13.05.2020 15:46 |

Hoffen auf Geschäft

Grenzöffnungen: Tourismus im Land atmet auf

Die Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze sollen ab Samstag vorsichtig gelockert werden, das deutsche Innenministerium strebt sogar ein vollständiges Ende der wegen der Corona-Pandemie eingeführten Kontrollen an allen Grenzabschnitten ab dem 15. Juni an. Ebenfalls ab 15. Juni soll die Grenze zur Schweiz offen sein. Im österreichischen Tourismus ist das Aufatmen entsprechend groß und man hofft weiterhin auf das Sommergeschäft.

Die Lockerungen erfolgen rechtzeitig zum Start in die Hauptferienzeit von Juni bis August. „Damit kommen die Unternehmerinnen und Unternehmer wieder näher an die Wirtschaftlichkeit“, frohlockte Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Österreich war immer das verlängerte Wohnzimmer der Deutschen, hofft die Branchenvertreterin - trotz des Corona-Hotspots in Ischgl und anderen Tiroler Skiorten - auf eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte.

Laut einer Umfrage der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) plant der Großteil spätestens Mitte Juni wieder aufzusperren. Es gibt aber noch viele Fragezeichen, etwa zu Wellnessbereichen. Hier hofft man noch auf konkretere Richtlinien.

Deutsche sind wichtigste Gästegruppe
Die Deutschen sind - neben den Inlandstouristen - die mit Abstand wichtigste Gästegruppe, im Sommer wie im Winter. Auf deutsche Urlauber entfielen im Sommer 2019 rund 7,9 Millionen Ankünfte und 29,5 Millionen Nächtigungen. Zum Vergleich: Inländische Gäste waren für 23,3 Millionen Übernachtungen in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen verantwortlich.

Die Abhängigkeit vom deutschen Markt ist in den vergangenen drei Jahrzehnten deutlich gesunken, auch wenn nach wie vor mit Abstand die meisten ausländischen Gäste aus Deutschland stammen. Der Übernachtungsanteil deutscher Gäste lag 1991 noch bei 50,7 Prozent, im vergangenen Sommer hingegen nur noch bei 37,4 Prozent, wie aus Zahlen der Statistik Austria hervorgeht.

Experte dämpft Optimismus
Der Tourismusexperte Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) dämpfte den Optimismus am Mittwoch im Ö1-„Mittagsjournal“ aber etwas. Er erwartet trotz der Grenzöffnungen eine deutliche Zurückhaltung bei den Buchungen, also eine schwache Nachfrage. „Auch wenn die Grenzen offen sind, heißt das natürlich nicht, dass die Leute diese Grenzen auch überschreiten wollen“, sagte Fritz.

Im Tiroler Hotel Stanglwirt in Going am Wilden Kaiser freute sich Maria Hauser „riesig“ über die Öffnung. Auch wenn viele Buchungen von österreichischen Gästen eingegangen waren, sei die Grenzöffnung eine „große, große Freude“, sagte sie zur APA. Etwa 80 Prozent der Gäste im Stanglwirt kommen aus Deutschland, die meisten hätten dem Hotel auch die Treue gehalten und auf die Grenzöffnung gehofft. Einige hätten aber auch umgebucht. Die Sommersaison sei damit „gerettet“, immerhin sei man im Sommer „quasi ausgebucht“, berichtete Hauser.

Schweizer wichtig für Handel
In Vorarlberg hat Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) in den vergangenen Tagen wiederholt offene Grenzen in der Bodenseeregion gefordert, entsprechend groß war am Mittwoch die Freude. Im Vierländereck Österreich-Deutschland-Schweiz-Liechtenstein gelegen, sind offene Grenzen für die positive Entwicklung Vorarlbergs ein Muss - nicht nur für den Tourismus. Für die stark exportorientierte Wirtschaft ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Im Handel wiederum sind die Einkäufer aus der Schweiz dank des starken Franken von größerer Bedeutung.

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