15.09.2019 05:55 |

„Vorstadtweib“ im Talk

Hilde Dalik: „Ich will nicht durchleuchtbar sein“

Schauspielerin Hilde Dalik gibt ab Montag wieder das „Vorstadtweib“ Vanessa in der 4. Staffel der ORF-Erfolgsserie. Privat ist sie mit Michael Ostrowski liiert und gerade Mutter einer Tochter geworden - warum sie darüber nicht gerne spricht, erzählt sie im Interview.

„Krone“:Wir sitzen hier im Wiener Türkenschanzpark, einem der Drehorte der „Vorstadtweiber“. Wie sehr hat die Serie Ihr Leben verändert?
Hilde Dalik: Ich würde sagen, jede Rolle verändert einen bzw. macht mit einem etwas, da man einen neuen Charakter kennenlernt und versucht, dessen Eigenschaften in sich selbst zum Leben zu erwecken. Konkret im Fall der Vanessa, die ja in den letzten Staffeln sehr darauf erpicht war, gut dazustehen und andere zu blenden: Solche Eigenschaften in sich selbst zu entdecken finde ich schon spannend.

Wie viel Vanessa steckt mittlerweile in Hilde?
Also im Billig-Supermarkt einkaufen zu gehen und dann die Sackerln vom Gourmetgeschäft drüberzustülpen, um damit anzugeben, solche Sachen mache ich nicht. Das ist mir wirklich nicht wichtig. Mir geht’s nicht darum, nach außen toll zu wirken. Ich glaube aber, dass sich die Leute gerne, wie man so schön sagt, Gschichtln drucken lassen, anstatt nachzuspüren, was dahintersteckt.

Mit der gesteigerten Popularität rückt auch das Private in den Blickpunkt des medialen Interesses. Sie gaben und geben dazu kaum etwas preis.
Das Private versuche ich immer so privat wie möglich zu halten. Das ist unverändert geblieben, weil ich es einfach viel interessanter finde, über meine Arbeit zu reden als über Privates. Ich sage Ihnen ganz ehrlich, mich interessiert es auch selber nicht, wer von wem ein Kind bekommen hat. Das bekomm ich nur nebenbei mit, wenn ich beim Friseur sitze. Aber ich verfolge es nicht aktiv.

Aus Ihrer Beziehung zu Schauspieler Michael Ostrowski haben Sie lange ein Geheimnis gemacht. Warum eigentlich?
In dem Moment, wenn plötzlich das Privatleben eine Wichtigkeit erfährt, habe ich das Gefühl, dass es dann einfach nicht mehr so sehr um die Arbeit geht. Ich möchte wenn dann bekannt sein, weil ich Rollen spiele und nicht, weil ich ein Kind bekommen habe. Es gibt Leute, die das gerne machen und über Social Media ihr Privatleben nach außen stülpen. So durchleuchtbar möchte ich nie sein.

Sie haben aber auch ein Facebook-Profil ...
Ja, da poste ich gerne Sachen, die etwas mit meinem Beruf zu tun haben oder die mich politisch aufregen. Aber nichts oder sagen wir kaum etwas Privates.

Also auch keine Fotos von Ihrer drei Monate alten Tochter?
(lacht) Nein, das wird man nicht sehen.

Sie sind so kurz nach der Geburt schon wieder gertenschlank - Gratulation!
Danke, aber ich arbeite noch dran. Wir drehen ja jetzt bereits die nächste Staffel „Vorstadtweiber“, und die Rolle bringt es mit sich, schlank zu sein. Wenn es eine andere Rolle wäre, die ein paar Kilo mehr verlangen würde, hätte ich auch nichts dagegen. Aber das ist halt der Beruf.

Wie geht es Ihnen mit Ihrem Baby?
Es hat mein Leben komplett verändert. Nicht nur, weil ich zurzeit viel weniger Schlaf habe. Ich kann nur sagen, dass es einfach das Schönste für mich ist.

