03.03.2020 13:15 |

Extra angereist

Freitagsphantom trieb als Serientäter sein Unwesen

Großer Erfolg für die Wiener Polizei im Kampf gegen Einbrecher: Immer freitags brach ein 33-jähriger Slowake, der extra für seine Taten mit dem Zug aus seiner Heimat anreiste, Wohnungen im Bezirk Favoriten auf. 24-mal schlug er mit dieser Masche zu, bevor ihm das Handwerk gelegt wurde. Mit den auf diesem Wege erbeuteten 24.000 Euro finanzierte er sich Nachtleben und Drogensucht.

Offenbar lebte der Slowake gerne auf großem Fuß, besonders an den Wochenenden warf er sein Geld in Nachtclubs aus dem Fenster hinaus. Privat lebte er jedoch immer noch bei seiner Mutter in einem kleinen Dorf an der Grenze zu Ungarn. Jeweils am Freitag machte er sich von dort aus auf den Weg nach Wien - für die Zugfahrten bezahlte er selbstverständlich nichts. Am Hauptbahnhof angekommen kundschaftete er die Umgebung aus, immer auf der Suche nach älteren Zinshäusern, wo er doppelflügelige Wohnungstüren leicht mit eigener Körperkraft aufhebeln konnte.

Keine Gewaltanwendung
Dabei war es ihm auch egal, ob er an seinen Tatorten auf Anrainer traf. Gewalttätig wurde er dabei nie, stattdessen machte er sich sofort aus dem Staub. In zumindest sechs Fällen kam es zu einem Kontakt mit den Opfern, die der Polizei dann auch die ersten Ermittlungsansätze lieferten.

Fingerabdruck führte zu Täter
Seit November vergangenen Jahres war der 33-Jährige auf Diebstour, auffällig wurde er jedoch erst Mitte Jänner. Denn am 17. Jänner räumte er gleich sieben Wohnungen rund um den Reumannplatz aus, womit er die Aufmerksamkeit der Exekutive auf sich zog. Das LKA Wien ermittelte gemeinsam mit der Einsatzgruppe zur Bekämpfung von Straßenkriminalität (EGS) auf Hochtouren, bis am 20. Februar ein Treffer gelang. An einem der Tatorte hatte der Einbrecher einen Fingerabdruck hinterlassen. Bei der Polizei ist der Slowake kein unbeschriebenes Blatt, seine Fingerabdrücke befanden sich bereits in allen Datenbanken. Grund dafür ist eine länger zurückliegende Einbruchsserie, für die er schon eine mehrjährige Haftstrafe in der Justizanstalt Stein.

Zitat Icon

Der Verdächtige reiste für seine Einbrüche immer freitags aus der Slowakei nach Wien. 24 Fakten im Bezirk Favoriten werden dem Mann nach unseren Ermittlungen angelastet.

Oberst Gerhard Winkler, Chef vom LKA-Süd

Observation, dann Zugriff
Doch seine Gier war noch lange nicht gestillt, alleine seit November finanzierte er sich mit dem Ausräumen von 24 Wohnungen und den damit erbeuteten 24.000 Euro vor allem Drogen. Nach einem Coup am 21. Februar war allerdings Schluss: Die Polizei überwachte den Hauptbahnhof, observierte den Mann auf seinem Weg zu einem Wohnhaus in der Columbusgasse. Im Glauben, unbeobachtet zu sein, raffte er in einer Wohnung mit Uhren, Schmuck und Bargeld alles an sich, was in seinen Rucksack passte. Mit dem Ziel, die Wertgegenstände in der Slowakei wieder zu verkaufen und sich Crystal Meth fürs Wochenende zu besorgen.

Doch dazu sollte es an jenem Tag nicht mehr kommen. Während er sich im Keller umzog, weil ihn jemand beim Einbruch gesehen hatte und er nicht erkannt werden wollte, klickten die Handschellen. Aktuell sitzt der Berufsverbrecher in U-Haft, zeigt sich zumindest teilweise geständig. An einige Details und die Anzahl seiner Tatorte musste er jedoch erst von den Beamten erinnert werden ...

Stefan Steinkogler und Anna Brandis, Kronen Zeitung

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