08.12.2019 06:10 |

Gewalt, Sexualdelikte

Brennpunktschulen: Wien darf nicht Berlin werden

Schlägereien, sexuelle Belästigung, Mobbing, eine Schülerin, die Adolf Hitler lobt, ein Lehrer, der ein Mädchen im Klo eingesperrt haben soll: Die Ernst-Reuter-Schule in Berlin ist Weddings Problemschule Nummer 1. Wien will mit einem neuen Programm solche Zustände verhindern. Ein „Krone“-Lokalaugenschein.

Es ist keine Schule, in die man gerne geht: Graffiti-Schmierereien auf der bröckelnden Fassade. Trostlose Gänge in einem Grün, das an diesem Ort für viele längst keine Farbe der Hoffnung mehr ist. Jalousien hängen lose von den Fenstern wie nach einem Bombenangriff. Der Schulleiter Andreas Huth, viele Lehrer und Sozialarbeiter sind bemüht, aber bloß die Masseverwalter eines Berliner Instituts, das nicht zu kontrollieren ist. „Wir haben 90 Prozent Schüler mit nicht deutscher Herkunftssprache, mehr als 80 Prozent sind lernmittelbefreit. Sie kommen also aus Familien, die von staatlichen Transferleistungen leben“, so Direktor Huth. 950 Schüler, 60 verschiedene Nationen, Eltern, die sich für nichts interessieren.

Milliardenschulden und richtige Gettos
Mit dem neuen Projekt „Turnaround“ glaubt Berlin, eine Trendumkehr zu schaffen. Mit 1,9 Millionen Euro will die deutsche Hauptstadt die Ressourcen von zehn Brennpunktschulen verbessern und mit maßgeschneiderten Paketen die Lehrinstitute aus dem Tief holen. Auch der Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) schaute sich die Berliner Schule an: „So etwas gibt es bei uns nicht. Einige der Herausforderungen sind aber vergleichbar.“ Auch Wien verfügt über Einrichtungen mit ähnlichem Ausländeranteil, 57 Prozent unserer Volksschulen haben einen besonders herausfordernden sozialen Background, wie es diplomatisch heißt.

Von Berliner Verhältnissen sei Wien dennoch weit entfernt, so Czernohorszky: „Wien ist nicht in einer solchen ressourcenknappen Situation.“ Die deutsche Metropole hat nämlich fast 60 Milliarden Euro Schulden. Und richtige Gettos, die es in Österreich nicht gibt.

Brennpunktschulen-Projekt in Wien
„Respekt“ heißt ein neues Programm der Stadt Wien, das „Turnaround“ nicht unähnlich ist. An fünf Brennpunktschulen soll mit einem Budget von 1,2 Millionen Euro auch die personelle Situation verbessert werden: mehr Sozialarbeiter, die Schüler, Lehrer, aber auch Eltern ins Boot holen.

Die Ernst-Reuter-Schule wird nun für 40 Millionen Euro saniert. Für viele Generationen an Schülern kommt das zu spät.

Michael Pommer, Kronen Zeitung/krone.at

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