23.01.2020 06:07 |

Amt mehrmals geräumt

Polit-Morddrohung in Arnoldstein: Ein Jahr Haft

„Einen gefährlichen Bombendroher stellt man sich anders vor“, sagt Verteidiger Hans Gradischnig: ein gemütlich aussehender Mann, 58, einst Postler, nun Frühpensionist, schlurft in den Verhandlungssaal. Niemand versteht, warum er die Gemeinde Arnoldstein vergangenen Sommer mit Bombendrohungen terrorisiert hat.

Am wenigsten scheint er selbst es zu verstehen. „Ich bin ja gar nicht so“, beteuert er. „Nie hatte ich Probleme mit Behörden. Auch bei der Post war ich sehr zuverlässig.“ Dennoch gibt der 58-Jährige, der übrigens NICHT in Arnoldstein lebt, zu, dass er der lange gesuchte Bombendroher ist. Den letzten Sommer über hatte er – „im Rausch“ – sieben Briefe mit brisantem Inhalt auf seiner alten Schreibmaschine getippt und an den Bürgermeister sowie weitere Politiker adressiert. „Er drohte mit Bomben, sofern die Politiker nicht zurücktreten“, fasst Staatsanwältin Sandra Agnoli zusammen. „In weiteren Schreiben kündigte er dann einen Mord auf offener Straße an. Unterzeichnet wurden die Drohbriefe mit Al-Kaida oder IS Kommando.“

Allerdings verwendete der Droher auch Namen von Bekannten. Ein weiteres Teilchen, das dem Verfassungsschutz bei der Klärung des Krimis half. „Auch der Briefkasten wurde überwacht und Schreibmaschinen wurden überprüft.“ „Viermal musste das Gemeindeamt wegen der Drohungen geräumt werden“, berichtet Anwalt Alexander Jelly. Dafür fordert man 6114,69 Euro Schadenersatz. „Das zahle ich natürlich“, meint der Angeklagte. „Es tut mir alles sehr leid.“

„So leicht mag ich Sie nicht davon kommen lassen“, insistiert Richter Uwe Dumpelnik. „Sie sind unbescholten, waren immer unauffällig – wieso haben Sie Arnoldstein terrorisiert? Sie leben ja nicht einmal dort.“ Die Antwort überzeugt nicht: „Es war ein parteipolitisches Motiv. Ich habe immer VP gewählt und ärgere mich über den Postenschacher in einer SP-Gemeinde.“ Konkrete Beispiele könne er aber nicht nennen. Dumpelnik wird dagegen konkret: „Der Staat und seine Mitarbeiter dürfen sich nicht terrorisieren und sogar einschüchtern lassen. Wir müssen uns wehren – mit empfindlichen Strafen.“

Daher setzt es auch ein Jahr unbedingte Haft. Verteidiger Gradischnig ist erleichtert: „Wir nehmen an.“

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Samstag, 19. September 2020
Wetter Symbol
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.