„Meer der Wiener“

Herr Doskozil, der See gehört nicht Ihnen!

Wien
17.04.2020 08:47

Vielleicht hat Hans Peter Doskozil (SPÖ) die Bezeichnung Landeskaiser ja zu wörtlich genommen, Wiens Nachbar-Monarchie hat jedenfalls neue Regeln: Nur Personen, die ihren Wohnsitz im Umkreis von 15 Kilometern rund um den Neusiedler See haben, werden zum Erholungsgebiet vorgelassen. Lediglich Wiener, die in der Sperrzone über einen Zweitwohnsitz verfügen, dürfen gnadenhalber zufahren. Für alle anderen heißt es: Ihr seid in Corona-Zeiten unerwünscht. Das „Meer der Wiener“ ist für uns versiegt - obwohl es nicht in Doskozils Besitz ist. Zum Glück haben wir ein entspannteres Verhältnis zu den Burgenländern.

Hier Fakten für Kaiser Doskozil:

  • Die Nachbarn vertrauen Wien vor allem in Sachen Gesundheit. Die aktuellsten Zahlen stammen von 2018: In diesem Jahr gab es 11.304 Aufenthalte von Burgenländern in Wiens Spitälern. Zur Erinnerung: Eisenstadt hat rund 14.000 Einwohner. Jedes Jahr behandelt Wien also umgerechnet fast die Hauptstadt des Burgenlandes.
Laut Verordnung von Hans Peter Doskozil dürfen die Bäder nur von Besitzern der Seehütten, von Fischern und zur regionalen Naherholung betreten werden. (Bild: APA/ROBERT JAEGER)
Laut Verordnung von Hans Peter Doskozil dürfen die Bäder nur von Besitzern der Seehütten, von Fischern und zur regionalen Naherholung betreten werden.
  • Die Wiener, die jetzt nicht mehr zum Neusiedler See dürfen, sind auch gute Arbeitgeber bzw. die Stadt ein bevorzugter Wirtschaftsstandort: Vor der Krise pendelten 25.000 Burgenländer in die Bundeshauptstadt. Und das Tag für Tag.
  • Wien soll sogar so schön sein, dass in Normalzeiten die Burgenländer liebend gerne bei uns urlauben, um die Stadt zu besichtigen. Im Vorjahr kam es zu 101.000 Ankünften und 185.000 Nächtigungen. Wiener fahren auch liebend gerne ins Burgenland - und lassen dort viel Geld liegen.
Die FPÖ befürchtet aufgrund der Zugangsbeschränkungen für den Neusiedler See negative Auswirkungen auf den Tourismus nach der Corona-Krise. (Bild: APA/ROBERT JAEGER)
Die FPÖ befürchtet aufgrund der Zugangsbeschränkungen für den Neusiedler See negative Auswirkungen auf den Tourismus nach der Corona-Krise.

Wir dürfen nicht hinein: Das sagt die Politik
Und wie reagiert Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ)? Ist er so wütend wie bei der Sperre der Bundesgärten durch Türkis-Grün? Schwierig, wo Doskozil doch Parteikollege ist. Der Stadtchef lobt die „freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Hans Peter Doskozil“ und ihm selbst - und: „Ich vertraue auch darauf, dass die Behörden im Burgenland, so wie auch in Wien, die angemessenen und richtigen Maßnahmen setzen, wenn diese notwendig sind.“

Christoph Wiederkehr von den Wiener NEOS: „Die SPÖ fährt einen Zickzackkurs!“ Die FPÖ fordert die Öffnung. Und die ÖVP schweigt bundesgärtenbedingt.

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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