04.11.2019 07:28 |

Proteste in Hongkong

Bei Ausschreitungen Ohr von Politiker abgebissen

Bei den anhaltenden Protesten in Hongkong ist es am Wochenende wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten gekommen. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Darüber hinaus kam es erneut zu Gewalt zwischen verschiedenen Protestlagern. Wie Medien berichten, verletzte ein Mann, bei dem es sich offenbar um einen Gegner der Regierungskritiker handelte, mit einem Messer mehrere Menschen. Einem anwesenden Politiker der Demokratie-Bewegung soll er im Kampf schließlich ein Stück vom Ohr abgebissen haben.

Laut Augenzeugen sprach der Angreifer Mandarin - die mehrheitlich in Festland-China gesprochene Sprache - und rief pro-chinesische Parolen, bevor er auf die Menschen losging. Später sei er von der Masse zusammengeschlagen worden, so die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“.

Staatsmacht ging mit Tränengas und Pfefferspray gegen Demonstranten vor
Die Polizei setzte am Samstag Tränengas, Gummigeschosse, Pfefferspray und einen Wasserwerfer ein. Radikale Aktivisten warfen Brandbomben, bauten Straßensperren und attackierten Geschäfte mit vermuteten Beziehungen zu China.

Es war das 22. Wochenende in Folge, an dem in der chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wurde. Die Proteste richten sich gegen die Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung.

Illegale Versammlung in Park von Polizei aufgelöst
Nachdem die Polizei eine ursprünglich im Victoria Park geplante Demonstration nicht genehmigt hatte, versammelten sich dort Kandidaten für die Bezirksratswahl spontan zu Wahlkampfauftritten. Diese müssen nicht eigens genehmigt werden, solange die Gruppen jeweils klein bleiben. Trotzdem löste die Polizei die Versammlungen schon früh mit dem Einsatz von Tränengas auf.

Atmospähre aufgeheizt
Die Atmosphäre in Hongkong ist aufgeheizt, nachdem diese Woche der Anführer der Demokratiebewegung, Joshua Wong, als Kandidat für die Wahl der Bezirksräte disqualifiziert worden war. Ihm wurde unterstellt, mit dem Aufruf zur Selbstbestimmung Hongkongs die Unabhängigkeit zu propagieren. Die kommunistische Führung in Peking kündigte auch an, eine härtere Gangart in Hongkong einzuschlagen.

Chinesische Medien fordern „härtere Linie“
Mehrere chinesische Staatsmedien forderten zudem eine „härtere Linie“. Die Hongkonger Strafverfolgungsbehörden müssten „die Meute so schnell wie möglich zur Rechenschaft ziehen“, schrieb die Staatszeitung „Global Times“ am Montag. Demonstranten hatten am Wochenende ein Büro der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beschädigt, was diese als „barbarischen Akt“ bezeichnete.

Vom Gesetz zu Protesten gegen komplette Regierung
Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit rund fünf Monaten von teils gewaltsamen Protesten erschüttert. Die Demonstrationen in der Finanzmetropole hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China ermöglichen sollte. Mittlerweile fordern die Demonstranten freie Wahlen, eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität sowie Straffreiheit für die bereits weit mehr als 2000 Festgenommenen.

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