Viele Menschen denken sicher, dass es berühmte Schauspieler ohnedies leichter haben, mit Kindermädchen, Personal-Fitnesstrainer etc.
(lacht) Nein, das ist nur Klischee. Wir schwelgen nicht im Luxus, und Personal-Trainer hab ich auch keinen.

Und Sie haben ja Ihren Freund, der sicher im Haushalt brav mithilft.
(lacht) Sie wissen doch, dass ich nicht gerne über Privates rede. Es ist aber eine große Herausforderung. Gerade weil in unser beider Schauspielberufe so vieles auch unvorhersehbar und oft kurzfristig ist. Das heißt, man kann wenig planen, es gibt keine Regelmäßigkeit, und man weiß oft nicht, wie es beruflich weitergeht.

Haben Sie sich auch einmal überlegt, einfach nur Mutter zu sein?
Ich habe mir in letzter Zeit kaum über etwas Gedanken gemacht, weil ich so müde war. Ich muss auch sagen, dass ich die Dinge eher auf mich zukommen lasse und keine große Planerin bin.

Gerti Drassl und Martina Ebm sind bei den „Vorstadtweibern“ ausgestiegen. Haben Sie auch einmal überlegt, die Serie zu verlassen?
Nein, mir macht diese Rolle so wahnsinnig Spaß und Freude und finde das so super, dass man an einem Charakter so dranbleiben und ihn auch weiterentwickeln kann. Ich finde es einfach cool, dass ich noch weiterforschen kann, welche Facetten diese Vanessa noch hat.

Cool ist ein gutes Stichwort: Sie wirken auch immer cool und lässig.
Danke, das ist gespielt (lacht), und ich habe auch einen guten Humor.

Ist das ein Tipp, den Sie einmal Ihrer Tochter mitgeben werden?
Vielleicht Folgendes: dass man ruhig gerader seinen Weg gehen soll. Durchaus mit Humor, aber nicht ZU höflich und ZU lieb die ganze Zeit.

Ein geraderer Weg in welcher Hinsicht?
Ich habe z. B. gemeinsam mit meiner Kollegin Susi Stach den Verein Chong gegründet, in dem wir Nachhilfe für Flüchtlinge geben. Ich finde es ärgerlich, wenn super integrierte Lehrlinge abgeschoben werden sollen, wenn sie einen negativen Asylbescheid bekommen. Das ist ja auch für die Lehrherren nicht lustig, die sich beklagen, dass sie keine österreichischen Lehrlinge bekommen. Das ist doch eine verkehrte Welt. Einerseits hat man Angst, dass die Werte verloren gehen, und dann hat man Angst, die Werte an integrationswillige Menschen, die von woanders herkommen, weiterzugeben?

Jetzt lassen Sie doch etwas Privates durchdringen.
Na ja, so privat ist das nicht. Das ist ein Thema, das uns alle angeht. Ich will nicht zu allem meinen Senf abgeben, aber in manchen Situationen, wenn z. B. Menschen um ihr Leben fürchten oder eine Ungerechtigkeit zum Himmel schreit, da sehe ich mich schon dazu verpflichtet, etwas zu sagen und mich dafür einzusetzen. Da muss man aufstehen. Da geht’s ja nicht darum, dass man Flüchtlingen hilft oder ein Gutmensch ist, sondern um ein Gemeinschaftsgefühl. Eben, dass wir alle zusammen gut leben können, und da habe ich schon das Gefühl, dass ich da verpflichtet bin, das zu verteidigen.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, in die Politik zu gehen?
Nein, das nicht. Am liebsten würde ich eh nur meinem Beruf nachgehen, aber oft kann ich einfach nicht anders, wenn ich das Gefühl habe, dass Unrecht passiert.

Wie sieht Ihre Zukunftsplanung aus? Ist bei Ihnen daheim noch Platz für mehrere Gitterbetten?
(lacht) Wie Sie wissen, plane ich ja generell nicht so gerne. Aber jetzt schau ich einmal, wie ich die Kleine so schaukel.

Stefan Weinberger, Kronen Zeitung

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