30.03.2020 06:00 |

Maßnahmen verschärft

6500 Tote in Spanien: „Das Ärgste kommt erst“

Spanien ist nach Italien weltweit das Land mit den meisten Corona-Toten. Das wahre Ausmaß wird sich aber erst in ein paar Wochen zeigen. Zur Bekämpfung des Virus verschärft die linke Regierung nun das Ausgangsverbot. Ab Montag gehe die viertgrößte Volkswirtschaft der Eurozone in den „Winterschlaf“, wie eine Sprecherin verriet. Eine solche Aktion sei auf der Welt „einzigartig“.

Mit 838 Todesopfern durch das Coronavirus binnen 24 Stunden meldete Spanien am Sonntag einen neuen traurigen Rekord. „Das Ärgste kommt erst“, sagen Experten. Sie bezweifeln auch die offizielle Zahl von insgesamt 6528 Toten: In einigen Landesteilen sterben doppelt so viele Menschen wie sonst. Die Zahl der von den Behörden als Covid-19-Tote registrierten Fälle reicht an diese Differenz nicht heran. Man vermutet, dass Tote in Altersheimen nicht in die Corona-Statistik einfließen, weil sie vor ihrem Ableben gar nicht getestet wurden.

Krise hat das Leben in Spanien verändert
Die Krise hat das Leben im Land komplett verändert. Im Fernsehen laufen fast nur noch Werbefilme, die darauf hinweisen, dass man bitte zu Hause bleiben möge. Fast jede Familie kennt jemanden, der am Virus erkrankt ist. In größeren Städten werden Feldlazarette und mobile Krankenhäuser aufgebaut, eine Zeitung bietet Rabatt auf Todesanzeigen an.

Nur noch wichtigste Unternehmen offen
Der sozialdemokratische Ministerpräsident Pedro Sanchez schlug dem Ministerrat daher die Verschärfung der Ausgangssperre vor. Ab Montag und bis zum 9. April müssen alle Arbeitnehmer, die in nicht wesentlichen Sektoren tätig sind, zu Hause bleiben. Das Gehalt soll den Betroffenen zwar weitergezahlt werden, die nicht geleisteten Stunden sollen diese aber später nachholen. Bisher durften alle Bürger, die nicht Home-Office machen konnten, zum Arbeitsplatz fahren.

Vom auferzwungenen „Winterschlaf“ sind vor allem Firmen der Industrie und des Baugewerbes betroffen. Die Verschärfung der Ausgehverbots wurde von einigen Unternehmern und Politikern kritisiert. Arbeitsministerin Yolanda Diaz betonte aber, man habe das Allgemeinwohl im Blick und werde sich nicht unter Druck setzen lassen.

Seit 15. März Alarmzustand
Seit dem Inkrafttreten des Alarmzustandes in Spanien am 15. März durften Angestellte und Selbstständige trotz Ausgangsbeschränkungen weiter in ihre Büros gehen. Jedoch war die Bevölkerung aufgefordert, so viel wie möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Jetzt schickt Sanchez die meisten Arbeitnehmer komplett in eine Art „Zwangsurlaub“. Die Bevölkerung darf bereits seit zwei Wochen nur noch in Ausnahmefällen aus dem Haus, so etwa zum Einkaufen und nur alleine. Spazierengehen oder Sport im Freien sind in Spanien derzeit nicht erlaubt.

„Virus trifft uns mit erbarmungsloser Gewalt“
„In Spanien stehen wir vor den schwersten Stunden, das Virus trifft uns mit erbarmungsloser Gewalt“, betonte Sanchez. Zuvor war bekannt geworden, dass allein seit Freitag 832 Covid-19-Patienten gestorben waren - das war der bisher höchste Anstieg überhaupt.

Auch in Großbritannien hat der selbst an Covid-19 erkrankte Boris Johnson seine Landsleute auf schwere Zeiten eingestimmt. „Wir wissen, dass die Lage sich verschlechtert, bevor sie besser wird“, schrieb der Premierminister in einem emotionalen Brief an 30 Millionen Haushalte. Noch Anfang März hatte er geprahlt, er habe Covid-19-Patienten die Hände geschüttelt.

Trotz der sich zuspitzenden Coronavirus-Krise in den USA verzichtet Präsident Donald Trump vorerst auf weitreichende Quarantäne-Maßnahmen in Hotspots wie der Millionenmetropole New York. Der Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten rechnet mit Millionen von Corona-Infizierten in den USA. Ausgehend von der aktuellen Lage bestehe die Möglichkeit, dass 100.000 bis 200.000 Menschen in Folge der Pandemie sterben, sagte Anthony Fauci am Sonntag.

Kronen Zeitung/krone.at

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