16.05.2020 01:06 |

Zweitbeste Fitch-Note

Österreich behält in Krise AA+, Ausblick stabil

Die Ratingagentur Fitch bewertet Österreichs Bonität weiterhin mit der zweitbesten Note AA+, hat den Ausblick aber von „positiv“ auf „stabil“ herabgesetzt. Die Revision des Ausblicks widerspiegle die erheblichen Auswirkungen der globalen Coronavirus-Pandemie auf Österreichs Wirtschaft und die öffentlichen Finanzen, erklärte Fitch am Freitagabend. Österreichs Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird heuer real um 8,3 Prozent schrumpfen, nimmt Fitch, das Österreich zuletzt im November 2019 einem Rating unterzogen hatte, an. Das sei Ausdruck des Schocks der Gesundheitskrise für die Weltwirtschaft und den Tourismus sowie Folge der Eindämmungsmaßnahmen der Regierung, wodurch die Ausgaben der Betriebe und der Haushalte auf Eis gelegt würden.

Laut Fitch bestehen erhebliche Abwärtsrisiken für diese Prognosen, die davon ausgehen würden, dass die Beschränkungen relativ rasch aufgehoben würden und die Covid-19-Pandemie im zweiten Halbjahr eingedämmt werde, was eine wirtschaftliche Erholung 2021 mit +4,1 Prozent BIP-Plus ermögliche. „Die wirtschaftlichen Ergebnisse könnten für 2020 und 2021 deutlich schwächer ausfallen, falls es zu einer zweiten Infektionswelle und einer Wiederaufnahme der Sperrmaßnahmen kommt oder falls sich die Handelspartner Österreichs nicht erholen“, warnt die Ratingagentur.

Schuldenstand dürfte um 16 Prozentpunkte steigen
Aufgrund seiner vorsichtigen Finanzpolitik verfüge Österreich über einen finanziellen Spielraum, um diesen Schock aufzufangen, „aber unsere Schätzungen sind mit Abwärtsrisiken behaftet“, betont die Agentur. Der gesamtstaatliche Haushaltssaldo werde sich 2020 auf ein Defizit von 9,6 Prozent des BIP verschlechtern, ausgehend von einem - besser als erwarteten - Überschuss von 0,7 Prozent im Jahr 2019. Niedrigere Ausgaben und eine Wiederbelebung der Wirtschaftstätigkeit würden das Defizit 2021 dann auf 3,7 Prozent des BIP schrumpfen lassen, nimmt Fitch an. Für den Schuldenstand prognostiziert die Ratingagentur für heuer einen Anstieg auf 86,4 Prozent des BIP, nach geschätzten 70,4 Prozent im Vorjahr.

Perspektive für Frankreich von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt
Die Perspektive für Frankreich hat Fitch von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. An der Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes mit „AA“ werde sich aber vorerst nichts ändern, teilte die Agentur mit. „Die niedrigere Perspektive spiegelt die erhebliche Verschlechterung wider, die in diesem Jahr aufgrund der Covid-19-Epidemie für die öffentlichen Finanzen und die Wirtschaftstätigkeit erwartet wird“, erklärte Fitch. Die Verschlechterung der Parameter der öffentlichen Finanzen geschehe „vor dem Hintergrund eines bereits hohen Schuldenstandes (...), begrenzter Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung seit der Finanzkrise (von 2008) und eines moderaten Wirtschaftswachstums“, erklärte Fitch weiter.

Die Ratingagentur Standard & Poor‘s hatte Anfang April die Aussichten für Frankreich bei „stabil“ belassen, ebenso wie die Bonität bei AA. Fitch entscheidet in den kommenden zwei Jahren über eine neue Bewertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs. 

Die Creditreform Rating AG hatte die Republik Österreich Ende April unverändert mit AA+ bewertet. Wie bei Fitch wurde der Ausblick von positiv auf stabil revidiert.

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