„Bist du GAK oder Sturm?“ Diese Frage spaltet seit über 100 Jahren die Menschen der Murmetropole und nun auch die Besucher des Schauspielhaus Graz: Als Teil der Bürger*innenbühne, bei der vor allem Laien auf der Bühne stehen, inszeniert Ed. Hauswirth (Theater im Bahnhof) ein theatralisches Derby der Stadtrivalen. Zu sehen ist das Stück insgesamt noch sechsmal.
Eigentlich hätte es eine schöne Feier werden können: Vati wird 60 und der gesamte Familienclan tritt an, um ihn hochleben zu lassen: Fan-Gesänge und Dauerkarten für das Stadion: Die Verwandtschaft weiß, was dem Sturm-Fan Freude macht.
Doch in der tiefschwarzen Familie steckt seit einigen Jahren ein tiefroter Fremdkörper: die Schwiegertochter ist GAK-Fan, genauso wie der Wirt, bei dem gefeiert wird. Einige Sticheleien und schon kippt die Stimmung und der Friede wird von König Fußball vergiftet.
Fans als Darsteller auf der Bühne
Regie-Trainer Ed. Hauswirth lässt sein vor allem aus Laiendarstellern bestehendes Team (Andreas und Ulrike Kügerl, Petra Aicher-Pichler, Ed Pöltl, Paul Zeyringer, Lucas Hermann, Laetitia Zollneritsch, Simon Kunath, Fabio Hohensinner und Johanna Schwaiger) zum Tiki-Taka der Fankultur auflaufen: Die Männlichkeit der Stadionkultur und legendäre Eskalationen im Fanverhalten sind ebenso Teil des Abends wie Hänseleien der „geliebten Feinde“ und die derzeit über Graz schwebende Stadion-Frage.
Per Video-Einspielungen (Stefan Schmid) kommen auch Vertreter von Fangruppierungen zu Wort: Der Kanon aus Liebe und Stolz für den eignen Verein und Verschmähungen für den Rivalen steigert sich dabei mitunter zur Kakofonie der blinden Vereinstreue mit religiösen Zügen.
Das Schauspiel der Rivalität
Das mitunter grotesk anmutende Schauspiel dieser Rivalität scheinen nur zwei zu durchschauen: Vatis unlängst verstorbene Frau, die von der Seitenlinie des Todes relativierende Gedanken einwirft. Und Schauspielerin Julia Franz Richter, die in der Rolle der Kellnerin für ironische Prellbälle auf der Meta-Ebene sorgt, ehe sie als Schiedsrichterin selbst Opfer der Fankultur wird.
Vereins-Legenden als Gäste
Ausstatter Georg Klüver-Pfandtner hat eine wunderbare Multifunktionstribüne für dieses emotionale Tiki-Taka gebaut, auf der im Laufe des Abends auch Legenden der beiden Vereine auftauchen: GAK-Wirt Gerhard Schmieder und der ehemalige Sturm-Spieler Klaus Salmutter sind am Premierenabend mit dabei - letzterer hat nach der Profi-Karriere die Kunst entdeckt und bannt die rot-schwarze Rivalität auf Leinwand.
Und zum Finale darf man etwas erleben, das es in Graz seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat: ein Derby, das den Zuschauerraum zum Stadion verwandelt.
Souveräner Heimsieg
Hauswirth versucht, einen theatralischen Hattrick zu landen: Einerseits sollen die Fans beider Teams mit ausreichend Material versorgt werden, andererseits soll das Fantum an sich durchleuchtet werden. Und dann soll all das auch noch ein sinnliches Bühnenerlebnis werden.
Das Resultat ist ein souveräner Heimsieg - auch wenn so mancher Fan (von Sturm wie von GAK) nach dem Abpfiff zum geistigen Cheftrainer mutiert, der genau weiß, welche Spielzüge man anders gestalten und welche taktischen Feinheit man umstellen hätte können. Na dann: Rauf auf die Bühne und ran an den Ball!
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