26.08.2019 06:00 |

Paradies der Maori

Neuseeland: Am anderen Ende der Welt

Haben Sie sich je gefragt, wo Sie herauskommen würden, wenn Sie ein Loch durch die Erde graben? Von Österreich aus landet man mit etwas Glück im Paradies der Maori.

Im echten Leben kamen wir zu zweit in Auckland raus, oder besser gesagt an. „Diese Stadt ist die beste der Welt. Sie hat alles, was Big Citys zu bieten haben“, geben die Einheimischen selbstbewusst von sich. Die einladende Metropole der Nordinsel von Neuseeland, die gerne im selben Atemzug mit Sydney oder San Francisco genannt wird, zeigt unbekümmert ihre schillernden Seiten. Coole Straßencafés, hippe Bars, feine Restaurants und trendige Shopping-Malls säumen den Weg der Besucher auf deren Erkundungstouren. Die Bewohner selbst, in der urbanen Kernzone 435.000 an der Zahl, genießen ihren modernen Lifestyle in vollen Zügen - und das Wasser vor der Haustür. Eine Jacht - egal, ob klein oder groß - zählt in der lebhaften Hafenstadt mehr als ein Zweitwagen. Den ländlichen, teils klein strukturierten Charme hat Auckland dennoch nicht ganz aus den Augen verloren.

Atemberaubende Aussichten aus der Vogelperspektive gewährt die Metropole mit ihrem architektonischen Fingerzeig, dem Sky Tower (328 m), der für luftige Rundgänge auf einem schmalen Steg an der Fassade in schwindelerregenden 192 Metern Höhe offen steht – ein „Bungee Jump“ aus dem 53. Stock inbegriffen. Allerdings stürzen sich Wagemutige vom höchsten Fernsehturm der südlichen Hemisphäre nicht kopfüber in die Tiefe, sondern flitzen mit mehr als 80 km/h aufrecht, an einem Stahlseil befestigt, zu Boden.

Genug des Nervenkitzels
Genauso flott, wie es vom Sky Tower runtergeht, zieht es uns in die freie Natur. Im Wellnessfieber legen wir per Mietauto mehr als 130 Kilometer zum Hot Water Beach zurück. Kaum angekommen, werden die Schaufeln gleich wieder hervorgeholt. Wer keine hat, findet sie vor Ort in Hülle und Fülle. Fünf Neuseeland-Dollar, umgerechnet 2,90 Euro, kostet die Leihgebühr für ein Stück. Damit pilgern Erholungssuchende in Scharen an den Strand der Pazifikküste unweit der Kleinstadt Whitianga und graben große Löcher in den Sand, um sich darin suhlen zu können.

Denn 2000 Meter darunter befinden sich 170 Grad glühende Gesteinsschichten, magische Überreste vulkanischer Aktivität vor fünf bis neun Millionen Jahren. Dort, wo kaltes Grundwasser in das Sediment sickert, steigt heute noch wohlig warmes, mineralhaltiges Wasser durch Risse in der Felsformation nach oben und füllt frisch gebaggerte Strandwannen. Die Arbeit dafür mit der Schaufel bleibt uns erspart. Ein italienisches Pärchen überlässt uns seinen Platz an der Quelle, mit Nachbarn aus München und dem US-Staat Arizona. „Von unten richtig heiß, von oben kühler Nieselregen“, so dümpelt es sich lange entspannt dahin – mit Blick auf den brandenden Pazifik. „Genießen lässt sich das nur bei Ebbe, die sich täglich nach hinten verschiebt. Das Ganze wiederholt sich 12 Stunden später in der Nacht. Auch dann tummeln sich viele Leute am Strand, um zu graben, vor allem bei Vollmond“, verrät die Chefin vom Lokal Hotties. Kulinarischer Tipp: feinstes Steak mit Fisolen und Püree.

