08.02.2020 06:00 |

Keine Promille-Grenze

Pistenrausch: Abfahrtsschuss im Schnapsgenuss

Auf da Alm, da gibt’s a Sünd: Noch gilt keine Promille-Grenze beim Skifahren. Der Pistenrausch ist aber gefährlich: Wann folgt der alpine Alko-Test?

Die große Gefahr von betrunkenen Skifahrern ließ in Salzburg die Wogen hochgehen: Im Pongau warf ein Geschäftsführer der Großarler Bergbahnen deswegen sogar das Handtuch: „Ich kann die Verantwortung nicht mehr länger tragen“, sagt Siegfried Plöbst. Aus dem gleichen Grund hat auch der Großarler Mediziner Ernst Toferer seine Funktion als Sprengel- und Bergrettungsarzt an den Nagel gehängt.

„Immer mehr Skigäste bleiben bis spät in die Nacht“
„Immer mehr Skigäste bleiben bis spät in die Nacht und feiern auf den Hütten. Betrunken fahren sie dann die Pisten hinunter und gefährden damit nicht nur ihr eigenes Leben“, weiß Josef Gruber, kaufmännischer Leiter der Großarler Bergbahnen. Schwere Unfälle oder Todesfälle habe man oft nur in allerletzter Sekunde verhindern können.

„Wir machen jetzt schon früher Schluss“
Auslöser für die Rücktritte war der 26. Dezember: „An diesem Abend wurde ein Betrunkener fast von einer Pistenraupe überfahren. Es hätten nur wenige Zentimeter gefehlt“, so Gruber. Auch er selbst müsse seine Situation als Geschäftsführer neu bewerten. In den Skihütten im Großarltal fließt bis 20 Uhr der Alkohol. Am Wochenende haben die Wirte bis 21 Uhr geöffnet. „Wir machen jetzt schon früher Schluss. Außer bei Veranstaltungen, da haben wir eine Pistenraupe, die alle betrunkenen Gäste ins Tal bringt. Ich kann aber auch nicht die Verantwortung für jeden Einzelnen der Gäste übernehmen“, betont Hüttenwirt Alois Laireiter Junior.

Ein Alkoholverbot auf den Skihütten würde zu erheblichen Umsatzeinbußen führen. Die Bergbahnen fordern jetzt von der Kommunalpolitik strengere Pistensperren nach Betriebsschluss sowie effektive Kontrollen. „Wir sind dabei, die Sperren anzupassen. Gespräche dazu laufen“, so Bürgermeister Johann Rohrmoser. Vielleicht kommt auch bald der Alko-Test für Skifahrer.

Hans Wolfgruber von der Landespolizeidirektion Salzburg relativiert im Interview mit der „Krone“: Bei nur zwei Prozent aller Pistenunfälle sei Alkohol im Spiel.

„Krone“: Herr Wolfgruber, wie geht die Polizei mit alkoholisierten Skifahrern auf der Piste um?
Hans Wolfgruber: Für uns spielt dieses Thema eine geringere Rolle, als man glaubt. Von 400 bis 500 Skiunfällen pro Jahr im Land finden etwa zwei Prozent unter Alkoholeinfluss statt.

Finden Alkoholkontrollen auf Skipisten statt?
Nur zu einem sehr geringen Teil. Eher versuchen wir präventiv über die sozialen Medien oder im Zusammenhang mit Kontrollen zu Ski-Diebstählen davor zu warnen, betrunken Ski zu fahren.

Die Polizei ist also nur zu einem geringen Teil mit betrunkenen Skifahrern konfrontiert?
Ja, wir sind hier nur ein sehr kleiner Player. Die Bergrettung ist da mehr gefordert.

Balthasar Laireiter, Salzburgs Bergrettungschef, sieht die Lage der Alko-Skifahrer im Gegensatz zu früheren Jahren sogar verbessert.

Krone“: Herr Laireiter, zu wie vielen Einsätzen mit alkoholisierten Skifahrern muss die Salzburger Bergrettung ausrücken?
Balthasar Laireiter: Solche Einsätze gibt es natürlich. Gerade vor drei Tagen mussten wir bei einem derartigen Fall ausrücken. Vor einigen Jahren war das aber noch wesentlich schlimmer.

Was hat sich im Gegensatz zu damals verändert?
Ein großer Schritt war, dass die Gemeinden Pistensperren für die Zeit der Präparierungen in der Nacht erlassen haben. Dadurch ist die Situation viel besser geworden.

Aber nicht alle halten sich auch an die Sperren.
Natürlich gibt es immer Ausnahmen. Aber es sind wenige verglichen mit der hohen Anzahl an Gästen, vor allem in den großen Skigebieten.

Auch Gewalt in Skigebieten
Neben dem Alkohol gibt es immer öfter erhitzte Gemüter. In Rambo-Manier ging Anfang Jänner abends ein Tourengeherauf einen Ratracfahrer auf einer gesperrten Piste am Rangger Köpfl nahe Innsbruck los. Der Bahnmitarbeiter wollte eine Gruppe von Tourengehern auf die Gefahr durch die Seilwinden der Pistenraupen aufmerksam machen.

Der Tourengeher attackierte den Mann daraufhin mit den Skistöcken und würgte ihn, erst später gab es eine Entschuldigung. Unabhängig davon sorgt der Alkohol auf den Pisten regelmäßig auch für erhitzte Gemüter bei den Feiernden in den Après-Ski-Hütten und in den Nachtlokalen der österreichischen Skihochburgen.

Stephanie Angerer, Peter Freiberger, Nikolaus Pichler und Felix Roittner, Kronen Zeitung

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