11.01.2020 13:36 |

Brandrede in Oberwart

Kickl wäre ein „Dampfhammer lieber als Nehammer“

Die FPÖ ist am Samstagvormittag im Burgenland unter dem Motto „Gemeinsam in die Zukunft“ zu ihrem traditionellen Neujahrstreffen zusammengekommen. Rund 1300 Teilnehmer haben sich im Messezentrum von Oberwart versammelt, unter ihnen die Spitzen der Partei. Bei dem Treffen, das auch dazu dienen sollte, dem burgenländischen FPÖ-Landesparteiobmann Johann Tschürtz für die bevorstehende Landtagswahl am 26. Jänner den Rücken zu stärken, wurde aber auch lautstark Kritik an der türkis-grünen Koalition geübt. In einer Brandrede meinte etwa Klubobmann Herbert Kickl in Richtung seines Nachfolgers als Innenminister: „Dort braucht es keinen Nehammer, sondern einen Dampfhammer, der dafür sorgt, dass sich dieses Ministerium den Namen Heimatschutz verdient.“

Kickl hatte auch Lob für Tschürtz parat und prognostizierte ihm und seinem Team: „Ihr werdet in diesem Wahlkampf sehr gut abschneiden.“ Die freiheitliche Familie sei geschlossen und motiviert, halte zusammen und lasse sich nicht aus dem Konzept bringen. „Wir lernen aus den Fehlern der Vergangenheit und werden in harter Arbeit die Interessen der österreichischen Bevölkerung in den Vordergrund stellen. 2020 wird besser sein als die zweite Hälfte 2019", so Kickl.

„Arroganz und Selbstgefälligkeit in einer neuen Dimension“ bei der ÖVP
Bei der ÖVP ortete Kickl hingegen „Arroganz und Selbstgefälligkeit in einer neuen Dimension“. Dies sei auch kein Wunder angesichts der Machtfülle, die sie sich in den Koalitionsverhandlungen gekrallt habe. Der Sicherheitsapparat in Österreich sei nun ein Familienbetrieb der ÖVP Niederösterreich. Diese Machtfülle habe der Bundespräsident ermöglicht, er sei „der Geburtshelfer dieser Machtfülle“.

„Grüne Naive statt Grüne Alternative“
Die Grünen wiederum hätten noch nicht gemerkt, wie sehr sie gerupft worden seien. „Statt Grüne Alternative sollten sie sich in Grüne Naive umbenennen“, meinte Kickl. Allerdings habe ihnen die ÖVP einige Bereiche gelassen, die gesellschaftspolitisch hoch gefährlich seien, wie etwa bei der Meinungsfreiheit oder CO2-Steuer. Hier sei „größte Vorsicht angebracht“, warnte der freiheitliche Klubobmann. Der einzige Kitt dieser Koalition sei Versuch, die FPÖ von einer Regierungsbeteiligung abzuhalten. Sie sei ein Verhinderungs- und kein Gestaltungsprojekt. Die FPÖ müsse die Bevölkerung vor diesen Grauslichkeiten und Gemeingefährlichkeiten schützen. „Wir sind der rot-weiß-rote Stachel im Fleisch der schwarz-grünen Greta-Koalition“, betonte Kickl einmal mehr.

Hofer: „In keinem anderen EU-Land werden so viele Frauen ermordet“
Nach Kickl hielt auch Bundesparteiobmann Norbert Hofer eine Rede und gab sich vor seinen Parteifreunden ebenfalls angriffslustig: „Brauchen wir einen Aktionsplan zum Schutz für Frauen in Österreich? In keinem anderen Land in der EU werden so viele Frauen ermordet wie in Österreich. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren massiv verschärft. Sind plötzlich die Österreich so viel gewalttätiger geworden? Oder ist etwas Anderes schuld?“, wetterte Hofer. Und: „Schauen Sie sich die Gefängnisse an: 50 Prozent der Häftlinge haben keine österreichische Staatsbürgerschaft.“

Begeisterte Gäste schwangen rot-weiß-rote Fähnchen
Bereits gegen zehn Uhr waren die Bänke in der Halle 1 im Messezentrum Oberwart gut besetzt gewesen. Die Stadtkapelle begrüßte die Besucher mit Marschmusik wie „O du mein Österreich“. Dann übernahm die „John Otti Band“, und zu den Klängen von „Hulapalu“ und dem Radetzkymarsch erhoben sich die Gäste von den Sitzen und schwangen die auf den Tischen bereitgelegten rot-weiß-roten Fähnchen.

Burgenlands Dritte Landtagspräsidentin Ilse Benkö wies gleich zu Beginn auf die bevorstehende Landtagswahl hin. Viele hätten es nicht für möglich gehalten, dass die FPÖ im Burgenland eine Koalition mit den Sozialdemokraten überleben werde: „Es ist uns gelungen“, stellte Benkö fest. Benkö begrüßte neben Hofer, Kickl, den bisherigen Generalsekretären Harald Vilimsky und Christian Hafenecker und ihrem designierten Nachfolger Michael Schnedlitz auch die FPÖ-Landesparteichefs aus den Bundesländern mit ihren Delegationen.

Lautstarker Empfang für Tschürtz, Kickl und Hofer
Der burgenländischen „Hausherren“ Tschürtz und und Hofer wurden ebenso mit lautstarkem Klatschen begrüßt wie Kickl. Die Band intonierte „Wir sind eine große Familie“, und zum für den wahlkämpfenden Tschürtz angestimmten Song „Du schaffst das schon“ wagten bereits einige Besucher vor der Bühne ein Tänzchen. Andere nutzten die Gelegenheit für ein Selfie mit Politikern oder einem FPÖ-Bären, der in der Halle seine Runden drehte.

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