An der Küste entlang führt uns die Straße weiter Richtung Goat Island. Ein gutes Stück der mäßig frequentierten Strecke begleitet uns der verlockende Duft saftig-grüner Wälder, gemixt mit dem frischen Aroma des Stillen Ozeans und jenem betörenden von Edelhonig wie in einem Luxus-Spa. Natur pur! Vollkommene Ruhe gönnt sich, wer einen Spaziergang bei Goat Island unternimmt, benannt in Anlehnung an Ziegen, die mit wenig Wasser auskommen können – so wie die Vegetation auf dieser Insel. Der nächste Stopp in Kawakawa erinnert an die eigene Heimat. Österreichs Künstler Friedensreich Hundertwasser, der mit Vorliebe die „gerade Linie“ aus der Malerei und der Architektur verbannte, hat das öffentliche WC direkt an der Durchzugsstraße gestaltet. „Von 1973 bis zu seinem Tod 2000 hat er hier gelebt. Die Toilette, die Hundertwasser in seinem typischen Stil mit geschwungenen Kanten und unregelmäßigen Keramikfliesen geschaffen hatte, war 1999 eröffnet worden und ist bis heute unsere Hauptattraktion“, ist in der Ortschaft so nebenbei zu erfahren.

Ein Adrenalinkick völlig unerwarteter Natur überrascht uns auf der Fahrt nach Russell. Nahezu beschaulich rollt unser Mittelklassewagen mitten durch die beeindruckende Landschaft, als uns eine serpentinenähnliche Strecke bergab leitet. Nach einer engen S-Kurve fast schon auf Seehöhe lässt ein Schreckensmoment jeden ortsunkundigen Autofahrer zusammenzucken und auf die Bremse steigen: Die Straße mündet abrupt im Wasser! Eine heimtückische Falle für jeden, der das nicht kennt. Am Ende des untergehenden Asphalts legt direkt die Fähre von Opua nach Okiato an.

Sie bringt uns in den Ort nordnordwestlich von Whangarei und südostöstlich von Kerikeri auf einer Landzunge, die bis in die Bay of Islands reicht. „Ende des 18. Jahrhunderts war Russell noch eine Siedlung ortsansässiger Maori“, wird erzählt. Die Tradition, Bräuche, Stammestattoos und der legendäre rituelle Haka-Tanz der Ureinwohner sind ein lebendiges Stück neuseeländischer Kultur. „Gehe in das Tal unserer Vorfahren, lerne aus der Geschichte und bestaune die Schönheit“, lautet eine ihrer Weisheiten. Gelungener Ausklang nach der aufregenden Fahrt: Einquartiert im Holiday Park in Russell, gibt es Wein auf der Veranda, dann Bier auf dem Pier.

Den köstlichen Höhepunkt liefert die feine Küche im The Duke Of Marlborough Hotel: Fischsuppe, Lamm, Kalamari und der lokale Fisch Hapuka für 140 Neuseeländische Dollar. Die geschmackvolle Reise lässt sich tags darauf einfach bei einer Schiffstour um 120 Dollar pro Person fortführen. Wir reiten auf den Wellen vorbei an einer Insel, auf die schon der berühmte britische Seefahrer Kapitän James Cook einen Fuß gesetzt hatte. Kurz darauf passieren wir The Hole in the Rock (Das Loch im Felsen) und die Orca-Passage. Dazwischen katapultieren sich immer wieder Delfine geschmeidig aus dem Wasser. Elegant setzen die Akrobaten des Ozeans Luftsprünge um, die Lebensfreude versprühen. Gaumenfreuden frönen wir beim Barbecue in der Otehei Bay auf Urupukapuka. Die Insel begeistert mit traumhafter Kulisse.

Ein verlockender Abstecher drängt sich für alle „Herr der Ringe“- und „Der Hobbit“-Fans auf. Das in den Oscar-gekrönten Kultfilmen als Hobbingen im Auenland bezeichnete Gebiet gibt es tatsächlich. In einem kleinen Ort nahe Matamata liegt der fantastisch-cineastische Schauplatz auf dem Grund der Schaffarm der Familie Alexander. 1998 hatte Regisseur Peter Jackson mit seinem Team an die Tür der Züchter geklopft – der Rest ist Geschichte. Ungetrübt ist das Interesse an dem beliebten Touristenziel. Noch immer gilt es als Top-Reisedestination der Nordinsel.

Zu entdecken gibt es in Neuseeland noch viel mehr. Die eintägige Anreise zahlt sich auf jeden Fall aus. Als Belohnung warten Naturerlebnisse und Abenteuer am schönsten Ende der Welt.

Karl Grammer, Kronen Zeitung

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