09.06.2020 18:47 |

Fünfer fast verdoppelt

Mathe-Matura an AHS wieder schlechter ausgefallen

Während die Ergebnisse der Mathematik-Zentralmatura an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) etwas besser ausgefallen sind als im Vorjahr, zeigt sich an den allgemeinbildenden höheren Schulen ein deutlich schlechteres Bild. Laut vorläufigem Auswertungsstand wurden 21 Prozent der AHS-Schüler negativ benotet - das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr (elf Prozent). Da heuer ausnahmsweise auch die Zeugnisnote in die Maturanote einfließt, sinkt die Fünferquote aber wieder und drückt die negativen Noten auf nur noch zehn Prozent. Leer abgegebene Zettel waren offenbar nur ein Randphänomen.

An den AHS haben bisher rund 70 Prozent der Schulen die Ergebnisse rückgemeldet, an den BHS knapp 50 Prozent. Bei den AHS zeigt sich ein auffälliger Zweijahres-Rhythmus: 2016, 2018 und 2020 haben jeweils mehr als 20 Prozent ein Nicht genügend kassiert, in den Jahren dazwischen nur etwas mehr als zehn Prozent. An den BHS (14 Prozent negativ) gab es bis auf einen starken „Ausreißer“ 2017 (neun Prozent) und einen leichten 2018 (19 Prozent) wesentlich stabilere Quoten um die 15 Prozent.

Zeugnisnote als „Rettung“
An den AHS gab es auch etwas weniger Einser (sieben Prozent) als im Vorjahr (acht Prozent) sowie deutlich weniger Gut und Befriedigend. An den BHS wurden dagegen wesentlich mehr Einser (13 Prozent) und Zweier (21 Prozent) verzeichnet als 2019 (sieben bzw. 17 Prozent). Heuer wird als Reaktion auf die Corona-Pandemie neben der Klausurnote auch erstmals die Zeugnisnote der Abschlussklasse zu gleichen Teilen in die Maturanote einbezogen. Steht man damit genau zwischen zwei Noten, zählt die Klausur stärker.

Damit wurden zahlreiche Kandidaten mit einem Fünfer auf die schriftliche Prüfung „gerettet“: An den AHS sinkt der Anteil jener mit einem Fünfer von 21 auf zehn Prozent, an den BHS von 14 auf sechs Prozent. Da sich alle, die nach wie vor auf einem Nicht genügend stehen, dieses wie bisher bei einer (mündlichen) Kompensationsprüfung ab 22. Juni ausbessern können, könnten am Ende weniger Personen durchfallen als je davor.

Leere Zettel nur ein Randphänomen
Was auffällt ist, dass heuer deutlich mehr Kandidaten angetreten sind als in den Jahren zuvor. Das sei ein Indiz dafür, dass viele Lehrer bei der Beurteilung im Jahreszeugnis „kulanter“ gewesen seien und im Zweifelsfall auch schwächere Schüler zur Matura zuließen, erklärt der für die Reifeprüfung zuständige Sektionschef im Ministerium, Andreas Thaller. Damit könne eventuell auch ein Teil der schlechteren Resultate erklärt werden. Die im Vorfeld heftig diskutierten leer abgegebenen Zettel, da die betroffenen Schüler aufgrund der Einbeziehung des Jahreszeugnis ohnehin schon positiv waren, scheinen ein Randphänomen gewesen sein: An den AHS gab es in Mathematik bisher nur eine einzige Maturaarbeit mit null Punkten, an den BHS 16.

Ministerium sieht Corona-Änderungen bestätigt
Für Bildungsministeriums-Generalsekretär Martin Netzer zeigen die Ergebnisse, dass die Änderungen der Rahmenbedingungen für den „Corona-Jahrgang“ gerechtfertigt gewesen seien. „Wir haben dadurch ein Drittel an Präsenzzeit im zweiten Halbjahr verloren”, die Schüler hätten sich nicht angemessen vorbereiten können, so Netzer. Neben der Einbeziehung der Zeugnisnote mussten heuer nur drei schriftliche Arbeiten absolviert werden, dazu gab es eine Stunde mehr Arbeitszeit, der Antritt zur mündlichen Matura ist freiwillig.

Die Beispiele für die Matura standen bereits vor Ausbruch der Krise fest: „Wir haben nicht mit einer Änderung der Aufgaben reagiert, sondern mit einer Änderung bei der Notenberechnung“, so Thaller. Die einzelnen Aufgaben seien bereits in den Jahren davor (etwa „versteckt“ bei Schularbeiten) getestet worden.

Salzburg und Wien als Schlusslichter
Analysiert werden müsse nun, warum man im AHS-Bereich die deutlichen Schwankungen bei den Klausurnoten habe, so Thaler. Erste Werte gibt es im AHS-Bereich auch für die einzelnen Bundesländer: Demnach haben Salzburg (23 Prozent Fünfer auf die Klausuren) und Wien (26 Prozent) am schlechtesten abgeschnitten.

In den anderen „großen" Prüfungsfächern Deutsch und Englisch gibt es ebenfalls erste Tendenzen: In Deutsch gab es an AHS wie BHS sowohl etwas mehr Einser wie auch etwas mehr Fünfer (AHS: 23 Prozent Einser, 5,5 Prozent Fünfer; BHS: 17 Prozent Einser, sechs Prozent Fünfer). In Englisch wurden wiederum weniger Fünfer verzeichnet (AHS: sieben Prozent, BHS: zehn Prozent).

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