen. „Im Fall einer zweiten Welle bin ich zuversichtlich, dass wir auf europäischer Ebene ganz anders reagieren würden (als bei der ersten Welle, Anm.).“ Die EU-Staaten würden dabei „sehr viel koordinierter“ vorgehen.

Schallenberg verteidigte zugleich die Entscheidung des Außenministeriums, ungeachtet der Grenzöffnung allen Staaten dieser Welt ein hohes Sicherheitsrisiko zu attestieren. „Das ist auch eine logistische Angelegenheit“, verwies er auf Rückreiseprobleme im Fall einer plötzlichen Grenzschließung. „Vergessen wir nicht, wie das war im März“, sagte Schallenberg. Es sei „nicht ausgeschlossen, dass es auch in Zukunft geschehen könnte“.

„Außenpolitik wird in Post-Corona-Zeit anders aussehen“
Der langjährige Diplomat geht zugleich von einer nachhaltigen Veränderung der internationalen Politik in der Corona-Krise aus. „Ich glaube schon, dass die Außenpolitik in der Post-Corona-Zeit anders ausschauen wird und auch anders ausschauen sollte“, sagte er. „Zum ersten Mal war der ganze Globus, jeder Staat auf diesem Planeten mit der gleichen Herausforderung konfrontiert und ist es immer noch“, betonte er. Auch habe sich gezeigt, „dass im Krisenfall ein Land wie Österreich nie auf ein effizientes, eigenes Vertretungsnetz verzichten kann“, sagte Schallenberg mit Blick auf die Urlauber-Rückholaktionen und die Transporte medizinischer Güter. „Das hätte für uns nie eine EU-Delegation oder ein anderer Staat übernommen.“

„Nachbarschaft hat einen wesentlichen Wert“
„Die letzten Monate haben sehr deutlich eines in den Fokus gerückt, nämlich die Nachbarschaft“, sagte Schallenberg weiter. „Man könnte ja sagen, im 21. Jahrhundert hat die geografische Nähe nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher, weil wir neue Transport- und Kommunikationsmittel haben. Aber in der Krise hat sich gezeigt, Nachbarschaft hat einen wesentlichen Wert und diese guten, belastbaren Beziehungen haben es uns erlaubt, den Schmerz, der mit den Grenzschließungen und den Kontrollen einherging, auf einem Minimum zu halten, und damit auch den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten.“

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