03.12.2019 09:40 |

PISA-Studie

Kluft zwischen Migranten und Einheimischen bleibt

Die Präsentation der PISA-Studie war für Österreich in den vergangenen Jahren immer eine Zitterpartie. Das ist auch heuer so. Denn das Ergebnis sieht nur auf den ersten Blick positiv aus: Österreich hat sich um einige Plätze verbessert, aber nur, weil der internationale Durchschnitt gesunken ist. Zudem schneiden Schüler mit Migrationshintergrund nach wie vor deutlich schlechter ab als Jugendliche, deren Eltern in Österreich geboren wurden.

Der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund ist in Österreich in den vergangenen Jahren gestiegen, von elf Prozent beim ersten PISA-Test im Jahr 2000 auf mittlerweile 23 Prozent. Bei PISA haben sie über alle Jahre stets weniger Punkte erreicht, der Abstand zu Schülern ohne Migrationshintergrund ist allerdings deutlich kleiner geworden: Im Lesen sank er etwa zwischen 2000 und 2012 von 93 auf 51 Punkte, 2015 gab es wieder einen Anstieg auf 64 Punkte. Dieser Abstand ist diesmal praktisch gleich geblieben (63).

Auf gleicher Stufe mit Deutschland
Mit diesem Abstand von 63 Punkten gehört Österreich zu jenen Ländern mit den größten Leistungsnachteilen zulasten der Migranten. Noch höher ist er in Finnland (92), Schweden (83), Island (74), den Niederlanden (72) und Dänemark (65), gleich groß in Deutschland und Slowenien. Wird der signifikant niedrigere sozioökonomische Status dieser Gruppe herausgerechnet, bleiben noch 37 Punkte Leistungsunterschied. Auch bei dieser Betrachtungsweise gehört Österreich zu jenen Ländern mit den größten Unterschieden.

Leistung hängt vom Bildungsabschluss der Eltern ab
Deutlich ist auch der Unterschied der Schülerleistungen je nach Bildungsabschluss der Eltern: Im heurigen Haupttestgebiet Lesen erreichten Akademikerkinder in Österreich im Schnitt 509 Punkte, Kinder von Eltern mit Matura als höchstem Abschluss 491 Punkte, Kinder von Eltern mit Lehre/Berufsbildender Mittlerer Schule/Meisterprüfung 473 Punkte und Kinder von Eltern mit höchstens Pflichtschulabschluss nur 420 Punkte.

Dieser Abstand von 89 Punkten zwischen höchstem und niedrigstem Abschluss ist etwas niedriger als 2015 - allerdings nicht statistisch signifikant. Zu erklären ist er übrigens mit schlechteren Leistungen der Akademikerkinder bei gleichbleibender Performance der Kinder von Personen mit nur Pflichtschulabschluss.

Mädchen lesen besser, Buben können besser rechnen
Etwas Bewegung hat es bei den Geschlechterunterschieden in Österreich gegeben: Im Lesen stieg der Leistungsvorsprung der Mädchen (499 Punkte) gegenüber den Burschen (471) von 20 Punkten im Jahr 2015 auf nunmehr 28 Punkte an - das ist allerdings statistisch nicht signifikant und liegt in etwa im OECD-Schnitt (30 Punkte). Der OECD gehören die meisten EU-Staaten sowie Industrie- und Schwellenländer wie die USA, Mexiko und Südkorea an.

In der Mathematik fallen die Geschlechtsunterschiede zugunsten der Burschen aus, sind aber geringer als beim Lesen: In Österreich kamen die Burschen (505 Punkte) im Schnitt auf 13 Punkte mehr als ihre Altersgenossinnen (492).

In den Naturwissenschaften haben die Mädchen aufgeholt
In der OECD ist Österreich damit hinter Kolumbien und Italien das Land mit der drittgrößten Geschlechterdifferenz zugunsten der Burschen (OECD-Schnitt: fünf Punkte). Umgekehrt hat sich die Geschlechterkluft zugunsten der Burschen in den Naturwissenschaften seit 2015 fast geschlossen: War Österreich 2015 noch das Land mit den größten Leistungsvorteilen der Burschen (19 Punkten), sind diese nun praktisch verschwunden: Mädchen (489) erreichten 2018 praktisch den gleichen Punktewert wie Burschen (491). Auch OECD-weit liegen die beiden Geschlechter in den Naturwissenschaften gleichauf.

Schüler im Fernen Osten schnitten am besten ab
Insgesamt dominiert wie schon in den vergangenen Jahren der Ferne Osten. Die Rangliste der 79 getesteten Länder bzw. Regionen im Lesen wird von den chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang (555 Punkte) vor Singapur (549) angeführt. Beste europäische Länder sind Estland (523) und Finnland (520). Österreich landet auf Platz 27. Innerhalb der 35 OECD-Staaten wäre dies Rang 22. Insgesamt liegt die Leistung der österreichischen Schüler (484 Punkte) damit in etwa im OECD-Schnitt (487) und ist mit jener ihrer Kollegen in Tschechien, den Niederlanden, der Schweiz, Kroatien, Lettland und Russland vergleichbar.

Fernöstliche Dominanz in der Mathematik noch deutlicher
In den Naturwissenschaften lagen die chinesischen Regionen mit 590 Punkten noch deutlicher vor ihren Kollegen aus Singapur (551). Europa-Spitze waren auch hier Estland (530) und Finnland (522). Österreich landete insgesamt auf Platz 28. Am deutlichsten zeigt sich die fernöstliche Dominanz in der Mathematik: Hier wird die Rangliste ebenfalls von Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang (591 Punkte) angeführt, gefolgt von Singapur (569), Macau (558) Hongkong (551), Taiwan (531), Japan (527) und Südkorea (526). Bestes europäisches Land ist Estland (523) vor den Niederlanden (519) und Polen (516). Österreich kam mit 499 Punkten insgesamt auf Platz 23.

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