22.04.2020 13:23 |

„Neue Herausforderung“

China untersucht Ansteckungsgefahr durch Geheilte

In Wuhan häufen sich die Fälle, bei denen ehemalige Covid-19-Patienten nach überstandener Erkrankung das Virus scheinbar weiter in sich tragen. Sie gelten als mögliche Ansteckungsgefahr. Diese Menschen zeigten aber keine Krankheitssymptome, erklärten Ärzte aus der chinesischen Millionenmetropole, vor der aus sich die Pandemie im Dezember ausgebreitet hatte. Der deutsche Coronavirus-Experte und Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité teilte diese Meinung im alle zwei Tage erscheinenden NDR-Podcast jedoch nicht und bezeichnete diese Fälle eher als „statistische Verteilungsphänomene“.

Die Ärzte in Wuhan teilten mit, dass alle diese Covid-19-Patienten zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Therapie negativ auf das Coronavirus getestet wurden, später jedoch wieder positiv. In manchen Fällen sei dies sogar bis zu 70 Tage nach der vermeintlichen Gesundung passiert.

Neue Phase des Kampfes gegen die Pandemie
Ärzte in Wuhan bezeichneten dieses Phänomen als größte Herausforderung in der neuen Phase des Kampfes gegen die Pandemie. Das Virus wurde auch in Südkorea bei angeblich geheilten Menschen nachgewiesen. Die Weltgesundheitsorganisation untersucht die Möglichkeit von Rückfällen bei ehemaligen Covid-19-Patienten.

Auch Virusträger können negativ getestet werden
Drosten erklärte dieses Phänomen im „Coronavirusupdate“-Podcast mithilfe einer Analogie: „Sie haben ein Planschbecken voller Wasser und da drin schwimmen Goldfische. Und die sind ohne Zweifel da. Aber jetzt nehmen Sie mit einem Eimer eine Probe aus diesem Planschbecken, und zwar mit verbundenen Augen. Und dann kann es sein, dass Sie in Ihrem Eimer mal einen Goldfisch drin haben und mal nicht. Dennoch würde man nicht in Abrede stellen, dass da Goldfische drin sind in dem Planschbecken.“

Nachkontrollen können auch wieder positiv ausfallen
Falls ein Patient also zweimal hintereinander negativ getestet und als geheilt entlassen wird, könne es dennoch sein, dass er bei einer Nachkontrolle wieder positiv getestet wird. Drosten glaubt jedoch nicht, dass diese verspätet positiv getesteten Fälle auch in Deutschland auftreten könnten, weil man hier eine Kultur habe, in der „solche Ergebnisse relativ schnell hinterfragt werden“.

Positiver Test nicht gleichbedeutend mit Infektiosität
Es könnte sich hier laut Drosten in vielen Fällen auch um hochgehusteten Lungenschleim handeln, der totes und deshalb nicht mehr infektiöses Virus beinhalte. „Und plötzlich wird der Labortest wieder stark positiv. Auch solche Sachen sieht man manchmal“, so Drosten. „Dennoch ist es so wie immer in der Medizin: Häufiges ist es häufig und Seltenes ist selten.“

China: Derzeit zwei Tests, bevor ein Patient als geheilt gilt
Bisher werden in China Patienten als geheilt entlassen, wenn zwei mindestens 24 Stunden auseinanderliegende Tests negativ ausgefallen sind und sie keine Krankheitssymptome zeigen. In China schlagen nun Ärzte aufgrund ihrer Erkenntnisse mindestens drei Tests vor, bevor ein Patient als geheilt eingestuft wird.

Herdenimmunität könnte Wiederausbreitung verhindern
Die noch nicht restlos geklärte Frage, ob ein genesener Covid-19-Patient weiterhin infektiöses Virus in sich tragen könnte und damit weiterhin ein Ansteckungsrisiko darstellen würde, ist von globaler Bedeutung. Viele Länder setzen darauf, dass Menschen nach einer Infektion zumindest eine zeitweilige Immunität gegen das neuartige Coronavirus entwickeln.

Wenn mit der Zeit ein genügend großer Bevölkerungsteil immun gegen die Krankheit wäre, würde man von einer sogenannten Herdenimmunität sprechen, die ein Wiederaufleben der Pandemie verhindern könnte.

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