03.04.2020 18:54 |

Mangelware

Weltweiter Wettlauf um Schutzmasken spitzt sich zu

Die USA sollen für Frankreich bestimmte Schutzmasken aus China weggekauft haben, ähnliche Vorwürfe gibt es von der Slowakei gegen Deutschland. Immer mehr Länder beklagen unfaire Vorgangsweisen und zunehmende Rivalität in der Corona-Krise.

Das Dementi aus Washington kam schnell: „Die US-Regierung hat keine einzige Maske gekauft, die von China an Frankreich geliefert werden sollte“, sagte ein US-Regierungsvertreter. Drei französische Regionen - darunter die der Pariser Hauptstadt und die Region Grand Est an der Grenze zu Deutschland - werfen den USA vor, ihnen dringend benötigte Schutzmasken aus China vor der Nase weggekauft zu haben.

Auch Kanada erhebt Vorwürfe gegen USA
Frankreichs Premierminister Edouard Philippe sprach von ausbleibenden Lieferungen und einer „beträchtlichen Nachfrage der Vereinigten Staaten in China“. Aus Kanada gibt es ähnliche Vorwürfe gegen die USA. Regierungschef Justin Trudeau nannte sie „besorgniserregend“ und kündigte eine Überprüfung an.

Koffer voll Bargeld aus der Slowakei
Fast schon filmreife Methoden kommen in der Slowakei ans Tageslicht: Ein Regierungsflieger sollte Mitte März einige Millionen Schutzmasken aus der Ukraine abholen. Dafür sei ein Aktenkoffer voller Bargeld in Höhe von 1,2 Millionen Euro vorbereitet worden. „Aber ein deutscher Zwischenhändler ist uns zuvorgekommen, hat uns überboten und gekauft“, erklärte Peter Pellegrini, bis vor zwei Wochen noch slowakischer Ministerpräsident.

Spende aus China in Tschechien beschlagnahmt
Erst vergangene Woche stellte sich heraus, dass Tschechien 680.000 Atemschutzmasken und Beatmungsgeräte in einem Lagerhaus nördlich von Prag beschlagnahmte. Darunter war auch eine Spende aus China, die für das besonders betroffene Italien bestimmt war. Die Aktion sorgte in Italien für Empörung. Als Entschädigung schickte Tschechien nach eigenen Angaben 110.000 Masken nach Italien - rund 10.000 mehr, als eigentlich von China vorgesehen gewesen seien.

Erbarmungslosen Wettlauf um Schutzausrüstung
Nach Angaben von Christopher Yukins, Experte für öffentliches Beschaffungswesen an der Universität Washington, „brechen die Beschaffungsmärkte durch Covid-19 gerade zusammen“. Die normalen Regeln des transparenten Wettbewerbs seien ausgesetzt. Der Forscher Jean-Sylvestre Mongrenier vom Pariser Institut Thomas More betont, auch verbündete Länder befänden sich jetzt in einer Situation der „Rivalität“. Ob immer staatliche Akteure hinter Aufkäufen stehen oder private ist dabei ungewiss, wie andere Experten betonen.

Schutzmaskenpflicht in Supermärkten ab Montag
Bereits seit Mittwoch werden in vielen Supermärkten in Österreich Mund-Nasen-Schutzmasken verteilt. Ab Montag ist das Tragen dieser dann auch verpflichtend. Um den enormen Bedarf an Masken zu decken, sind bereits Anfang der Woche Dutzende Tonnen Schutzausrüstung - Masken, Handschuhe und Schutzanzüge - von China nach Österreich geliefert worden.

Stephan Brodicky
Stephan Brodicky
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Donnerstag, 04. Juni 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.