Finanzieller Ruin

Szene besorgt: „Die Nachtclubs werden sterben“

Große Ernüchterung macht sich unter Österreichs Nachtgastronomen nach der Pressekonferenz der österreichischen Bundesregierung am 28. April 2020 zur Wiedereröffnung der Gastronomie breit. Weiterhin fehlt die Planungssicherheit für Bars und Diskotheken. City4U hat mit einigen Club-Betreibern der Stadt gesprochen.

„Wir haben die meisten unserer Arbeitskräfte auf Kurzarbeit gemeldet und die Mitarbeiter, die freigestellt wurden, haben eine Wiedereinstellungsgarantie. Immerhin wollen wir auch mit unserem Team wieder durchstarten, wenn es losgeht. Solange Großveranstaltungen verboten sind, wird für uns keine Hoffnung bestehen, die Clubs aufzusperren und vor dem ersten September rechnen wir auf keinen Fall damit. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unsere Prognose, dass wir beide Clubs erhalten und somit auch wieder aufsperren können, wenn es soweit ist. Wir bekommen jeden Tag Anfragen, wann wir endlich wieder öffnen - das freut uns sehr, da unsere Gäste uns nicht vergessen“, informiert Roger Pfister auf Nachfrage der City4U-Redaktion. Er ist für den Prater DOME und den A-Danceclub zuständig. Beide Clubs sind aus der Wiener Szene kaum wegzudenken.

Momentan versuchen die Locations, via Social Media mit ihren Gästen in regem Kontakt zu bleiben und auch online die Party zu ihnen nach Hause zu bringen. „Wir strahlen auf unseren Seiten wöchentlich Streams aus, damit die Partypeople der Stadt auch in der Wohnung coole Beats hören und versuchen, immer alle Informationen sofort zu kommunizieren - sofern es etwas Neues gibt. Wenn wir wieder aufsperren, möchten wir auf jeden Fall ein Event für alle Helfer in der Corona-Krise organisieren“, so Pfister.

Auch Balkan-Club-Szene betroffen

„Die Situation ist eine Katastrophe, es ist für uns alle eine Bedrohung der Existenz. Bei den Pressekonferenzen kommt die Nachtszene definitiv zu kurz. Ich schätze, dass vor September nichts möglich sein wird, weshalb ich alle Bookings auch schon auf Herbst verschoben habe. Da ist aber dann wieder nicht sicher, ob wir den Club füllen oder wieder nur eine gewisse Menge an Leuten hineinlassen dürfen. Die Nachtclubs sterben“, so Toni Juric vom Club Village verzweifelt.

„Wird Jahre dauern, bis wir wieder auf dem Level wie vor der Krise arbeiten können“

Auch das Cabaret Fledermaus hat sämtliche Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, um das eingespielte Team zusammenzuhalten. Inhaber Wolfgang Strobl erklärt im City4U-Talk: „Diese wurde nach mehreren Wochen auch bewilligt. Die Bürokratie rundherum erweist sich allerdings als äußerst mühsam und kompliziert. Zudem muss man die Gehälter aus ‘der eigenen Tasche‘ vorzahlen, sich also verschulden. Auch Mieten müssen weiterhin gezahlt werden. Das allein bedeutet das sichere ‘Aus’ für viele Betriebe.“ Er ergänzt: „Ein Wunschkonzept wäre es gewesen, auf einfache Weise wie im ursprünglichen Pandemie-Gesetz vorgesehen, den Betrieben den Schaden/Verlust durch das Arbeitsverbot zu ersetzen. Interessant wäre auch, was mit den 290.000 Euro, welche die Stadt Wien im Jänner der ‘Vienna Club Commission‘ zur Verfügunggestellt hat, passiert. Diese hat den Auftrag, das Geld bis zur Wien-Wahl in Projekte zur Förderung der Wiener Clubszene zu investieren. Mit diesem sehr hohen Betrag könnte man einige der notleidenden Clubs und Veranstalter fördern.“

Strobl ist überzeugt: „Es wird Jahre dauern, bis wir wieder auf dem Level wie vor der Krise arbeiten können. Zahlreiche Lokale werden wohl ganz von der Bildfläche verschwinden. Von einer lebendigen und florierenden Party-Szene, wie sie Wien Anfang der 80er und Mitte der 90er gekannt hat, waren wir zuletzt ohnehin weit entfernt. Der Cocktail-Bar-Boom der letzten Jahre war zwar eine Ausnahme, aber hier muss man jetzt auch mit einem radikalen ‘Schnitt’ rechnen.“

Platzhirsch setzt auf Crowdfunding-Aktion

Der Szene-Club Platzhirsch am Opernring hat hingegen mit eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Damit die Events nach dem Stillstand der Szene wieder weitergehen können werden Spenden für das Bestehen der Location gesammelt. „Leider hat uns Gastronomen Corona besonders hart getroffen. Hundert Prozent unserer Einnahmen sind von einem auf den anderen Tag weggebrochen. Ausständige Rechnungen, Fixkosten müssen nach wie vor bezahlt und die Gehälter unserer Mitarbeiter vorfinanziert werden. Daher bitten wir um einen kleinen Gefallen, der in Zeiten wie diesen Großes bewirkt. Jeder Beitrag hilft, unsere Platzhirsch-Familie am Laufen zu halten, und wir werden es euch doppelt danken!“, so der Club.

Gegen eine Spende bekommt man diverse Packages zugesichert. Diese reichen von Gutscheinen bis hin zu privaten Partys im Club-Bereich, abhängig von der Höhe der geleisteten Unterstützung. 

Auch Stefan Ratzenberger, Sprecher der österreichischen Nachtgastronomen bekräftigt in einer Presseaussendung vom 28. April: „Aufgrund der weiterhin massiven Einschränkungen und Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Bezug auf den Betrieb der Nachtgastronomie drohen hunderte Betriebe, insolvent zu gehen. Bleiben staatliche Planungen zur Hilfe der Nachtgastronomie weiterhin aus, so ist davon auszugehen, dass zwei Drittel aller Diskotheken, Clubs und andere nachtgastronomische Einrichtungen die Corona-Krise nicht überstehen werden.“

April 2020

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Vanessa Licht
Vanessa Licht
Julia Ichner
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